Im La Florida thront Hemingway über Barcelona
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Foto by La Florida/Premsa

Hemingway und die Hotels. Und wieder beginnt das altbekannte Spiel, jenes literarische Namedropping um den bärtigen Nobelpreisträger aus Amerika. In welchem Hotel Barcelonas soll Ernest Hemingway nicht abgestiegen sein?

Das Colón wirbt mit ihm, im Majestic war er auch schon, im La Florida sowieso. Vielleicht sollte ein Haus einmal damit werben: In diesem Hotel hat Hemingway nie übernachtet.

Im La Florida jedenfalls hat Ernest Hemingway gerne gewohnt. Mitte der 50er Jahre, als er in Spanien auf der Suche nach Toreros, nach Corridas und den Picadores war, aber auch um dem sterbenden Pio Baroja einen Besuch abzustatten.

Und ohne Zweifel ist das Florida das imposanteste und wohl auch faszinierendste Hotel der katalanischen Hafenstadt. Ramón Raventos hatte das Jugendstilgebäude 1925 entworfen und fortan traf sich hier, 500 Meter über der Stadt, die Oberschicht Barcelonas. Ernest Hemingway hat damals, so wie man es heute noch tun muss, das Stadtzentrum im Taxi Richtung Norden hinter sich gelassen, ist die engen und langen Serpentinen hinauf zum Tibidabo gefahren, um dort oben in dem luxuriösen Hotel dem Lärm der Stadt zu entfliehen.

Das fünfgeschossige Hotel mit dem ockerfarbenen Spitzdach und den beiden Ecktürmen thront fast sakral über Barcelona, von unten ist das La Florida bereits von weitem sichtbar. Und von oben, aus den Hotelzimmern und von der breiten Terrasse aus, genießt man einen spektakulären Blick auf die Stadt, den Hafen und das Meer.

Hemingways Barcelona ist auch das Barcelona des Bürgerkrieges, eines grausamen Krieges von 1936 bis 1939, in dem Spanier gegen Spanier kämpfen. Wo Liberale und Linke ihre Republik verteidigen gegen die Putschisten des Generalissimo Francisco Franco.

Der Journalist und Autor war Ende 1937 bis Anfang 1938 als Korrespondent für die North American Newspaper Alliance (NANA) in Spanien, um den Krieg zu beobachten und wohl auch, um einer Partei die Daumen zu drücken. Hemingway, damals schon ein Starschreiber, erhielt pro Artikel zwischen 500 und 1.000 Dollars, das zehnfache des allgemein üblichen.

Seine erste Begegnung mit Barcelona beschreibt Hemingway in einer NANA-Depeche lakonisch im Anflug aus dem Flugzeug: Das Geschäftsviertel von Barcelona war wie ausgestorben, als unsere Militärmaschine aus Toulouse es in niedriger Höhe überflog. Die Straßen waren leer, wie in Manhattan an einem Sonntagmorgen.

Nach der Landung erfährt er, warum das quicklebendige Barcelona an diesem Tag einen so öden Eindruck macht. Ein dreimotoriger Flieger der Franquisten hat gerade seine Bomben über der Stadt abgeworfen. In diesen blutigen Tagen Spaniens war das Gran Hotel Florida weder Gran noch Hotel, sondern wurde, bis Barcelona im Januar 1939 an die Franquisten fiel, als Militärhospital genutzt.

Das Hotel ereilt über die Zeit ein wechselvolles Schicksal. In den 50er Jahren war es die Nobelherberge der Hemingways, eines Jimmy Stewart, von durchreisenden Königen und Regierungschefs. Später stand es leer, es verfiel, und erst 2001, nach vierjähriger Renovierung, wurde das Haus neu eröffnet. Heute ist das Gran Hotel La Florida ein Leading Hotel of the World und strahlt wieder über Barcelona, in altem Glanz und mit großer Tradition.