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Pep zu Bayern – kann das gut gehen?

Pep zu Bayern – kann das gut gehen?
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Fotos/Montage by W. Stock

Nach vier Jahren als erster Trainer des FC Barcelona hat Josep Pep Guardiola den FC Barcelona kürzlich verlassen. 14 Titel hat er für die Katalanen errungen, darunter zweimal die Champions League. Nun sei er ausgebrannt, lässt er verlauten, er brauche ein Jahr Pause. Danach wolle er wieder voll einsteigen.

Beim FC Bayern München? Die Münchner scheinen den 42-Jährigen in Betracht zu ziehen. Pep Guardiola als Nachfolger von Jupp Heynckes? Ein Katalane in Bayern – das hat was. Oder?

Zunächst sollte angemerkt werden, dass ein solch intelligenter Trainer wie Pep Guardiola jeden Verein der Welt trainieren kann. Der Mann ist gebildet, lernfähig und hat ein paar Semester Jura studiert.

Hindernisse? Nun ja, die Sprache? Sicherlich, Deutsch ist zwar eine schwere Sprache, aber Pep, der Spanisch, Katalanisch, Englisch und Italienisch spricht, wäre schnell des Deutschen mächtig. Er würde wohl so leicht nicht in die Trapattoni-Falle laufen.

Geld? Die Scheichs haben ihn mit einem zweistelligen Millionengehalt gelockt, ebenso vor kurzem Chelsea. Barcelona Präsident Sandro Rosell hätte ihm bei Verlängerung einen Blankoscheck gegeben, die Summe seines Gehalts hätte Pep selber reinschreiben dürfen. Nach Geld wird Pep sich seinen neuen Verein nicht aussuchen. Über das Stadium ist er hinaus.

Was für Guardiola viel wichtiger ist: Die Philosophien müssen zueinander passen, die Vision sollte die gleiche sein. Die Vereinsstruktur muss gesund sein, die Führung kompetent. Nun, nach den letzten Kriterien gibt es keinen besseren Verein als den FC Bayern für ihn.

Aber beide Visionen vom Fussball, sind die wirklich kompatibel? Für Pep ist Fussball zunächst Kunst, für Bayern Kraft. Pep mag Spielintelligenz, technische Finesse, schnelles Dreiecksspiel, Passsicherheit, viel Bewegung im Spiel, offensive Außenverteidiger. Das Bayerns-Spiel von heute ist jedoch eher positionsgetreu, körperbetont, eher vorsichtig denn schnell.

Nun, man kann ja alles ändern. Aber würde es hinhauen? Guardiola würde mit dem Spielertypus gut zusammenarbeiten, der seiner Vorstellung von Fussball entspricht. Mit David Alaba, zum Beispiel. Oder mit Toni Kroos. Alle, die seiner Fussball-Philosophie – technische Vitalität und Mannschaftsdienlichkeit – widersprechen, würden schnell Ärger bekommen. Robben würde wohl schnell aussortiert werden, der eigenwillige Ribéry hätte wohl Probleme, ebenso Gómez.

Wenn es denn so käme, wäre das erste Jahr schlimm. Denn Pep müsste die Mannschaft des FC Bayern gründlich umkrempeln. Radikal aussortieren. Spieler suchen, die technisch und charakterlich zu seiner Sichtweise des Fussballs passen. Es wäre ein Blutbad. Ob das die Bayern-Bosse mitmachen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert, ist eher gering. Schlauer wäre, die Bayern ziehen sich einen eigenen Guardiola heran. So wie Josep Guardiola ja auch beim FC Barcelona in der Jugendakademie La Masía ausgebildet wurde, und anschließend elf Jahre in der ersten Mannschaft im Mittelfeld spielte. Der FC Bayern sollte nach einem eigenen Pep Guardiola Ausschau halten, anstatt einen aus der Fremde zu kaufen. Oder er sollte einen perspektivisch aufbauen.

Namen? Markus Babbel, der kann es, das hat er in Stuttgart und Berlin bewiesen. Stefan Effenberg könnte es wohl auch. Ein Thorsten Fink oder Heiko Vogel vielleicht. Also, Kandidaten lassen sich genug finden. Man braucht nicht nur in die Ferne zu schauen.

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  1. Liam

    Stefan Effenberg? Ist das Ihr Ernst?!

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