Der ziemlich deutsche Strandkorb
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Sylt, im August 2012; Photo by C. Stock

Er gehört zu Sylt wie das Krabbenbrötchen und die Wanderdüne. Der Strandkorb. Wilhelm Bartelmann erfindet das gute Stück im Jahr 1882 in Rostock.

Mehr als 50.000 Strandkörbe findet man an Deutschlands meist zugiger und herber Küste. Und hier auf Sylt, auf Deutschlands schönster Insel am Meer, sind sie schon gar nicht wegzudenken.

Den Kapriolen des Wetters trotzt dieser Hartholz-Kubus mit seinem Polyesterpolster so tapfer, dass selbst ein Wind- oder Nieseltag ohne Mühe am Strand verbracht werden kann. Ein solcher Strandkorb vereint eine Vielzahl von Vorteilen.

Zum einen beschirmt er seinen Nutzer vor Wind, der hier an der Nordsee bekanntlich ganz schön heftig ausfallen kann. Zum andern schützt er vor vorwitzigem Blick und wirkt als Signal von Privatheit am Strand, der ja in der Hand des Gemeinen liegt. So ist der Strandkorb im Grunde eine mietbare persönliche Trutzburg im öffentlichen Raume.

Und ja, man kann es sich im Strandkorb so richtig bequem machen. Man kann zu gemütlich zweit darin sitzen, ihn in jede Himmelsrichtung drehen, in die Halblage senken, den Korpus der Sonnenstrahlung nach neigen, zwei schmale Klapptische nutzen oder die Fußstützen herausziehen. Was will man mehr an einem schönen Strandtag?

Ein solides Stück des normierten kleinen Luxus also. Dabei ist der Strandkorb allerdings nicht groß über Deutschland hinausgekommen. Einige wenige finden sich noch in Polen, in Dänemark oder den Niederlanden. Ansonsten weltweit – Fehlanzeige. Nada. Der Strandkorb ist und bleibt ein urdeutsches Phänomen.