Wie man einen Flughafen baut…
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Michael Kerkloh, Wolfgang Stock

Von meinen ehemaligen Studien- oder Arbeitskollegen ist Michael Kerkloh derjenige, der es beruflich am weitesten gebracht hat. Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH steht auf seiner Visitenkarte. Oberster Chef des zweitgrößten Airports Deutschlands, in Europa die Nummer 7. Gut 35 Millionen Passagiere pro Jahr. Das nenne ich eine Erfolgsstory.

Dabei war das Erdinger Moos bei den Münchnern zunächst umstritten. Als ich das erste Mal den neuen Flughafen anflog, sah ich, dass erboste Bauern mit ihren Treckern ein riesiges NO in die angrenzenden Getreidefelder eingeschnitten hatten.

Doch die Proteste stellten sich – wie so oft im satten München – als kurzsichtig heraus. Oft bin ich in den 80ern von München-Riem aus geflogen, und mir ist noch gut in Erinnerung, wie dieser kleine und altersschwache Airport unter seiner Last ächzte. Aber die bayerische Staatsregierung hat – gegen lauten Protest – den neuen Flughafen MUC – Franz-Josef Strauß durchgesetzt.

Im Frühjahr 1992 wurde dieser glasglitzernde Airport eröffnet und er setzt noch heute Maßstäbe an Technik und Komfort. Kurze Umsteigezeiten, modernste Technik, trendy Boutiquen. Heute ist der Flughafen die Jobmachine in der Region München. Mehr als 32.000 Menschen arbeiten hier.

Es ist nicht selbstverständlich, dass München flugtechnisch zum zweiten Drehkreuz in Deutschland wurde. Eigentlich wäre Berlin dafür eher prädestiniert, gerade Richtung Osten und Norden. Diese Chance hätte der Berliner Senat nach der Wiedervereinigung tatkräftig ergreifen müssen. Hat er aber nicht.

Stattdessen holpert und stolpert er mit BER– dem Flughafen Berlin-Brandenburg – der Historie hinterher. Dauerbaustelle statt Wirtschaftswachstum. So ist es, möchte man anmerken, wenn Sozialdemokraten einen Flughafen bauen.

Beim Münchner Airport imponiert mir besonders, wie strategisch klug Michael Kerkloh diesen Airport positioniert und entwickelt. Eigentlich tritt er als Hub nicht in Wettbewerb zum Frankfurter Flughafen oder gar zu Berlin. Vielmehr schielt man konkurrenziert auf Mailand.

München soll das Drehkreuz für den Süden Europa bilden. Wer von Florenz nach Finnland fliegt, der wird sich wohl in einem Lufthansa-Flieger Florenz-München und dann München-Helsinki wiederfinden. So verwundert nicht, dass man in MUC viele italienische Sprachfetzen hört und es den Spazio Italia, eine eigene Abflughalle mit italienischem Flair, gibt. Damit nutzt der Münchner Flughafen, strategisch überaus klug, die Schwächen der Alitalia und die, nun ja, Service-Defizite der italienischen Airports aus.

Die Münchner ruhen sich auf ihren Erfolgen nichts aus. Die Wachstumsprojekte der nächsten Jahre sind identifiziert: Der Satellit zum Lufthansa-Terminal 2, die dritte Landebahn, der weitere infrastrukturelle Ausbau des Flughafens, eine gescheite öffentliche Anbindung nach München und ins Umland.

Der diplomierte und promovierte Volkswirt Michael Kerkloh ist ein erstklassiger Manager, ein schlauer Stratege, jemand, der zuhören kann und reflektiert ist. Und ein sympathischer Bursche obendrein. All das braucht es in diesem Job, alleine um die unterschiedlichen Interessen der Gesellschafter – Freistaat Bayern, Bund und Stadt München – unter einen Hut zu bringen. Auch mit den – üblichen – Protesten gegen eine dritte Startbahn vermag Kerkloh geschickt umzugehen.

Privat prägt Kerkloh, ein Münsterländer des Jahrgangs 1953, das Schöngeistige als Ausgleich, er spielt Klavier, auch Gitarre, er mag gute Literatur, die Zigarette, mal einen Roten. Und er besitzt eine umfassende Bildung.

Heute gilt MUC als einer der besten Flughäfen der Welt. Und Michael Kerkloh, seit 2002 in München, ist schon einige Male als Airport Manager des Jahres ausgezeichnet worden. Das ist, will man festhalten, verdient, mehr als verdient. In diesen Tagen feiert Michael Kerkloh seinen 60. Geburtstag. Man mag herzlich gratulieren, zu den runden Lebensjahren und, noch mehr, zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte.