C.O. Paeffgen liebt die Umrandung
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Paeffgen. Nicht der Bierbrauer. Der Künstler. C.O. Paeffgen. Ich mag ihn. Er hat etwas, das andere nicht haben.

Paeffgen, ein Kölner vom Jahrgang 1933, ist mit seinen Umrandungen berühmt geworden. Manch umrandetes Werk von C.O.P. wirkt wie ein ausgelassener Kinderjux. Andere sind politisch. Und dann gibt es die, bei denen die Post abgeht.

Bei seinen Umrandungen zieht Claus Otto Paeffgen mit kräftigem Filzstift Personen und Szenen aus der Zeitung nach, übermalt und überträgt das neue Werk dann auf die Leinwand. Kölsche Pop-Art.

Das ganze mag trivial anmuten, ist aber so einfach nicht. Zunächst braucht man ein gutes Motiv. Aus Zeitungen, von Postkarten, von alten Fotos. Fundstücke. Motive mit einfacher Aussage, aber irgendwie dann doch doppeldeutig. Dazu kommt die besondere Herstelltechnik. Mit Füllfeder, Filzstift oder Pinsel.

Die Bilder von C.O. Paeffgen sind ironische Kommentare und Täuschungen des Alltags. Durch die Umrandungen erhalten die Werke eine auffällige Brechung, münden in einer neuen Qualität, bekommen eine neue Dimension.

Alltagsleben, Prominente, Unbekannte. Keiner und niemand ist vor dem Ironiker Paeffgen sicher. Portraits von Shakespeare, eine Szene mit der Lichtfigur Goethe oder ein Bild mit dem argentinischen Caudillo Carlos Ménem. Kitsch wird bei C.O. Paeffgen zur Kunst und die Hochkultur zur Gaudi.

C.O. Paeffgen ist ein Chronist des Lebens. Er hält fast fotografisch Szenen fest, schmilzt sie ein und lenkt die Aufmerksamkeit auf Details. Es ist wie eine Art eingefrorenes Bild am Fernsehgerät, nur dass der Künstler nun seinen Eigensinn in das Gemälde einfügt.

Die Aufmerksamkeit wird durch die Umrandung auf Personen und Dinge gelenkt, die einem sonst womöglich entgangen wären. Das Bild bekommt eine neue Perspektive, eine neue innere Tiefe, einen neuen Gehalt und wohl auch eine neue Botschaft.

Trivialitäten rücken in den Mittelpunkt oder der Mittelpunkt an den Rand. Die Sinnverfremdung macht die Doppeldeutigkeit des Ironikers Paeffgen aus und wie bei guter Satire, kann man sich nie satt sehen.

In den letzten Jahren geizte C.O. Paeffgen mit Umrandungen. Schade! Wir vermissen seine Kommentare. Denn das Ganze ist ein großer Spass, eine Meisterschaft des Hintersinn und, ja sicher, es ist auch grosse Kunst.

Widerspruch, sagen manche. Das könnte ich auch, meint jemand beim Betrachten eines Werkes von C.O. Paeffgen. Das kann deshalb keine Kunst sein. Oha.