Enrique Plá, Kubas bester Drummer
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mit Enrique Plá, im Juli 1983; Photo by Volker Wagner

Der Revolution des Fidel Castro von 1959 folgte auch eine Revolution in der Musikszene Kubas. Alles wird anders.

Zunächst der Exodus: Zahlreiche bekannte Musikidole kehrten ihrer angestammte Heimat den Rücken. Dámaso Pérez Prado – sein Mambo-Orchester fällt mit einem explodierenden Bläsersatz auf – zieht es vor, in Mexiko City zu leben. Ebenfalls nach Mexiko, später in die USA, geht Celia Cruz, die Königin der Rumba. Die fesche Olga Guillot sieht, so singt sie, den so geliebten Son aus Kuba fliehen. Und sie flieht gleicht mit.

Doch Kubas Musikszene zeigt sich vital, rasch kommt eine neue Generation Musiker auf. Chucho Valdes ruft 1972 ein Ensemble ins Leben, das über Jahrzehnte zu den besten weit und breit gehören sollte. Die Gruppe legt sich den fremd klingenden Namen Irakere zu und vereint die besten Musiker der Insel, die besonders die negroide Tradition mit vielen afrikanischen Instrumenten hochhalten.

Irakere, ein Wort der Yoruba, bedeutet soviel wie Wald oder bewaldeter Hügel. Bei Irakere haben alle Stars der Insel gespielt, neben Chucho Valdes der Saxophonist Paquito d’Rivera, die Trompeter Arturo Sandoval und Jorge Varona und der vorzügliche Schlagzeuger Enrique Plá.

Was hat die Revolution für die Musik bewirkt?, frage ich. Mit der Revolution habe sich eine Professionalisierung der Musik und des Musiklebens vollzogen. Wir haben alle ein Studium absolviert und besitzen das Musiklehrerdiplom. Wir sind in jeder Hinsicht Profis, antwortet Enrique Plá, der Drummer von Irakere.

Das Selbstbewusstsein dieser neuen Generation kubanischer Musiker führt sich auch auf diese Meisterung der akademischen Ochsentour zurück. Die Musiker müssen die harten Prüfungen des Konservatoriums oder der Escuela de Arte bestehen. Übrig bleiben nur die besten. So wie Enrique Plá, der einer der herausragenden Schlagzeuger Lateinamerikas ist.

Den allzu pittoresken Straßenmusikus, meist sowieso Ausdruck sozialer Verelendung, wie man ihn an jeder Ecke in Lateinamerika trifft, gibt es auf Kuba nicht. Rümpft da jemand die Nase? Musiker mit Staatsdiplom und Rentenanspruch? Hat denn im Gegenteil nicht die Verzweiflung das beste Saxophon geblasen? Verklärter Romantizismus, will man meinen, nirgends ist bewiesen, das arme Schlucker die besseren Bläser sind.

Andererseits wären die kubanischen Kulturbehörden gut beraten, den Musikern genügend Freiraum zu gewähren. Denn nur im freien Spiel – im Jazz nennt man es Improvisation – kann sich der kreative Musiker entfalten. Irakere hat es schmerzlich erleben müssen. Die besten verließen die Band.

Paquito d’Rivera floh in die USA, ebenso wie Arturo Sandoval. Undankbar nennt Enrique Plá sie, gusanos, wird ihnen nachgerufen, Würmer seien sie, das Schimpfwort auf Kuba für alle Verräter und Abtrünnigen. D’Rivera habe so viel von Kuba erhalten, sagt Plá, wie kann man das alles vergessen. Mag sein, würde einer der Beschimpften wohl antworten, wir haben viel bekommen. Nur eines, das wichtigste, das haben wir nicht bekommen.