STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Art Laffer und seine buckelige Kurve

Art Laffer und seine buckelige Kurve
4.22(84.44%) 9 votes

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der Monetaristen und Neoliberalen. Deren Credo lautete kurz gefasst: Der gierige Staat sollte sich das der Wirtschaft heraushalten. Gefräßig zeigte sich der damalige Staat besonders bei den Steuersätzen. Spitzensteuersätze über 50 Prozent waren nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

Lehrmeinung der Politikermeinung bis hinein in die 80er Jahre war: je höher ein Steuersatz, desto höher auch das Steueraufkommen. Der Steuerertrag der Einkommensteuer wurde über Jahrzehnte als linear angesehen. Man brauche nur am Steuersatz drehen, und schon würde die Steuerquelle mehr und mehr sprudeln.

Zwei Männer haben diesen Irrglauben immer höherer Steuersätze verblüffend einfach widerlegt. Arthur Laffer und Ronald Reagan.

Der erste mit einem simplen Diagramm. An zwei Stellen ist das Steueraufkommen gleich null. Bei einem Steuersatz von 0 Prozent ist das Steueraufkommen logischerweise null. Aber auch bei einem Steuersatz von 100 Prozent ist das Steueraufkommen null. Weil niemand mehr arbeiten würde – jedenfalls nicht legal. Denn ihm würde ja alles genommen.

Zwischen diesen beiden Polen bildet sich also ein Buckel. Das Steueraufkommen ist also nicht linear, sondern buckelig. Die interessante Frage ist jetzt: Wo bildet der Buckel seine Spitze? Welches ist der ideale Steuersatz? Professor Laffer und seine Studien schätzten diese bei knapp unter 30 Prozent ein.

Ich habe Professor Laffer Ende der 80er in Düsseldorf kennengelernt. Ganz leger, alle Welt nannte ihn Art, ein Kalifornier durch und durch. Schnell im Denken, laut in der Analyse und hemdsärmelig im Auftreten. Ein Hans-Dampf in allen Gassen der Ökonomie.

Damals war in einem Düsseldorfer Hotel als Mit-Diskutant der Publizist Paul C. Martin, ebenfalls ein volkswirtschaftlicher Großsprecher, dabei. Und Professor Laffer stellte den Doktor Martin locker in den Schatten.

Ronald Reagan hat als US-Präsident dann Laffers Ansatz in den 80er Jahren in praktische Steuerpolitik umgesetzt. Zahlten amerikanische Spitzenverdiener vorher bis zu 70 Prozent an Abgaben, so senkte der Kalifornier Reagan diesen Satz auf erträgliches Laffer-Niveau.

Reagans Wirtschaftsberater setzten auf die Dynamik der Marktkräfte mit deutlich niedrigen Steuersätzen, mit Privatisierung und spürbaren Anreizeffekten. Und siehe da: es funktionierte. Die darniederliegende US-Wirtschaft erlebte neue Boomjahre.

Die Legende erzählt, Laffer habe Reagan bei einem Dinner seine Kurve auf einer Serviette gemalt. Eine hübsche Anekdote, andere sagen, es war etwas anders. Zwei Sunnyboys, Art und Ron, und eine Kurve. Alle drei haben die Wirtschaft revolutioniert, bis heute.

Vorheriger Beitrag

Noch ein Schild, das Rätsel aufgibt

Nächster Beitrag

Die putzmuntere Verzweiflung des Tango

  1. apple

    Bei Erwerbseinkommen verstehe ich das Laffer-System sehr wohl. Aber, hat Laffer auch etwas zur Erbschaftssteuer gesagt? Ich denke, die verschiedenen Steuerarten sind, mit unterschiedlichen Steuersätzen, etwas – oder sogar sehr – verwirrend. Hundesteuer, Sektsteuer, Vergnügungssteuer … Sie wissen selbst, es gibt noch reichlich mehr. Mineralölsteuer, Tabaksteuer kommen mir wie Strafen vor. Besonders, da die Steueraufkommen ja auch nicht unbedingt zweckgebunden eingesetzt werden. Die Diskussion über das Steuersystem in Deutschland ist so verbreitet, dass ich nicht mehr als das Genannte hier anführen will. Ansonsten könnte man mit den Absurditäten des Steuersystems Bücher (Plural) füllen.

Schreibe einen Kommentar

Für Kommentare bitte ausrechnen: *

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén