Google, das Leistungsschutzrecht und ich
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Mountain View/Kalifornien, im Oktober 2009; Photo by W. Stock

Gut 60 Prozent der mittlerweile 4.000 Besucher dieses Blogs kommen über die Suchmaschinen von Google. Wenn Sie beim googeln zum Beispiel den Namen Hemingway eingeben und Fossalta (der Ort, wo Ernest Hemingway im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde), dann schauen Sie einmal, was die Websuche bei Google und auch die Bild-Suche ergeben.

Ohne Google wäre stockpress.de ein Nichts, ein Vogelschiss in der weiten digitalen Landschaft. Positiv formuliert: Ein kleiner, unbedeutender Blogger kann mittels Google – ganz ohne Geld und Einfluss – seine Rolle im Web finden. Es gibt wunderbare Beispiele dafür. Schauen Sie auf die regimekritischen Blogger auf Kuba, da schafft sich die Demokratie Gehör, trotz Gleichschaltung aller Presseorgane.

Google bringt Traffic. Dafür sollten wir der Firma aus Mountain View dankbar sein. Das müsste eigentlich auch für Verlage gelten. Die Verleger und ihre digitalen Angebote könnten ohne Google nicht mehr leben. Aber, möchte man kurz hinweisen, Google könnte ohne die Verleger leben.

Deshalb gilt es, die Diskussion nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes wieder auf die pragmatische Ebene zu bringen. Doch der Vorwurf der Verleger bleibt: Google sei Trittbrettfahrer und beute die mit hohen Kosten erstellten journalistischen Inhalte aus. Die Google-Milliarden aus der Online-Werbung gehörten eigentlich zu einem guten Teil den Verlagen. Wenn laut gebrüllt wird, dann geht es ums Geld.

Die Verleger wollen an den Suchergebnissen – an den Links – partizipieren. Und auch die Urheber – die Journalisten – melden ihre Ansprüche an. Doch das Geschachere um das Leistungsschutzrecht hat gezeigt, das freie Medium Internet ist mit staatlicher Reglementierung nur schwer zu fassen.

Leistungsschutzrecht. Ein Gesetz, alles wie im Lot? Die Link-Findung sollte bezahlt werden. Aber wie soll das funktionieren? Technisch? Geographisch? Allein ein Denkfehler ist, zu glauben, nationale Lösungen könne es im www – das heißt world wide web – geben. Links in Deutschland bezahlt, in Großbritannien kostenlos – einfach lächerlich!

So mancher Verleger will Google am liebsten gleich vor das Kartellgericht zerren. Aber was brächte das? Hand aufs Herz: Würde nur ein Verleger besser dastehen, wenn es Google nicht gäbe?

Trotzdem, der Vorwurf steht. Es fällt ein häßliches Wort. Monopol. In der Tat ist die Macht von Google beeindruckend. Der Marktanteil der Suchmaschine liegt in den USA bei 65 Prozent, in Deutschland gar bei 90 Prozent. AdWords und AdSense dominieren den Markt. Bei Lichte besehen lebt Google kaum von verlegerischen Websites. Viele Verleger verstehen Google nicht. Das allerdings muss nicht unbedingt der Fehler von Google sein.

Die Verleger sind sauer, weil die Anzeigenerlöse zu Google gewandert sind. Die Verlage und Google – zwei Welten. Leider! Wir sollten an einer Annäherung arbeiten.