on 3. September 2010 by W. Stock in Denker, Politik, Wirtschaft, Comments (0)

Johannes Gross, der Aphoristiker der Überlegenheit

Photo by Hasso von Bülow

Köln, den 3. Dezember 1993

Johannes Gross, dies sollte man als Autor eigentlich nicht zu laut sagen, ist schreiberisch ein Vorbild. Eigentlich sollte man solch einen Satz schnell wieder vergessen, denn man legt die Latte für Eigenes viel zu hoch. Man kann noch so viel trainieren, man wird die Latte stets reißen.

Der kleine Westerwälder mit der Denkerstirn war ein Mann, der einen unglaublichen sprachlichen Reichtum besaß und einige andere Eigenschaften, auf die man als Journalist stolz sein darf: Er war unabhängig, er hatte keine Furcht vor den Mächtigen, er war hellwach, witzig auf die intelligente Art, er hatte Esprit.

Johannes Gross muß als ein homme de lettres umschrieben werden, er beherrschte die feine politische Ironie ebenso wie den philosophischen Diskurs, er war stilsicher, hochbelesen, und er war – heute würde man sagen – politisch inkorrekt.

Er schrieb Sentenzen mit Biss, hintersinnige Aperçus, Bonmots mit Esprit. Er veröffentlichte seine wöchentlichen Tagebuchnotizen im FAZ-Magazin und jedes Mal waren seine Anmerkungen ein Schmaus für alle Hirnzellen, die das Arbeiten noch nicht aufgegeben hatten. Johannes Gross erreichte eine stilistische Fertigkeit, die in seinen Tagen sonst niemand erreichte. Seine Anmerkungen fielen so herrlich aus dem Zeitgeist heraus, und es war diese störrische Unangepassheit, dieses arrogante Besserwissen, das für Lesefreude sorgte.

Protest ist heute eine der bemerkenswertesten Formen der Anpassung. Das ist so ein überlegener Johannes-Gross-Satz aus seinen Tagebüchern. Touché. Ein Stich im Luftpolster des aufgeplusterten Zeitgeistes. Dampfplauderer, Schablonendenker, Flachwasserschwimmer – all sie bekammen von Johannes Gross ein gepfeffertes Bonmot entgegen geschleudert.

Vielen galt er als eitler Pfau. Vielleicht war er das, aber es war nur der eine Teil von ihm. Das war eher sein Panzer. Arroganz, so hätte er wohl formuliert, ist der Schutz vor dem Mittelmäßigen. Und eigentlich war es ja auch keine Arroganz, es war Überlegenheit.

Der andere Teil von Johannes Gross kam zu vorschein, wenn man sein Interesse geweckt hatte. Dann wurde der öffentlich zelebrierte Zynismus plötzlich abgelöst von intellektueller Neugier. Da zeigte er sich wißbegierig, als ein aufmerksamer Zuhörer, als Anekdotensammler.

Darüber hinaus blieb er in seinen privaten Momenten ein ganz normaler Mensch: Er mochte seine Familie, die gepflegte Konversation, gutes Essen, er trank gerne einen Rotwein, er tanzte, er liebte Frankreich, er wußte das Leben zu genießen.

Im September 1999 ist er in Köln gestorben. Ein solcher Mensch fehlt uns heute. Kein Publizist vermochte in seine Fußstapfen zu treten. Die Fußstapfen sind einfach zu groß. Viel zu groß!

Kaffee für den Connaisseur

on 2. September 2010 by W. Stock in Essen & Trinken, Sylt, Comments (1)

Photo by W. Stock Sylt, im September 2010 In den letzten Jahren haben Kaffee-Bars weltweit für Aufsehen und Furore gesorgt. Das war nicht mehr Omas Café-Kultur von einst, sondern moderne, […]

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Deutschlands schönste Strandbude

on 1. September 2010 by W. Stock in Essen & Trinken, Sylt, Comments (0)

Photo by W. Stock Sylt, im September 2010 Gleich hinter Rantum sollte man rechts Richtung Strand abbiegen, sein Auto auf dem großen Parkplatz stehen lassen und dann noch die wenigen […]

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Travelmate

on 31. August 2010 by W. Stock in Ernest Hemingway, Comments (0)

Photo by C. Stock
Never go on trips with anyone you do not love.
Geh’ nie mit einer Person auf Reise, die du nicht liebst.
Ernest Hemingway

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Mick Jagger im Dschungel – und noch einer

on 29. August 2010 by W. Stock in Film, Jazz & Musik, Peru, Comments (2)

Foto by René Pinedo Iquitos, im Januar 1981 Er setzt sich seinen einfachen Strohhut auf, schlendert durch die Menge und durchstreift die schwüle Welt des Amazonas. Er fällt nicht weiter […]

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Frank Sinatra fliegt zum Mond

on 28. August 2010 by W. Stock in Fliegen, Jazz & Musik, Comments (1)

Bart Howard hatte Fly me to the Moon 1954 komponiert und getextet. Zahlreiche Interpreten haben den Song aufgenommen. Johnny Mathis, Ella Fitzgerald, Mel Tormé, Sarah Vaughan, Tony Bennett. Alles nett […]

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Puerto Marqués – Acapulcos kleine Schwester

on 27. August 2010 by W. Stock in Acapulco, Comments (0)

Photo by C. Stock Puerto Marqués, im April 1992 La Bahia de Puerto Marqués, zwanzig Minuten südlich von Acapulco gelegen, ist nicht so hektisch und auch nicht so laut wie […]

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Günter Wallraff, der Schmutzwühler

on 26. August 2010 by W. Stock in Politik, Comments (0)

Bergisches Land, den 5. Juni 1979 Unter konspirativen Umständen, man kann es nicht anders sagen, kam ich zu Günter Wallraff. Denn Wallraff musste für ein paar Wochen von der Bildfläche […]

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Wer wählt wen?

on 25. August 2010 by W. Stock in Ernest Hemingway, Comments (1)

Hemingway-Denkmal in Cojímar/Kuba; Photo by W. Stock I never had to choose a subject – my subject rather chose me. Ich habe nie ein Buchthema ausgesuchen müssen, mein Thema hat […]

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Der Jazz ist tot!

on 24. August 2010 by W. Stock in Jazz & Musik, Comments (0)

Eubie Blake, 1978; Photo by W. Stock Wenn man sich die Programme der sommerlichen Jazz Festivals von Montreux über Nizza bis Los Angeles anschaut, dann kommen einem schnell die Tränen. […]

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Der Herr der Enten

on 23. August 2010 by W. Stock in Essen & Trinken, Comments (0)

Wiesbaden, im September 1988 Die Ente vom Lehel ist im Wiesbadener Nobelhotel Nassauer Hof untergebracht. Hans-Peter Wodarz hat das Edelrestaurant 1979 gegründet, in der Tradition seines Münchener Restaurants, das Die […]

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Auf dem Amazonas

on 22. August 2010 by W. Stock in Peru, Comments (0)

Photo by N. Böer Rio Amazonas, im Dezember 1985 Dies ist heute ein ganz besonderer Tag. Seit Stunden fahren wir auf dem Fluss ohne einer Menschenssele zu begegnen. Auf dem […]

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Mark Twain

on 21. August 2010 by W. Stock in Ernest Hemingway, Comments (0)

All modern American literature comes from one book by Mark Twain called Huckleberry Finn. Die ganze moderne amerikanische Literatur führt sich auf ein Buch von Mark Twain zurück: Huckleberry Finn. […]

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Armes Glück in Anuradhapura

on 19. August 2010 by W. Stock in Sri Lanka, Comments (0)

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Der seltsame Jürgen W.

on 18. August 2010 by W. Stock in Politik, Wirtschaft, Comments (2)

Düsseldorf, im Mai 1992; Photo by Hasso von Bülow Ein merkwürdiger Mensch, dachte ich, als ich Jürgen Wilhelm Möllemann näher kennen lernte. Auf der Mattscheibe erschien er oft wie ein […]

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