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Markus Söder: Keine Werbung in ARD und ZDF

Markus Söder: Keine Werbung in ARD und ZDF
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Markus SöderIm VZB-Verlegerkreis ein Abendessen im Schwarzen Adler in Nürnberg. Mit Staatsminister Markus Söder, der in Bayern für die Finanzen verantwortlich zeichnet. Und der im Freistaat nicht nur einen schuldenfreien Haushalt vorlegt, sondern obendrein auch Schulden tilgt. Der eloquente Jurist gilt als heißer Anwärter auf den Thron des Bayerischen Ministerpräsidenten, falls Horst Seehofer einmal Rentnergelüste packen.

Was die wenigsten wissen, Söder ist auch ausgebildeter Journalist. Er hat beim Bayerischen Rundfunk volontiert und arbeitete dort dann als Redakteur. Ein Fachmann also, dessen Stimme Gewicht besitzt. Und man hörte Bemerkenswertes vom Staatsminister.

Es gebe doch einen unfairen Wettbewerb zwischen den Öffentlich-Rechtlichen Medienanbieter und den Privaten in Bezug auf das Internetangebot. Während ARD und ZDF ihre Apps und Online-Auftritte via Rundfunkgebühren subventioniert bekommen, müssen mittelständische Verlage die riskanten Investitionen aus eigener Kraft stemmen. Das sei ein unternehmerisches Ungleichgewicht. Es sei einfacher Geld auszugeben, so Söder mit Blick auf die Öffentlich-Rechtlichen, als es zu verdienen.

Ein Ausweg aus dem Ungleichgewicht: ARD und ZDF sollten sich exklusiv via GEZ finanzieren und konsequenterweise werbefrei laufen. Sie sollten auf Werbeeinnahmen verzichten und dieses Feld den Privaten überlassen. Eine solche Bescheidenheit würde den Expansionsdrang von ARD und ZDF mit ihren zig Digitalkanälen disziplinieren, Digitalkanäle, die sich zudem ja eines überschaubaren Zuspruchs erfreuen.

Eine weitere Wettbewerbsverzerrung: Die multinationalen Konzerne im Internet wie Google, amazon und Facebook nutzen auf höchst kreative Art und Weise das Steuergefälle in Europa und lassen Gewinne vorzugsweise dort anfallen, wo sie umhegt und gepflegt werden. Und der deutsche Mittelständler, der brav seine Umsatz- und Gewinnsteuern abführt, habe das Nachsehen.

Auch das Leistungsschutzrecht, bei dessen Verwirklichung Bayern Vorreiter war, befürwortet Markus Söder. Das geistige Eigentum stehe in nichts dem handwerklichen Eigentum nach, das eine wie das andere gelte es zu schützen.

Und auch einen Ausblick auf die Bundestagswahl im September gab der Finanzminister. Im Grunde habe unser Land dann die Wahl zwischen dem deutschen und dem französischen Weg. Ob es wolle, wie im gallischen Nachbarland, dass Steuern erhöht werden und damit die Dynamik der mittelständischen Wirtschaft abgewürgt werde? Die Herausforderungen, auch für die Medienbetriebe, seien groß genug. Warum sollte man sich da das Leben unnötig schwer machen.

Und auch dies gab Söder den Verlegern mit auf den Weg: Bei allen Anstrengungen, die zu machen sind, die Arbeit in und mit den Medien sei einer der schönsten Berufe. Da mag von den anwesenden vierzig Verlegern keiner widersprechen. Und man ließ sich gemeinsam den frischen fränkischen Spargel im Schwarzen Adler schmecken.

 

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  1. apple

    „ARD und ZDF sollten sich exklusiv via GEZ finanzieren und konsequenterweise werbefrei laufen. Sie sollten auf Werbeeinnahmen verzichten und dieses Feld den Privaten überlassen.“

    Das würde den Privaten die alleinigen Werbeeinnahmen (während attraktiver Sportveranstaltungen und sinnfreier Dauerserien und niveauloser Castings jeder Art) zugestehen, das Programm der öffentlich-rechtlichen Anstalten würde qualitativ schlechter (wer soll gutes Programm bezahlen), die politische Berichterstattung würde tendenziös ausfallen und die Aktionäre der „Privaten“ würden sich die Taschen vollscheffeln. Mein Vorschlag Ironie an): Schließen wir doch ARD und ZDF ganz, sparen Fernsehgebühren, und lassen uns vom Programm der Privaten besudeln. (Ironie Ende) Dann brauchen wir uns auch keine Gedanken um die Entwicklung der Sprache mehr zu machen.

    Mein Fazit: Man hätte vor der Zulassung der Privaten TV-Anstalten eine Zukunftsprognose anstellen sollen.
    Dann bräuchte man heute nicht zu nörgeln: Ich nicht – und der hochgelobte Markus Söder auch nicht.

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