Verlage und die Illusion von Paid Content
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thedailyEine Meldung ist in den letzten Tagen ein wenig untergegangen: Rupert Murdoch, der australische Medien-Tycoon macht seine Internet-Tageszeitung The Daily dicht. Am 15. Dezember ist Schluss.

Mit viel Aplomb war dieses Projekt Anfang 2011 gestartet, es sollte der Siegeszug der ersten rein digitalen Tageszeitung sein. Für die ganze Welt. Pustekuchen.

Murdochs Scheitern ist zweifach interessant. Zum einen zeigt sich, dass die Übertragung einer Printgewohnheit ins Online so einfach nicht funktioniert. Zum anderen, dass selbst der dickste Geldbeutel noch lange keinen Erfolg garantiert.

Das deckt sich auch mit der Erfahrung hierzulande. Wenn deutsche Verlage im Internet Geld verdienen, dann mit nicht-journalistischer Ware. Mit klarem Blick und Verstand bleibt festzuhalten:

1. Verlage wie Burda oder Springer machen Geld mit e-commerce. Mit Katzenfutter, Heiratsvermittlung oder Urlaubsreisen. Nicht mit Journalismus.

2. Die Erlösquellen sind nicht von den Verlagen selbst entwickelt, sondern zugekauft. Gegründet wurden sie meist von jungen Start-ups, fern von Verlagen und Medienwelt.

Verlagsmanager, die nun von der Rettung durch Paid Content träumen, verkennen die Lage und machen sich etwas vor. Nachrichten und Informationen sind kein knappes Gut im Internet. Und nur knappe Güter – erstes Semester VWL – steigen im Preis.

Für Güter im Überfluss kann ich keine Paywall – welch häßliches Wort! – errichten. Es wird im World Wide Web immer Anbieter geben, die es umsonst machen.

Es gibt sie nicht, die Killerapplikation, die den Verlegern die Lösung all ihrer Probleme bietet. Es gibt ihn nicht, den Big Bang, der alle Sorgen und Nöte der Verleger wegbläst wie ein Sturm die dunkle Wolken.

Von Print zu Digital – siehe The Daily – führt kein gerader Weg. Kauf, Nutzung und Lesegewohnheit sind online einfach anders. Ein Kauf ist sporadisch und spontan, die Nutzung ist schneller, selektiver, wohl auch oberflächlicher. Vertrieb und Verbreitung gehorchen einer anderen Gesetzmäßigkeit.

Damit tun sich die Verlage schwer, vieles geht contre coeur, in dieser Welt tummeln sich eher die flotten Aggregatoren wie Currents oder Flipboard oder Spezialisten wie Politico. Für Verleger mit ihren analogen Denkmustern – Seite 1 bis 48 oder die Morgenzeitung auf den Frühstückstisch – wird es da schwer, eine Position zu finden.

Schwer, aber nicht unmöglich. Wir können unseren Content in die neue Welt hieven. Eine große Vision. Doch wir werden nur kleine Schritte gehen können. E-Paper, Apps, pay-per-view, Shops, Downloads. Eine kleine Perspektive, aber immerhin eine Perspektive.

Eine andere Möglichkeit bleibt realistischerweise nicht. Unsere Brötchen werden kleiner. Wir müssen abspecken. Vom Anspruch, vom Ego, vom Apparat. Auch wenn die Wahrheit für die vierte Gewalt im Staate schmerzt: Wir können uns nur langsam vorantasten. Im nebligen Wandel der Medienwelt fliegen die Verleger auf Sicht.