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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Tuk Tuk fliegt durch Peking

Tuk Tuk fliegt durch Peking
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Photo by W. Stock

Peking, Anfang November 2011

Nach dem Abendessen außerhalb des Zentrums stehen wir an der lärmigen Strasse und versuchen für die Rückfahrt ein Taxi anzuhalten. Schwierig um diese Uhrzeit und an diesem Tag. Und da wir fünf Personen sind, brauchen wir auch gleich zwei Taxen.

Endlich bringen wir zumindest ein Taxi zum Stehen und lassen galant unseren drei Frauen den Vortritt. Wir Männer sehen das Taxi Richtung Hotel in der Dunkelheit entschwinden. Und warten weiter.

Nach ein paar Minuten winkt uns die Fahrerin einer Motor-Rikscha heran. Sie will uns fahren. Mein Sohn und ich schauen uns kurz an – und steigen ein.

Die Motor-Rikschas in Peking ähneln Motorrollern auf drei Rädern. Vorne ein Rad, hinten zwei, darüber dann die winzige graue Blechkabine, in die sich zwei Passagiere quetschen dürfen. Gelenkt wird wie bei einem Krad mit der Stange.

Und schon knattert die Fahrerin mit der Rikscha, die hier Tuk Tuk genannt werden, in einem Schweinsgalopp stadteinwärts. Zunächst nimmt sie den kürzesten Weg gegen die Fahrtrichtung, fegt nach hundert Metern am nächsten schmalen Fussgänger-Übergang zwischen zwei Pollern dann auf die richtige Seite und brettert so schnell wie der bedauernswerte Zweitakter nur pusten kann.

Als Belohnung bläst der Dieselmotor seine Abgase in die schmale Kabine, dass es nur noch nach Russ und verbranntem Kerosin stinkt, so als hätte man die Wahl, vom Ersticken oder einem entgegenkommenden Auto dahin gerafft zu werden.

Weil die Fahrerin eine rote Verkehrsampel ignoriert, kommt sie zwangsweise inmitten einer Kreuzung zum Stehen. Vor dem Tuk Tuk rasen Autos vorbei, hinter dem Tuk Tuk rasen Autos vorbei. Dazu ein Gehupe und Gedröhn aus allen Richtungen.

Die Fahrerin hetzt über den Standstreifen, fetzt weiter durch die Fussgängerzone, und nutzt ab und an auch mal eine richtige Straße. Mit ihrem kleinen und wendigen Gefährt zischt sie dann in eine Einbahnstraße hinein, flitzt durch kleine dunkle Gassen und sprintet in jede Abkürzung hinein.

Nach einer Viertelstunde liefert uns die fliegende Chinesin vor dem Hotel ab. Wir zahlen dankbar 30 Yuan, etwas mehr als drei Euro. Und wir schauen uns um. Unsere Mädels sind weit und breit nicht zu sehen. Sie treffen mit ihrem Taxi zehn Minuten später ein.

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  1. Sandro Napoli

    Ein Abenteuer. Tuk tuk gibt es übrigens in anderen Ländern auch. Ich bin in Indien damit gefahren. Besser und schneller als jedes Taxi. Ein Riesenspass!

  2. apple

    Offenbar gibt es noch viele andere, die von Dr. Stock gelernt haben. Ich auch.

  3. Stefan Mahlkamp

    Hallo Herr Stock, ich war 1988 Praktikant bei Ihnen bei Econ, vielleicht können Sie sich erinnern. Eine schöne Zeit. (Heute bin ich in der ÖA bei einem Energieversorger)
    Den Tuk tuk finde ich gut, erinnert mich an das, was Sie mir beigebracht haben. Rasanz durch Verben. Und: über das scheinbar Unspektakuläre ist schwierig zu schreiben. Alles Gute weiterhin.
    Stefan Mahlkamp

  4. apple

    Frauen sind also doch die besseren Raserinnen — auch mit einem Tuk-Tuk.

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