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Louis Armstrong befriedet Amerika mit „What a wonderful World“

Louis Armstrong befriedet Amerika mit „What a wonderful World“
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What a wonderful world, Louis Armstrongs Hit aus dem Jahr 1967, wird noch heute rauf und runter gespielt. Zurecht, denn diese Hymne an die Schönheit des Lebens wirkt selbst nach fast einem halben Jahrhundert alterslos.

Auf manche Ohren mag dieser Popsong kitschig wirken, in der rechten Stimmung jedoch, entfaltet er mit seiner einfachen Botschaft eine reizvolle Poesie. Am besten gefällt mir die Version, in der Armstrongs rauchiger Bariton von dem hellen Sopransaxophon des Kenny G. untermalt wird.

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Der Song, von George David Weiss und Bob Thiele komponiert, muss auch aus der damaligen Zeit heraus verstanden werden. Mitte der 60er Jahre ist dieses What a wonderful World das Kontrastprogramm zu all den schlechten Nachrichten: der bärtige Fidel Castro ärgert die USA in ihrem Vorhof, der Kalte Krieg mit Russland macht vielen Angst, Amerika wird von Rassenunruhen erschüttert und in Vietnam führt das Land einen so schrecklichen wie sinnlosen Krieg.

Und dann kommt ein kleiner Mann daher und singt trotzig: What a wonderful world. Er singt vom blauen Himmel, von den Farben des Regenbogens, von Freundschaft und Liebe. Und von den Kindern, die Zukunft und Hoffnung geben.

They’ll learn much more
Than I’ll ever know
And I think to myself,
What a wonderful world.

Sensationell ist nicht nur was, sondern auch wer hier singt. Hätte ein Star aus dem weißen Establishment gesungen, sagen wir Bing Crosby oder Perry Como, man hätte es als Provokation auffassen können.

Doch Louis Armstrong sorgt für eine zweifache Aussöhnung. Hier singt ein Schwarzer, auf dem Höhepunkt der Rassenunruhen, ein What a wonderful world. Das Lied ist somit die lyrische Botschaft, dass auch das schwarze Amerika eine ähnliche Sicht auf die Dinge besitzt, dass es nicht gegen den großartigen amerikanischen Traum kämpft, jedoch endlich daran auch teilhaben möchte.

Und diese klare Botschaft an das midtown America singt zudem der damals wohl berühmteste Jazzmusiker. Ihm gelingt damit zugleich die Versöhnung der Subkultur mit der Kultur, die Befriedung des Außenseiters mit dem Mainstream. Jawohl, Satchmo, it’s a wonderful World.

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    Wichtiger wäre gewesen, er hätte Vietnam befriedet.

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