Anfang der 90er Jahre, da war Baden-Württemberg wirtschaflich das führende Bundesland in Deutschland. Der Aufschwung Bayerns unter Franz Josef Strauss und Max Streibl zeigte erste Knospen, jedoch das Ländle zwischen Odenwald und Bodensee blieb in puncto Wettbewerbsfähigkeit das Maß aller Dinge in Deutschland.

Die großen Industrie-Giganten wie Daimler-Benz, Bosch oder SAP trieben den Wohlstand und auch von dem breiten Mittelstand und den vielen Hidden Champions ging eine enorme Wirtschaftskraft aus.

Im Jahr 1994 erhielt ich die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Wirtschaftswunderlandes zu schauen. Ich wurde von der Landesregierung in eine Expertengruppe des Innovationsbeirates berufen. Das Thema unserer sechsköpfigen Gruppe fokussierte sich auf die Themen Distance Learning, Teleworking, Road Traffic Management und Health & Care Networks.

Ministerpräsident Erwin Teufel hatte den Innovationsbeirat berufen, der Konzepte für die Weiterentwicklung und nachhaltige Modernisierung der Industriestruktur schaffen sollte. Die Gruppen arbeiteten autonom, wurden aber im Wirtschaftsministerium koordiniert.

Während dieser Zeit in Stuttgart lernte ich hochkarätige Wissenschaftler und Unternehmer kennen. Professor Franz-Josef Radermacher, zum Beispiel, Informatiker an der Uni Ulm, einen der großen Vordenker in Deutschland, zu meinem Bedauern grob unterschätzt hierzulande. Gerhard Zeidler, den Vorstandschef von Alcatel SEL, oder Professor Hartmut Weule, Forschungsvorstand bei Daimler, der mir aufzeigte, wie weit der schwäbische Autobauer in die Zukunft denkt.

Wir recherchierten, diskutierten, holten uns Fachkompetenz aus Wirtschaft und Politik und erarbeiteten ein Konzept. Stolz wurde dann das Gesamtkonzept – unter dem Titel Mehr Zukunft wagen: Innovation, Wachstum, Arbeitsplätze – im März 1996 dem Ministerpräsidenten in einer Feierstunde vorgestellt.

Der kurze und klare 50-Seiten Bericht liest sich wie ein Vademekum intelligenter Wirtschaftsförderung. Integrierter Technologietransfer, Ausbau der Biotechnologie, vernetzte Bildung, Erleichterung von Existenzgründungen waren nur einige Stichwörter.

Damals konnte ich selber beobachten, wie vorbildlich Industrieförderung und Innovationskonzepte in Baden-Württemberg umgesetzt werden. Ähnliches habe ich später in Bayern erlebt.

Auf den Berufs- und Lebensstationen zuvor – in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz – nichts dergleichen. Nur Desinteresse, Gleichgültigkeit, Wurstigkeit. Auch dies durfte ich erleben. Die Sonne scheint rot und still ruht der See. Und die Regierungen dort schlafen munter weiter. Bis heute.

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