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Google besitzt Spirit und Leidenschaft

Google besitzt Spirit und Leidenschaft
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Photo by W. Stock

Mountain View, im Oktober 2009

Bestes Firma von Welt? Schwierige Frage, leichte Antwort.

Selten hat mich der Besuch eines Unternehmens so fasziniert und elektrisiert, wie dieser Besuch bei Google in Kalifornien unter schönstem blauen Himmel.

Die alte Industrie sieht hier noch älter aus. Nestlé, Daimler-Benz, Henkel – kenne ich auch, Spitzen-Unternehmen, auch die habe ich von innen gesehen. Alles kein Vergleich zu Google. Einen besseren Laden als die Firma aus Kalifornien gibt es nicht. Nirgends. Nicht zwischen Alaska und Argentinien, nicht zwischen Tokio und London.

Bei Google in Mountain View wie bei Tante Käthchen mal kurz zum Nachmittagskaffee vorbeizuschauen, das geht so einfach nicht. Doch den angereisten Verlegern des Zeitschriftenverbandes VDZ wird hier die Tür geöffnet, was – angesichts des angespannten Verhältnisses zwischen analoger und digitaler Welt – ja auch ein Signal ist.

Googles Headquarter, drei Minuten von der Stanford University, breitet sich imposant über einen riesigen Campus aus, verteilt auf Dutzende helle Gebäude, mit zig Auffahren. Wir fahren in Sektion 43 vor. Im Konferenzraum – keine Fotos erlaubt – wird uns zunächst Googles Vision vorgestellt. Eine kurze Folie. We organize the world’s information. Wow! Das sitzt. Das ist eine Vision.

Organisieren nicht wie die alten Medien mit Hirn und Hand, sondern alles automatisiert. Crawling. Grouping. Ranking. Zack, zack, zack – alles per Googlebot, dem Roboter, der täglich Milliarden Dokumente liest. Nach Themen, Stichwörtern, Quellen. Heute, morgen und nun auch 200 Jahre in die Vergangenheit zurück. Allein 25.000 Quellen wertet Google beispielsweise für seinen News-Dienst aus.

Diese Zahlen sind gigantisch. Und über Geldsorgen kann man auch nicht klagen. Alles andere als ein Milliardengewinn pro Quartal wäre in Mountain View eine herbe Enttäuschung. Umsatzrendite eher bei 30 als bei 20 Prozent. Über 10.000 Mitarbeiter arbeiten hier in dem Städtchen eine halbe Stunde südlich von San Francisco.

Google ist nicht Content getrieben. Man zeige keine Inhalte, sondern nur Links. Man wolle auch kein Publisher sein – obwohl man locker Verleger sein könnte -, sondern ein bloßer Info-Organizer bleiben. Man sehe eine Herausforderung in erster Linie technisch, das treibt Google an, hier haben Ingenieure und Programmierer das Sagen.

Zum Abschluss lädt man uns zum Mittagessen ein. In der Freiluft-Cafeteria von Google meint man, auf dem Campus der nahen Stanford Universität zu sein. Junge Leute, Jeans, farbenfrohe Pullis, alle locker drauf, alles international, eine bunte Welt.

Eine von den zahlreichen Google-Kantinen, die jeweils größer sind als vier Fußballfelder. Das Buffet von Google zelebriert Üppigkeit, von mexikanischer Guacamole über Cous Cous bis zur italienische Pasta, alles so bunt und heiter, wie diese Firma selbst. Es schmeckt, nicht nur weil es für die hier Arbeitenden nichts kostet, sondern weil es wirklich gut ist.

Google, soviel wird in Mountain View klar, besitzt Klasse, Vision, Spirit und Leidenschaft. Und das Unternehmen hat einen Lauf.  Und nebenbei bemerkt, Google ist eine Aktiengesellschaft. Ein jeder kann Anteile kaufen und Mitbesitzer werden, ein jeder kann an der Erfolgsstory teilhaben. An einer Story und an einem Unternehmen, dass wie kein anderes unser Leben verändert wie kein anderes.

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  1. apple

    Die Rendite kommt wohl aus den jeweils zum Content der aufgesuchten Seiten passenden Google-Ads. Ich hätte mir gewünscht, mehr über die finanziellen Seiten dieses Geschäftsmodells zu erfahren. Da hat man bei Google wohl gemauert?

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