Reisen & Begegnungen

Monat: November 2010 Seite 2 von 3

Management by Objectives – der humane Unternehmenserfolg

Professor Peter F. Drucker und Wolfgang Stock, Düsseldorf im Juni 1993; Foto: Hasso von Bülow  

Wenn mich eine Managementtheorie mein Berufsleben begleitet hat, dann diese: Management by Objectives. Ich habe dies immer beherzigt, an jeder Arbeitsstelle, bei jedem Projekt, in jeder Teamleistung und zu jeder Zeit. Peter F. Drucker hat dieses Führungsverhalten beschrieben und den Begriff dazu erfunden.

Das Führungscredo des Management by Objectives machte den gebürtigen Wiener Peter Drucker unsterblich. Das war damals, wir sprechen vom Jahre 1954, revolutionär und ist heute Allgemeingut. Führen durch Zielvereinbarungen.

Der Vorgesetzte setzt sich mit Teammitgliedern, Abteilungsleitern und Führungskräften zusammen und es werden kollektive und individuelle Zielvereinbarungen getroffen. Diese können konkret sein, sich in Facts and Figures ausdrücken. Sie können allerdings auch abstrakt formuliert sein. Eine gute, publikumsnahe Zeitung zu machen, beispielsweise.

Der Weg, wie dieses Ziel zu erreichen ist, bleibt dann dem Mitarbeiter überlassen. Er kennt die Materie besser als sein Vorgesetzter, er ist nahe am Kunden, und er vermag wiederum seine eigenen Mitarbeiter bestmöglich einzusetzen. Gemessen wird an der Zielerreichung. Jeder weiß, woran er ist. Jeder weiß, welche Verantwortung er trägt.

Damit Management by Objectives nicht ins Unverbindliche abrutscht, muß die Zielvereinbarung in einen verbindlichen Rahmen gebunden werden. SMART schlägt Peter Drucker vor – Spezifisch, Messbar, Aktiv beeinflussbar, Realistisch, Terminiert. Jede Organisationseinheit und jeder Mitarbeiter weiß, woran er arbeiten muss und was von ihm verlangt wird. Und dazu: Welches strategische Ziel das Gesamtunternehmen verfolgt.

Peter Drucker hat MbO vor über einem halben Jahrhundert als praxistaugliches Rüstzeug entworfen. Wir müssen uns nur in die 1950er Jahre zurück versetzen. Damals regierten in den Unternehmen Befehl und Gehorsam, Betriebe wurden meist wie Militärkompanien geführt oder bestenfalls von einem Patriarchen dominiert. Management by Objectives gewährte nun erstmalig Entfaltungsmöglichkeit und Freiraum für eigene Ideen.

MbO setzt auf den mündigen und findigen Mitarbeiter und ist damit ein Gegenentwurf zum Typ Hallo Chef, Feuer im Betrieb, was soll ich tun? Weil Freiheit und Autonomie dieses Management by Objectives prägen, hat es noch heute seine Gültigkeit. Das mag etwas über die Substanz dieses Theorems aussagen, wenn es sich in der schnelllebigen Wirtschaft über ein halbes Jahrhundert zu halten vermag.

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Der Playboy im Flieger

Vor einiger Zeit ein Flug mit Air Berlin. Beim Einstieg wird auch Magazinlektüre angeboten. Neben der Süddeutschen Zeitung und Die Welt liegt eine bunte Fotozeitschrift, die seit fast 60 Jahren auf den hübschen Namen Playboy hört.

Das Magazin mit den Nackedeis liegt neben all den anderen Zeitungen und Zeitschriften auf einer hüfthohen Ablage, wenn man direkt ins Flugzeug einstieg. Und man kann sich rasch ein Exemplar unter den Arm stecken.

Doch Playboy kann vielleicht ein bisschen heikel werden. Denn es sind ja nicht nur Kinder an Bord, vielleicht mag ja auch dem einen oder anderen Erwachsenen beim Anblick einer spärlich bekleideten Dame der Schreck in die Glieder fahren.

Also müssen die nackten Tatsachen versteckt oder zumindest verdeckt werden. Hier ist guter Rat gefragt.

Die Kollegen vom hoch seriösen Burda Verlag, der den deutschen Playboy seit geraumer Zeit herausgibt, hatten da eine pfiffige Idee. Um den nackten Playboy herum wird für die Airline-Ausgabe ein zusätzlicher, neutraler Schutzumschlag gebunden: Mit einem Foto, aus einem Flugzeug aufgenommen, über der Wolkendecke, aus der zwei runde, spitze Berge ragen.

Innen Playboy, außen wolkig. Herrlich zweideutig, Chapeau, eine wunderbare Idee und eine Zeitschriften-Rarität!

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Rum Hemingway

Photo by W. Stock

An intelligent man is sometimes forced to be drunk to spend time with his fools.
Ab und an ist ein kluger Mann gezwungen, sich zu betrinken, damit er es bei den Dummköpfen aushält.
Ernest Hemingway

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Hunter S. Thompson, unser Bester

Als Jugendlicher habe ich zum ersten Mal eine dieser wilden Reportagen von Hunter S. Thompson gelesen. Wenn ich mich recht entsinne, handelte die Geschichte von Ernest Hemingway und von seinem letzten Wohnort Ketchum in den Bergen Idahos.

Nicht nur das Thema hat mich elektrisiert, sondern auch die Art und Weise, wie dieser junge Autor seine Reportage stilistisch anpackte. Das war mehr als merkwürdig, das war eigenartig und seltsam, das war so ganz anders, als das, was ich bisher von Journalisten gelesen hatte.

Ein Stück von ihm erkannte man nach dem ersten Satz. Stets ignorierte der Mann alle Regeln einer guten Reportage. Mal fing er mit wörtlicher Rede an, mal erzeugte er null Atmosphäre zu Beginn, dann fabulierte er wild drauf los, rotzte seine Meinung zu Papier und zelebrierte mit Leidenschaft seine Wutausbrüche und seine Außenseiterrolle.

Er machte beim Schreiben keinen Hehl aus der Tatsache, dass er nicht nur unter Adrenalin stand, sondern wohl auch unter Alkohol, Acid, Dope und weiß der Teufel was. Er veröffentlichte meist im Rolling Stone, einem Musikmagazin, das das Lebensgefühl einer ganzen Generation ausdrückte.

Hunter S. Thompson und sein Gonzo-Stil waren Woodstock auf der Schreibmaschine, laut, schrill, anti gegen alles, er war ziemlich durchgeknallt. Aber in ihrer subjektiven Radikalität hatten seine Texte etwas, was der ganze Sesselpupser-Journalismus nicht hatte: Nähe und Authentizität.

Die besten Schreiber des romanhaften Erzählens, des New Journalism, kamen aus den USA. Und Hunter S. Thompson, dieser ziemlich irre Typ, war der Star dieser neuen Art zu schreiben. Seine Themen waren aus der Welt dieser neuen Generation, die den Aufstand gegen die alten Werte probte: Er schrieb über die Rockergang der Hell’s Angels, über Las Vegas, über Marlon Brando, über das Kentucky Derby.

Diese Reportage über das Kentucky Derby kommt urkomisch daher. Dabei schreibt Hunter nicht über das eigentliche Rennen, sondern gibt seinen Versuch zum Besten, an Pressekarten zu kommen. Oder er lungert an der Bar herum mit tumben Pferdenarren. Aber durch diese Schilderungen verrät er mehr über das Ereignis, als wenn er das blosse Pferderennen beschreiben würde. Hier zeigt sich: Hunter S. Thompson war wohl der Beste seiner Generation.

In dem Abschiedsbrief an Frau und Sohn, den der Rolling Stone Monate nach seiner Selbsttötung veröffentlichte, schrieb er: No More Games. No More Bombs. No More Walking. No More Fun. No More Swimming. 67. That is 17 years past 50. 17 more than I needed or wanted. Boring. I am always bitchy. No Fun – for anybody. 67. You are getting greedy. Act your old age. Relax – This won’t hurt. Ich bin 67. 17 mehr als 50. Das sind 17 Jahre mehr als ich brauchte und wollte. Das macht keinen Spass – für niemanden. Bleib ruhig, Bursche, es tut nicht weh.

Er schoss. In den Kopf. Am Schreibtisch.

Bei seiner Beerdigung im August 2005 war Hunter S. Thompson wieder ganz der Alte. Er hatte jede Einzelheit der Beisetzung genau geplant und wieder war alles ziemlich schräg: Als Höhepunkt ließ er aus einer riesigen Kanone seine Asche in die Luft von Colorado schießen.

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2much nonsense 4me

gefunden in Wiesbaden, im Mai 2008; Photo by W. Stock

gefunden in Wiesbaden, im Mai 2008; Photo by W. Stock

Natürlich kann man sein Ladenschild auch als hübsches Bilderrätsel aufbauen. Ein solches Rätsel habe ich in Wiesbaden gefunden.

2nice – but not 2nice 4you. So heißt der Laden. Ziemlich schräg. Bedeutet dies: Too nice – but not too nice for you? Das wäre dann so dämlich, dass es weh tut. 2much nonsense 4me.

Ladenschilder sollten so gestaltet sein, dass man sie schnell verstehen kann. Der Laufkunde sollte rasch kapieren, was im Geschäft eigentlich angeboten wird. Wir befinden uns ja nicht auf Schnitzeljagd beim Kindergeburtstag.

Was macht das überhaupt für einen Sinn? So hübsch – aber nicht zu hübsch für Sie? Ist das lustig oder nur ballaballa?

Mir erschließt sich der Sinn nicht, obwohl ich doch Abitur habe. Denn zu Ende gedacht, heißt das ganze: Hier gibt es Mittelmaß und Dutzendware für Sie – not too nice for you.

Das Ganze grenzt ja fast an Kundenbeschimpfung! Dass diese Redewendung im Englischen auch Sie sind es wert heißen kann, werden die wenigsten wissen.

Oh, fast hätte ich es vergessen, eine ganz schüchterne Frage: Was gibt es denn bei 2nice zu kaufen? Ich weiß es bis heute noch nicht.

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Luis Spota entlarvt B. Traven

Acapulco 1982; Photo by W. Stock

Der enigmatische Schriftsteller B. Traven war untergetaucht, und zwar im sonnigen Acapulco. Im Juli 1948 entdeckt der damals 25-jährige mexikanische Reporter Luis Spota den scheuen und geheimnisumwitterten Autor B. Traven in der Hafenstadt am Pazifik.

Spota ist ein junger investigativer Reporter aus der Hauptstadt Mexico City. Finde heraus, wer Traven ist, hatte ihm sein Chefredakteur als Auftrag mit auf den Weg gegeben.

Spota hat nach Beendigung der Dreharbeiten zu Der Schatz der Sierra Madre die Spur von Hal Croves, angeblich Travens Sekretär, verfolgt. Diese Spur von Croves führt nach Acapulco an den Pazifik, wo Croves unter dem Namen Berick Torsvan als Inhaber eines kleinen Restaurants lebt.

Den entscheidenden Tipp und die Adresse bekommt Spota von der Banco de México zugesteckt. Als ein Briefträger in Acapulco ihm obendrein verrät, dass ein geheimnisvoller Señor Berick Torsvan Honorarzahlungen des Literaturagenten Josef Wieder aus Zürich erhält, die an einen gewissen B. Traven adressiert sind, da verfliegt bei Luis Spota der letzte Zweifel: Berick Torsvan ist B. Traven. Spota hat den unsichtbaren deutschen Autor entdeckt, als erster.

In Acapulco legt sich Spota auf die Lauer, als Torsvan alias Traven seinen täglichen Gang zum Postamt in der Nähe der Uferpromenade unternimmt. Luis Spota sieht einen gutgekleideten Mann in einer weißen Flanellhose, einem hellblauen Hemd und mit einer dunklen Sonnenbrille, der kurz mit einigen Einheimischen plaudert.

Der mitgebrachte Fotograf drückt auf den Auslöser und schießt seine Schnappschüsse von dem Mann. Es werden die ersten öffentlichen Fotos sein, auf denen der merkwürdige B. Traven abgebildet ist. Nunmehr erhält Mexiko und die Welt ein Bild dieses Autors. Als Traven den jungen Spota und seinen Fotografen bemerkt, wird er sichtlich nervös, dann ungehalten und schließlich ergreift er die Flucht.

Spota besucht Traven alias Torsvan alias Croves in seinem Restaurant und konfrontiert ihn mit seiner Recherche. Zuerst redet der kleine Mann, den sie hier el gringo nennen, drumherum bis er schließlich seine Identität preisgibt. In Tampico störte es mich, dass sie mich nur den Schweden nannten, deshalb nannte ich mich Traven. Ein Verleger in München hat dann das B. davor gesetzt.

Luis Spota schreibt für das Magazin Mañana eine mehrseitige Reportage, die am 7. August 1948 veröffentlicht wird. Mañana descubre la identidad de B. Traven! Mañana enthüllt die Identität von B. Traven!, heißt die reißerische Überschrift des Artikels. Berick Torsvan ist Hal Croves ist B. Traven.

Blätter in aller Welt drucken den Scoop Spotas nach. Das größte Nachrichtenmagazin der Welt, das Time Magazin, berichtet in seiner Ausgabe vom 16. August 1948 von Spotas Entdeckung unter der Überschrift The Secret of El Gringo.

Doch trotz Spotas Beweisen streitet der kauzige Gastwirt Berick Torsvan später wieder ab, der Autor B. Traven zu sein. Torsvan taucht nun bei seinem Freund Gabriel Figueroa unter, womit Traven dann ein weiteres Mal für geraume Zeit von der Bildfläche verschwunden ist.

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Extrablatt – Irnbergers aufmüpfiges Magazin aus Wien

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren habe ich ab und an für das Wiener Extrablatt geschrieben. Das österreichische Monatsmagazin stand dem linken Flügel der Sozialdemokratie nahe. Es besaß seine Sympathien für den großen Bruno Kreisky, mit ein wenig Distanz natürlich, so wie in der Beziehung eines pubertanten Jungen zu seinem Vater.

Die Auslandsberichterstattung war für jene Jahre ausführlich und profund. Aus Lateinamerika, dem Nahen Osten oder Südeuropa. Großartige Autoren veröffentlichten erstklassige Texte in der Zeitschrift. Die Innenpolitik ging man oft investigativ an. Dabei war die Zeitschrift groß im Aufdenken von politischen oder sozialen Ferkeleien in der Alpenrepublik.

Viele, denen später Ruhm und Ehre zuteil wurden, haben in jungen Jahren im Extrablatt veröffentlicht. Da ist Manfred Deix, der Sankt Pöltener Karikaturist, mit seinen beißenden Cover-Grafiken. Da ist Marie Luise Kaltenegger, die wie keine zweite einfühlsame und sinnliche Reportagen zu schreiben vermochte. Und die Liste ließe sich fortsetzen: Elfride Jelinek, Erich Hackl oder Christoph Ransmayr.

Der Kopf hinter, vor, über und unter dem Extrablatt war Harald Irnberger. Irnberger war ein – positiv gemeint – Besessener. Er ging zu Arafat zum Interview als dies noch einen Skandal auslöste und deckte in Wien kompromisslos die eine oder andere Misswirtschaft auf, auch wenn dies a conto SPÖ ging.

Irnberger war, insbesondere analytisch, ein guter Journalist, vielleicht ein Hauch zu schwärmerisch. Aber er besaß ein gutes Auge und einen klaren Verstand, was in seinen Reprotagen für Focus, GEO und den stern nachzulesen ist. Und er hat ein wunderbares Buch geschrieben über Gabriel García Márquez, den er persönlich gut kennt.

Anfang der 1980er Jahre kam das Extrablatt in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Als Verleger blieb Irnberger eigentlich immer klamm und wenn ich ihn am Telefon hatte und ihn sanft an ausstehendes Honorar erinnerte, da kam in einem melodischen österreichischen Tonfall meist eine solch hübsche Erklärung, dass man nicht weiter insistieren mochte. Zum schlechten Ende musste Harald Irnberger das Extrablatt schließlich aufgeben.

Der hagere und bärtige Journalist, vom Jahrgang 1949, ging dann als Korrespondent viele Jahre nach Mittelamerika in die Bürgerkriegsstaaten. Danach ließ sich Irnberger mit seiner Frau in Andalusien nieder, wo sich beide eine Finca mit Meerblick aufbauten.

Der Kärntner war in den letzten Jahren für den KICKER ein kluger Spanien-Korrespondent, jenseits von EinsNull, und schrieb mit Die Mannschaft ohne Eigenschaften ein scharfsinniges Buch über die Globalisierung im Fußball. Ein dicker Schmöker, dem er ein Zitat von Martin Walser voranstellte. Es gibt nur etwas, das noch sinnloser ist als Fußball: nachdenken über Fußball.

Und in letzter Zeit hat sich der Wahl-Spanier auch als Autor von Krimis mit Wiener Flair einen Namen gemacht. Mord und Totschlag, der Fußball, die Sandinisten – Irnbergers Welt war bunt und abenteuerlich. Nun, im August 2010, ist Harald Irnberger in Andalusien verstorben.

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George Clooneys Tante

Diese Sängerin mag ich sehr. Sie hat eine feste, swingende Stimme wie aus dickem Glas. Meist sang sie das Great American Songbook, Rodgers & Hart, Cole Porter, Irving Berlin. Romantische Balladen, da lag ihr Profil, durchaus gewürzt mit dynamischen Tempi.

Hey there war meist ihr opening theme. In den 50ern hatte Rosemary Clooney ihre große Zeit. Man fand sie an der Seite von Benny Goodman, von Dámaso Pérez Prado, sie sang mit Dean Martin und all den anderen Großen. Danach geriet sie ein wenig in Vergessenheit, auch als Schauspielerin.

In den 80er Jahren erlebte sie ein fulminantes Comeback, meist unterstützt von einer formidablen swingenden Combo aus Kalifornien, der Concord Band mit dem wunderbaren Trompeter Warren Vaché und dem lyrischen Tenoristen Scott Hamilton.

Hier singt Rosemary Clooney live mit Les Brown & his Band of Renown. Das ist ein ganz feines, sehr kompaktes und swingendes Orchester. Eine Big Band, die nie ganz in der ersten Reihe stand, aber als Begleitband von Doris Day und als Hausband der Dean Martin Show ungeheur populär war.

Diese solide Big Band war seit den 40er Jahren über all die Dekaden hinweg immer präsent und selbst heute, in für Jazz Orchester ungemein schwierigen Zeiten, ist sie immer noch da. Jetzt geleitet von Les Brown junior.

Zurück zu Rosemary Clooney. Eine Frage liegt Ihnen sicher auf der Zunge. Ja, Rosemary ist eine Clooney, verwandt mit dem berühmten Schauspieler. Rosemary Clooney ist die Tante von George Clooney. Denn George ist der Sohn von Rosemarys Bruder Nick. Und leider muss man sagen, sie war seine Tante.

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Lee Iacocca, der fischende Automann

Gravenbruch, den 14. September 1989; Foto by Hasso von Bülow

Der Mann wird bewacht wie ein Staatspräsident. Gerade hat mich der breitschultrige Bodyguard prüfenden Blickes gemustert, beiläufig genickt, seine ausgebeulte Achselpartie stramm gezogen und mich kurz durchgewinkt. Etwas unsicher biege ich um die Ecke und gehe auf ihn zu. Der berühmteste Manager der Welt lächelt mich an.

Der US-Amerikaner Lee Iacocca ist nicht zuletzt deshalb einer der bekanntesten Manager, weil er als erster ein Spitzengehalt von über 20 Millionen Dollar eingestrichen hat. Er ist zudem ein begnadeter Verkäufer. Aber mehr als das. Er ist ein sympathischer Entertainer, eine legendäre Führungskraft und ein erfolgreicher Bestsellerautor.

This is Doctor Stock from ECON Publishers, stellt mich sein Referent, der dann von seiner Seite weicht, vor. Nice to meet you, Doctor Stock, strahlt mich der Auto-Manager an. Man merkt, hier redet ein Mensch, der Menschen mag.

Der größte Erfolg von Lido Anthony Iacocca, den alle Welt kurz Lee nennt, beginnt mit einer unerwarteten Niederlage. Henry Ford II hat ihn 1978 als President von FORD rausgeschmissen. Einfach so, ohne Vorwarnung, ohne Grund. Ihn, den erfolgsverwöhnten Lee, der seit den frühen 50er Jahren für FORD gearbeitet hat.

Im Jahr seines Rauswurfs hat Lee Iacocca den Aktionären und der Familie Ford einen Firmengewinn von 2 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt, die Bilanz strahlte wie der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center. Es war verrückt.

Aber vielleicht war Iacocca zu erfolgreich. Lee, hat Henry Ford zu Iacocca gesagt und ihn im Garten vor dem Firmengebäude in Detroit zur Seite genommen, schauen Sie einmal nach oben. Und deutet auf das Dach der Konzernzentrale mit dem wuchtigen FORD-Schriftzug. Welcher Name steht da? Und Lee hat verstanden.

Er geht dann als Chairman zu Chrysler, arbeitet für einen symbolischen Dollar und rettet den maroden Autobauer, der kurz vor der Pleite steht. Bei Chrysler hat er die Marketing-Idee des Jahrzehnts: Er tritt in den TV-Werbespots für den Dodge und den Plymouth persönlich auf. Ähnlich wie der Verkäufer einer Filiale. Die Botschaft ist klar: Iacocca verbürgt sich für dieses Auto, er steht mit seinem guten Namen und seiner Person für diesen Konzern. The pride is back.

Thanks for all your help meint er bei unserem Treffen in Gravenbruch, so als sei ich nicht ein kleiner Lektor, sondern seine wichtigste Stütze. I appreciate your help. Und zum Abschied ruft er mir nach: Best wishes. Und lächelt. Lee ist ein Automanager. Aber noch mehr ein Menschenfischer, einer der besten Menschenfischer überhaupt.

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Hier war Hemingway gewesen

Hotel Hemingway, gefunden in Caorle/Italien, im September 2005; Photo by W. Stock

Dieser Ernest Hemingway hat Spuren hinterlassen. Ohne Zweifel literarische Spuren, er hat aber auch Spuren hinterlassen in den zahlreichen Städten und Orten, die er besucht hat.

Museen sind für ihn eingerichtet worden, Stiftungen wurden gegründet, Zeitschriften mit seinem Namen werden verlegt, Kofferkollektionen, Schuhe und Füllfederhalter wurden nach ihm benannt, ein Hemingway-look-alike-Contest ist jedes Jahr in Florida ein Schenkelklopfer, Strassen tragen seinen Namen. Auch Schulen, Hotels, Angelwettbewerbe, Yachthäfen heißen so wie er. Bars und Kneipen sowieso.

Und Ernest Hemingway hielt sich mit Vorliebe dort auf, wo es etwas zu erleben gab: an der Frontlinie des Ersten Weltkriegs, im Spanischen Bürgerkrieg, im Paris, als die deutschen Besatzer verjagt wurden, in den Steppen Afrikas, bei Castros kubanischer Revolution.

Hemingway ging raus, dort hin, wo sich das Leben zutrug. Als Autor war er das schiere Gegenteil eines Schreibtischtäters. Du kannst eine Sache nicht richtig begreifen, wenn du sie nicht mit eigenen Augen gesehen hast, meinte er – und er musste die Welt mit eigenen Augen sehen.

Es gibt wohl keinen anderen Schriftsteller weltweit, der sich so ins öffentliche Bewußtsein hineingebohrt hat wie er. Einfache Leute, die sonst nie ein Buch in die Hand nehmen, haben seine Geschichten gelesen, weil sie sich darin wiederfinden. Es lässt sich wohl weit und breit kein Schriftsteller aufspüren, der sich so einprägsam in den Hirnen und Herzen der Menschen verewigt hat wie dieser bärtige Ernest Hemingway aus Oak Park, Illinois.

Oder Hand auf Herz: Ist ein Thomas Mann-Ähnlichkeits-Wettbewerb in Lübeck vorstellbar? Lächerlich! Ein Angelwettbewerb, der sich nach Goethe nennt? Ein schlechter Witz! Eine Kneipe, die man Annette von Droste-Hülshoff tauft? Hirnverbrannt! Nein, nein, all dies ist unvorstellbar, selbst bei lebhaftester Phantasie nicht von dieser Welt. Doch bei Hemingway ist alles möglich: kurioses, rummeliges, seriöses, literarisches.

Manchmal wird die Verehrung des Autors leicht übertrieben, mag sein, nach dem Kneipenmotto: Auf diese Treppenstufen hat Ernest Hemingway am 7. Juli 1934 gekotzt. Doch dann schlägt das Pendel ein wenig zurück. So ist mir auch schon einmal in einem Bistro das Schild Hier war Hemingway nie gewesen zu Augen gekommen.

Wie dem auch sei, Ernest Hemingway bleibt im Gespräch. Nicht schlecht für einen Mann, der seit fast 50 Jahren tot ist. Denn all das wird getragen von der Zuneigung der Menschen zu diesem amerikanischen Schriftsteller, der wie kein zweiter die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts zu Papier brachte. Und der als Autor mitten im Leben stand.

Bitte besuchen Sie zum Thema Ernest Hemingway mein neues Blog Hemingways Welt.

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