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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Tu felix Bavaria!

Tu felix Bavaria!
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Photo by W. Stock

Der Süden Deutschlands boomt. Mehr Wohlstand als sonst wo, eine niedrige Kriminalität, fast Vollbeschäftigung, die besten Schüler, gute Universitäten, Spitzentechnologie, das beste Essen, ein Weltklasse-Fussball. Alles Zufall? So sieht es zumindest die SPD.

Auch für die Medienwirtschaft ist Bayern attraktiv. Nicht Berlin, sondern München ist die Hauptstadt Deutschlands. Droemer, Random House, Burda, Condé Nast, Süddeutsche, Sky, Pro7, Hanser, die wichtigen Literaturagenten – München ist Deutschlands Medien-Hauptstadt. Sapperlot, was ist denn dran an München, aus welchem Grund will halb Deutschland in der Bayern-Metropole arbeiten?

Böse Zungen behaupten, die Tatsache, dass die meisten Verlage in München angesiedelt seien, habe einen einfachen Grund: In München gäbe es das beste Bier der Welt. Das stimmt! München liegt in puncto Pro-Kopf-Verbrauch an Bier in Deutschland an erster Stelle. Ohne Verlagsleute nur auf Platz 7.

Grüss Gott wird in Bayern gerufen, man ist katholisch in diesen Breiten, sicher doch, aber auf eine überaus pragmatische Art und Weise. Je kürzer der Weg vom Gotteshaus in die Bierschänke, desto besser. Im Kloster Andechs hat man beides praktischerweise gleich nebeneinander gebaut. Verweildauer: Fünf Minuten Kirche, zwei Stunden Wirtshaus.

Zweimal haben die Bayern eine Revolution vom Zaune gebrochen: Einmal 1918, als die Räterepublik ausgerufen wurde, die zweite 1996, als Anwohner per Gericht die Biergärten um 20 Uhr schließen lassen wollten. Die erste Revolution scheiterte, die zweite war von Erfolg gekrönt. Die letzte Mass darf – laut bayerischer Biergartenverordnung – um halb 11 nachts ausge­schenkt werden.

Die königlichen Ludwigs – der erste fiel der Hochstaplerin Lola Montez, der zweite dem Schwachsinn anheim – werden noch immer verehrt. Doch auch die Bilanz der republikanischen Ludwig-Nachfolger kann sich sehen lassen. Unter Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber hat sich Bayern von einem rückständigen Agrarstaat direkt ins zukunftsträchtige High-Tech-Zeitalter gebeamt.

Laptop und Lederhose – beides geht für den knorrigen Bayer schon zusammen. Andernorts, gerade im Westen Deutschlands, wird das Lamento über die Gefahren der neuen Technologien angestimmt und noch immer in den Denkmustern der Fabrikschlote gedacht. In Bayern hingegen kämpfen die Förderungsgesellschaften, Cluster-Initiativen, die Ministerien und jeder Bürgermeister um die Ansiedlung junger High-Tech-Firmen.

Trotz dieser modernen Infrastruktur ist der Bayer im Grunde seines Herzens ein Naturbursch mit rüder Herzlichkeit und mit der Gewitztheit eines Almbauern geblieben. Diese sympathische Symbiose aus Modernität und Bodenständigkeit macht wohl die Attraktivität Bayerns aus.

Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land, so Ludwig Ganghofer über das Berchtesgadener Land. Man möchte anfügen, dies möge auch für München und gleich für ganz Bayern gelten.

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  1. apple

    Ja: „mia san mia“. Diesen Anpruch erheben nicht nur die Bayern ganz allgemein, sondern auch DIE Bayern, respektive der FC Bayern München, und auch die CSU auf Wahlplakaten. Wenn man allerdings das industrielle und intellektuelle Zentrum Bayerns anspricht, also München, so soll zumindest angemerkt werden, dass die „Hauptstadt mit Herz“ in der Nachkriegszeit hauptsächlich von Bürgermeistern geführt wurde, die der SPD angehörten, darunter Hans Jochen Vogel (1960 – 1972), Georg Kronawitter (1972 – 1978, 1984 – 1993), und von da an Christian Ude. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass München gerade in der Amtszeit dieser Bürgermeister aufblühte. Zufall, nein die SPD liegt tatsächlich falsch. Es waren Bürgermeister, die ihrer Partei angehörten – und gewiss nicht zufällig. Dass Erich Kiesl (CSU) schon nach sechs Jahren Amtszeit (1978 – 1984) wieder abgewählt wurde, Zufall? Ereignisse haben zumeist Ursachen! Ja „tu felix Bavaria“, kannst richtig froh sein, dass diese Bürgermeister deine Hauptstadt zu dem machten, was Dr. Stock so trefflich beschrieb.

    Nur nebenbei: Beim Länderfinanzausgleich war Bayern früher ein „Nehmerland“. Laptop und Lederhosen waren nicht zufällig.

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