Von Kannibalen und Verdrängern
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OlympHades

Photo by W. Stock

Die Printmedien – Bücher, Zeitungen und Zeitschriften – stehen unter massivem Druck. Viele Verlage schreiben rote Zahlen, spüren den Medienumbruch an sinkenden Erlösen oder machen den Laden gleich ganz zu.

Das Zeit- und Geldbudget für Print-Medien schrumpft, das für Pay-TV und Smartphones wächst. Herausgefordert werden die traditionellen Verlage durch die Digitalisierung. Durch Google, durch Facebook, durch Flipboard. Fluch oder Segen? Feind oder Freund?

Viele Altvorderen sehen in erster Linie die Kannibalisierung und den Verdrängungswettbewerb. Himmel gegen Hölle. Print schrumpft, weil digital ähnliche Angebote kostenlos anbieten. Deshalb möge Digital den Print-Verlagen gefälligst Lizenzgebühren zahlen.

Das ist zu kurz gedacht. Die Überschneidung zwischen dem Print- und dem Online-Konsument der gleichen Marke ist eher gering. Er bewegt sich zwischen 10 und 20 Prozent. Die neuen Medienkanäle sehe ich eher als Markterweiterung. Websites, E-Paper, Mobil, Apps – das sind neue Kanäle für ein neues Publikum.

Je mehr Medienkänale bedient werden, desto mehr Leute erreiche ich. DER SPIEGEL verzeichnet heute die höchste Reichweite seiner Geschichte, obwohl Print stark zurückgeht. Aber Medienkonsum ist halt nicht eindimensional.

Dass ein Medium – Print – von einem anderen Medium – Online – verdrängt oder vernichtet wird, ist eine Mär. Das ist medienhistorisch selten passiert. Vielmehr werden beide Kanäle nebeneinander laufen, je nach Zielgruppe in unterschiedlicher Gewichtung. Unterschiedliche Kunden und unterschiedliche Nutzungssituationen verlangen unterschiedliche Medien. Das ist zunächst ein Gewinn – jedenfalls für den Kunden.

Ein neues Medium verdrängt nicht ein altes, es verändert das alte Medium jedoch. Eine Substitution ist selten.  In der intelligenten Verknüpfung aller Angebote liegt nun die Herausforderung fürs Verlegen. Der Traum ist, dass sich durch zusätzliche Medienkanäle und kluge Verknüpfungen die Attraktivität jedes einzelnen Medienkanals steigern lässt.

Eines bleibt: Das Angebot muss in verschiedene Kanäle verteilt werden. Fassen wir deshalb die neue Medienwelt als Bereicherung und nicht als Bedrohung auf. Arbeiten wir lieber Hand in Hand als Stirn an Stirn!