Teddy Stauffer und Billy Toffel haben den Swing
4.25(85%) 4 votes

Der Jazz jener Jahre war mehr als eine Musik, er war eine Lebenseinstellung, er war Persönlichkeitsbildung. Nach den schrecklichen Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs, der bigotten Herrschaft der Kaiser und Könige und in der kargen Zeit der Weimarer Republik dürstete den Menschen nach Lockerheit und Weltläufigkeit. Aus den USA kam der Swing, lebensfroh, vital, ausgelassen.

Sicher, die Diktaturen und Spanien, Italien und Deutschland mochten diese Art der Musik nicht. Sie war ihnen zu lebensbejahend und auch zu subversiv. Doch den Schweizer Teddy Stauffer ließ man lange machen. Teddy und seine Original Teddies jedoch waren kein lauwarmes Derivat amerikanischer Synkopen, sondern eine Band, die dem bewunderten Original aus Übersee nacheiferte und auch nur wenig nachstand. Wir hatten damals den Swing, sagte mir Teddy Stauffer stolz im Gespräch.

[yframe url=’http://www.youtube.com/watch?v=NoKGu1-OglE‘]

Aus den USA ließ man sich neuesten Notenblätter kommen und spielte die Originalarrangements dann als eine der ersten Bands in Kontinentaleuropa. Kein Wunder, dass die Band sehr amerikanisch klang. Besonders überzeugten Teddy Stauffer und seine Teddies durch ein sehr kompaktes, überaus präzises und swingendes Spiel. Da gibt es Lieder, man schließe die Augen, und denkt, hier sei ein amerikanisches Orchester zugange.

Teddy Stauffer ist dann später nach Mexiko emigriert, nach Acapulco,wo ich ihn 1982 und 1983 mehrmals traf. Auch Billy Toffel, der Sänger, hat sich im Land der Azteken niedergelassen und sang in den Clubs von Mexico City. Billy Toffel war der Gitarrist der Teddies, zu Anfang des Englischen nicht mächtig. Er sang phonetisch, ohne richtig zu verstehen, was er da von sich gab. Aber der Mann besaß eine schöne, klare Stimme und ein feines Gefühl für die Melodie, wie bei dem Standard Jeepers Creepers zu hören ist.

Auch als Musikmanager für das Plattenlabel CBS sowie als Schauspieler unter seinem eigentlichen Namen André Toffel hat er sich in Mexiko einen Namen gemacht. Und dann spielt der aus Europa vertriebene Jazzer 1963 in der Schmonzette Agente XU 777 mit, an der Seite des mexikanischen Komikeridols Cantinflas.

Das turbulente Leben von Teddy und Billy zeigen mal wieder, man kann überall sein Glück finden, besonders wenn man den Swing hat.