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Wolfgang Mewes: Der Meister des Engpasses

Wolfgang Mewes: Der Meister des Engpasses
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Im Juli 1989 besuchten Hero Kind und ich Wolfgang Mewes in Frankfurt am Main. Mewes, ein Betriebswirt und Herr im besten Alter, war der Erfinder der EKS, der Engpass Konzentrierten Strategie. Die EKS als durchdeklinierte Strategielehre umwallte im Deutschland der 70er und 80er Jahre eine legendäre Fama.

Wolfgang Mewes, der seine Theorie Anfang der 70er Jahre für den Mittelstand entwickelt hatte, wollte sein Werk, das er als modularen Fernkurs vertrieb, in verlegerische Hände geben. Und ECON war für ihn ein Kandidat. Mewes empfing uns in seinem schmucklosen Konferenzraum und blieb mir als angenehmer und vor allem ziemlich aktiver Gesprächspartner in Erinnerung.

Der ECON Verlag und EKS hätten ein apartes Paar abgegeben. Qualitätsanspruch, Vermarktung, Internationalisierung – das hauptsächlich waren die Themen, über die wir sprachen. Hero Kind und ich mochten, dass bei der EKS einer so klar und stringent von Strategie schrieb.

Die EKS besaß auch deshalb seine Stärke, weil Mewes sich zahlreiche erfolgreiche Unternehmen angeschaut und seine Theorie aus dieser Exzellenz entwickelt hatte. Die EKS-Strategie arbeitet mit vier praxiserprobten Prinzipien:

  • Besinnung auf eigene Stärke
  • Konzentration auf den Engpass
  • In die Marktnische gehen, spitz statt breit
  • dort die Marktführerschaft anstreben

Kurz: Seine Kraft konzentriert zum Nutzen einer engen Zielgruppe einsetzen. Hero Kind und ich war aus der tagtäglichen Praxis bewußt, dass die EKS die unternehmerische Wirklichkeit klar und deutlich abbildete.

Und Mewes gewährte uns eine tour de force zur EKS durch den Meister selbst. Man müsse sich auf seine Stärken konzentrieren, eine Zielgruppe stets spitz definieren, dann den Engpass dieser Zielgruppe herausfinden und schließlich eine Lösung zur Behebung dieses Engpasses entwickeln.

Das alles erschien uns überzeugend und wirklichkeitsnah. Wir kannten Volkesmunde: Lieber König der Idioten, als Idiot der Könige. Groß im Kleinen, das war auch der verlegerische Ansatz des ECON Verlages damals. Große Zielgruppen schienen uns zu amorph und heterogen. Spezialisierung des Angebots, auf Kundenseite die Konzentration auf Marktnischen.

EKS war sympathisch klein. Mit drei Mitarbeitern machte Mewes damals sein Geschäft. Jemand für Verwaltung, einer für Buchhaltung und ein Betreuer des Lehrgangs. Plus Wolfgang Mewes als eloquenter Botschaft seiner Sache.

Ein ganz klein wenig schreckte mich bei der EKS das Dogma ab, das quasi jeder Seite des Lehrgangs den Stempel aufdrückte, wo doch eigentlich gesunder Menschenverstand genügt hätte. Auch die Strenge des Kurses roch ein wenig. Doch Wolfgang Mewes rief, nachdem er uns drei Stunden halb tot gequatscht hatte, einen Kaufpreis auf. Wir hätten ihn zahlen können.

Letztlich hat die FAZ unter Maxim Worcester den Zuschlag erhalten und sie hat die EKS lange Jahre als Informationsdienst wohlproportioniert über die Tageszeitung mit ganzseitigen Anzeigen verkauft. Danach wanderte die EKS durch viel Hände. Nach der FAZ ging sie an die Deutsche Weiterbildungsgesellschaft, schließlich an das Malik Management Zentrum in St. Gallen.

Wolfgang Mewes, ein Berliner vom Jahrgang 1924, trommelt noch immer und ist weiterhin Philosoph in eigener Sache. Schade, dass die EKS damals nicht bei ECON gelandet ist.Wir hätten etwas Hübsches daraus gemacht. Denn Mewes darf sich noch heute zugute halten, dass man lange suchen muss, um ein ähnlich stimmiges Strategiewerk zu finden. Nicht nur in Deutschland.

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  1. Kann der Einschätzung von Hero Kind nur zustimmen und die Lektüre von Mewes im Original wärmstens empfehlen.

  2. Albert van der L.

    Die EKS ist genial. Ich habe unter ihrer Hilfe ein Unternehmen aufgebaut und bis heute zum Erfolg geführt. Ohne EKS und Mewes hätte ich das nicht so schnell und sicher zu Stande gebracht.
    Die EKS ist vielleicht die beste Hilfe auf die sich Gründer und Unternehmer hierzulande verlassen können. Danke, dass Sie an die Leistungen von Wolfgang Mewes erinnern.

  3. Stefan F. Bluhm

    informativer Artikel, macht neugierig. Werde mir ein Buch von Mewes kaufen.

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