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Palo Alto, im Oktober 2009; Photo by W. Stock

Palo Alto, im Oktober 2009

Während New York das Selbstmitleid und die Larmoyanz Europas kultiviert, herrscht in San Francisco ein intellektueller Pioniergeist, eine Aufbruchstimmung, dieses typisch hemdsärmelige Let’s do it!, das die USA so sympathisch macht.

Fällt das doch aufs Alte und auf Europa zugeneigte New York bisweilen in unreflektierte Hektik, so zeigt sich an der Westküste eine offene, der Zukunft zugewandte Kultur und auch dieser alte, sonnige Erfindergeist wird wieder wach.

An der Westküste sitzen die coolen Firmen wie Apple, Google, Oracle, im Zentrum die Stanford University, jene intellektuelle High-Tech-Schmiede des Silicon Valley und hier sitzen die Risikokapitalgeber, die so manches Start-up zu einem Millionengeschäft befördert haben.

Der pazifische Westen der USA denkt amerikanisch und handelt asiatisch. Produkte, die von der Westküste kommen, werden rasant entwickelt, mit Verve vermarktet und mit höchsten Ansprüchen an Design und Anwenderfreundlichkeit ausgestattet. Das Silicon Valley hat heute zwei, drei Jahre Vorsprung vor New York und vor Europa sowieso.

Die Westküste mit ihrer offenen Mentalität zieht gewitzte Menschen mit neuen Ideen an wie ein Magnet, Asiaten, Europäer und Amerikaner, hier ist der Erfolg frisch und jung – und oft weiblich: Und das vielleicht am sympathischsten: Hier zählt nicht der Name, die Herkunft, die Hautfarbe, ob jemand eine Brille auf hat oder nicht, nein, hier zählt nur Leidenschaft, Passion und Tatkraft.

Die jungen Leute arbeiten bis zum Umfallen, aber sie fallen nicht um. Beim Besuch von Facebook in Palo Alto frage ich eine Mitarbeiterin, wie lange ihr Arbeitstag dauert. So 12 bis 14 Stunden, kriege ich zur Antwort. Ich weiß, fügt sie lächelnd an, dies sei zu lang, aber es sei die beste Zeit ihres Lebens.

Manche verzweifelten Verlagsmanager sagen uns, dies sei die letzte Hoffnung für viele Verlage: Apps für das iPhone. Nun soll ein Telefon die Verlagsbranche retten. Apple. Kommt auch aus Kalifornien, aus Cupertino. Südlich von San Francisco.

E-Commerce wird zum Riesenthema. Ernest Cicogna, einer der Gründer von GLAM – dem Shopping-Angebot für die schönere Hälfte der Menschheit – stellt sein Konzept einer vertikalen Plattform vor. So etwas strategisch Smartes hat man anderswo noch nicht gesehen. Und Evan Hansen, der Chefredakteur von WIRED.com zeigt auf, wie der neue Journalismus heute organisiert wird.

Ein Verkaufs-Portal wie ShopStyle.com verzeichnet Millionen Unique Visitors pro Monat, und hier werden zwischen Content, Commerce und Community alle Register gezogen, die man heute ziehen muss.

Und zum guten Schluss haben wir uns dann von der heiteren Stimmung in Kalifornien anstecken lassen. Waren in New York die Krawatten noch stramm gezogen, so wurden in San Francisco die Jeans ausgepackt und der Schlips in den Koffer geschmissen. Wenn ich jung wäre, ich wüsste, wo mein Platz zu finden ist.

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  1. apple

    Ja, mit der Jugend ist das so seine Sache, wenn man sie nur nach dem Geburtsdatum definiert und nicht nach dem empfundenen Lebensgefühl. Ich bin jung!

    Gefällt mir. Und das wird meiner Frau gefallen: „die schönere Hälfte der Menschheit“

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