Das Waldorf=Astoria, die betagte Stube goldener Jahre
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New York, im Mai 2005; Photo by W. Stock

Vorab: Dies ist nicht mein Lieblingshotel in New York. Irgendwie nicht, und dann irgendwie doch.

Einerseits ist das Waldorf=Astoria ein alter Schuppen, merklich in die Jahre gekommen. Die Zimmer sind ergraut und strahlen den Charme der 60er Jahre aus. Die Rolltreppen knarren und rumpeln und tun nur noch altersgemäß ihren Dienst. Und auch der alte Fahrstuhl schnaubt sich die 42 Etagen nach oben. Alles brav und bieder. Einerseits.

Anderseits mag man nicht darauf wetten, es sei nur das Alter, unter dem das Waldorf ächzt. Vielleicht ist es nicht Patina, sondern Tradition, an der man so schwer trägt. Denn auch  wenn es sich redlich müht, dem Hotel bleibt die Welt der Moderne irgendwie verschlossen. Aber vielleicht ist dies auch gut so.

Denn das Waldorf=Astoria ist kein Hotel, sondern zu allererst eine Adresse. Eine Adresse für die Bühne von Politik, Showbiz und anderem Hochadel. Das Waldorf ist eine Adresse für die feinen Herrschaften, die mal John F. Kennedy oder Dalai Lama, aber auch mal Lucky Luciano heißen konnten. Die in dem riesigen Grand Ballroom in der dritten Etage, wo schon Frank Sinatra Erfolge feierte, zusammen kamen und wo die feinen Damen Manhattans noch heute ihre Charity-Partys abzuhalten pflegen.Und auch Marilyn Monroe hat im Waldorf Quartier bezogen, als sie in New York Das verflixte siebente Jahr drehte.

Der prächtige Art Deco-Bau aus dem Jahr 1931 mit den über 1.400 Zimmern ist das Wahrzeichen der Hotelerie in New York, ja, vielleicht das berühmteste Hotel der Welt. Das Waldorf=Astoria, das sich traditionell mit dem aparten doppelten Trennstrich schreibt, ist so etwas wie die Puppenstube des großbürgerlichen Manhattans. Dieses Hotel zieht sich über einen ganzen Straßenblock, so dass man sowohl auf der edlen Park Avenue als auch einen Häuserblock südlicher auf der Lexington Avenue einen Eingang findet.

Die leuchtende Eingangshalle über Park Avenue mit den strahlenden Kronleuchtern, der weiten Marmortreppe und den edlen Möbel signalisieren dem Gast noch immer diese Distinguiertheit der goldenen Jahre, heute eine etwas betagte Distinguiertheit, mag sein. In Parterre an der Lexington befindet sich Oscar’s, das Restaurant für die Schnelle, wo man auch das Frühstück zu sich nimmt, daneben das gediegene Bull & Bear, in dem Versicherungsmakler und Bankmanager zu dinieren pflegen.

Der Service im Hotel, das heute zur Hilton Gruppe gehört, bleibt dezent und zuverlässig. Der Gast wird umhegt, kein Wunsch, so er sich im gutbürgerlichen Rahmen bewegt, bleibt unerfüllt. Erstaunlich, wie solch ein großes Haus so auf den einzelnen Gast zu zugehen vermag. Man fühlt sich heimisch in diesem Domizil, inmitten der großen fremden Stadt.

Sicher, es gibt schönere, neuere und luxuriösere Hotels in New York. Und auch wenn ich bei meinen Besuchen nun ein anderes Hotel vorziehe, so bleibt das Waldorf=Astoria doch etwas ganz besonderes. Für New York, für die USA und auch für mich. Denn mir persönlich hat es ein ganz besonderes Hochgefühl beschert.