B. Traven, der Comic-Held

Im Berliner avant-Verlag ist ein bemerkenswertes Buch erschienen: B. Traven – Porträt eines berühmten Unbekannten. Der französische Illustrator Golo hat das geheimnisvolle Leben des B. Traven als Comic nachgezeichnet.

Und das Leben dieses in Schwiebus als Otto Feige geborenen deutschen Schriftstellers ist ein einziges Mysterium. Auch über 40 Jahre nach seinem Ableben in Mexico City. Er wollte das so.

Das Leben des Hermann Otto Albert Maximilian Feige verläuft kurvenreich und rasant: 1882 im heutigen Polen geboren, zunächst Schauspieler, dann unter dem Namen Ret Marut Agitator der Münchner Räterepublik, dort Verleger der Zeitschrift Der Ziegelbrenner, dann auf der Flucht, ein zweites Leben in Mexiko unter dem Pseudonym B. Traven.

Und später Ruhm als empathischer sozialer Schriftsteller mit Millionenauflage und Hollywood-Verfilmungen. Aber auch da ein Autor, der sich versteckt hält, der untertaucht, und Dutzende biografische Finten verbreitet.

Dieses bunte und turbulente Leben zeichnet Golo höchst kenntnisreich nach. Und Guy Nadaud, Jahrgang 1948, auch so ein Pseudonym-Autor, hat sich in die Traven-Forschung akribisch eingelesen. Sein Comic ist auf der Höhe der Zeit, weit mehr als so manche akademische Nebelkerze früherer Tage.

Da ich einige der Schauplätze gut kenne, überzeugt mich vor allem der detailreiche Lokalkolorit, den Golo in seinen Bildern einfängt. Ein mexikanischer Zócalo sieht aus wie ein mexikanischer Zócalo und München sieht aus wie München. Bewundernswert auch, wie Golo die doch oft sehr sperrige Denkweise des Anarchisten Traven in kurze und prägnante Sätze und Sequencen zu fassen vermag.

Also ein hübsches, farbenfrohes Werk, eine ideale Lektüre, sich dem Leben und dem Werke B. Travens zu nähern. Eine spannende Spurensuche als Graphic Novel. Und: 140 Seiten, die Spass machen, gelesen zu werden.