Bunga Bunga in Roma
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clowns2Zwei Clowns hätten die Wahlen vor einer Woche in Italien gewonnen, so polterte Peer Steinbrück von der SPD. Sogleich fängt der Kanzlerkandidat sich dann eine Watschn vom italienischen Präsidenten Napolitano.

Doch wo der Problem-Peer recht hat, da hat er recht. Die zwei Komiker Grillo und Berlusconi haben verdammt viele Stimmen bekommen, ich darf es so sagen, denn ich bin nicht Kanzlerkandidat der SPD. Und auch mein Lieblingsblatt The Economist nimmt sich des Themas an unter dem Manegen-Ruf eines amerikanischen Schlagers Send in the clowns.

Wegen dieses ganzen Zirkus sieht das Londoner Wirtschaftsmagazin gar den Euro und mit ihm gleich ganz Europa am Abgrund. Die Italiener hätte die Wirklichkeit einfach nicht zur Kenntnis  genommen. Und wenn man diesen Weg weiterginge, dann sei die ökonomische Lähmung und der politische Abstieg des Kontinents nah.

In der Tat wirkt das Ergebnis der Wahlen auf den ersten Blick desaströs: Die Kräfte des Zentrums – der Sozialdemokrat Bersani und der Wirtschaftsprofessor Monti – blieben kräftig hinter den Erwartungen zurück. Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass der steife Technokrat Mario Monti unter den im Ausland lebenden Italienern dreimal so viele Stimmen bekam wie in seinem Heimatland. Und der farblose Bersani war sowieso der falsche Kandidat des linken Zentrums, hier hätte man besser den jungen Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, nehmen sollen.

Wie dem auch sei, in Italiens Politik drücken heute mit der Anarchie-Bewegung des Beppe Grillo, mit Berlusconis rechtem Populismus und mit Bersanis gemäßigter Linke drei etwa gleich starke Kraftfelder gegeneinander. Koalitionen, eine Regierung gar, scheinen schwer vorstellbar, nach der Wahl herrscht das Chaos. Bunga Bunga im politischen Rom, alles geht drunter und drüber auf der Party von Italiens Jecken.

Alle Vorurteile scheinen sich mal wieder zu bestätigen. Doch Italiens Präsident Giorgio Napolitano, ein graziöser Herr im weisen Alter von 87 Jahren, schlug erstaunlicherweise bei seinem Deutschland-Besuch letzte Woche zuversichtliche Töne an. Er sei sicher, man werde in den nächsten Tagen eine gute Lösung finden.

Respekt, Herr Präsident, es ist Ihrem hochsympathischen Land zu wünschen. Auch finde ich, man sollte diese quirlige Nation nicht unterschätzen. Immer wenn es ernst wurde, dann haben die Italiener neue wundersame Kraftreserven mobilisiert.