Hero Kind – ein Vorbild
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Dr. Hero Kind (1944-2018)
gezeichnet von Peter Lauster

Als Verlagsgründer Erwin Barth von Wehrenalp seinen ECON-Verlag verkaufen musste, landete dieser dann über einen Umweg schließlich bei Dietrich Oppenberg, dem Verleger der NRZ, der Neuen Ruhr und Rhein Zeitung aus Essen. Der Zeitungsmann Oppenberg übertrug die operative Führung des Düsseldorfer Verlages seinem jungen Assistenten Hero Kind. Der promovierte Jurist hat den Verlag von 1982 bis 1994 geleitet, und er schaffte es, ECON zu einem modernen und erfolgreichen Sachbuchverlag zu verändern.

Hero Kind, Jahrgang 1944, sah gute Bücher nicht als austauschbare Massenware, sondern als Markenartikel. Deshalb hat er dem ECON Verlag und seinen Büchern ein frisches, eigenständiges Profil verpasst. Hero Kind trimmte ECON auf Wiedererkennung. Bücher als Markenprodukte, das begann die Branche erst langsam zu erkennen, ihm war das sehr früh klar.

Hero Kind und sein ECON Verlag residierten in der Kaiserswerther Strasse 282 im feinen Düsseldorfer Norden. Mit lausbübischem Charme hat er unaufgeregt über seinen Verlag regiert und innovativ gewirkt: Er ließ den Jil Sander- und Joop-Designer Peter Schmidt Taschenbuchcover entwerfen, er brachte die SINUS-Lebensweltenanalyse in die Buchbranche ein und er holte viele neue Autoren in den Verlag. Die Biografie über den Automann Lee Iacocca war einer seiner ganz großen Erfolge, hoch sechsstellig, erstaunlich für ein Wirtschaftsbuch.

Bestseller-Autoren wie Gabriele Krone-Schmalz, Lois Fisher-Ruge, Gertrud Höhler oder Peter Lauster sorgten für fröhliche Gesichter im Düsseldorfer Verlag. Heute wird klar, dass Kind seiner Zeit sicherlich fünf bis sieben Jahre voraus war. Strategische Ansätze wie Zielgruppenvernetzung, Kundenbindung und neue Ästhetik wurden erst viel später in ihrer Wichtigkeit von der Branche aufgenommen. Hero Kind war ein pragmatischer Stratege, der offen blieb für Neues. Er war zudem jemand, der ein gutes Näschen für Trends besaß und vor allem ein feines Gespür für Qualität und Erneuerung. Eigentlich kann man erst jetzt erkennen, wie gut dieser Mann war.

Im Jahr 1996, da hatte er eine schmerzliche Trennung von Dietrich Oppenberg hinter sich und einen eigenen Verlag vor sich, da ist er an einem Sonntagabend einfach umgefallen. Im besten Mannesalter. Er lag tagelang im Koma, doch der liebe Gott hatte diesmal noch ein Einsehen. Hero Kind erholte sich einigermaßen, fürsorglich umhegt von seiner wunderbaren Frau Simone, es war trotz aller gesundheitlichen Einschränkungen eine glückliche Zeit in seinem Friesenhaus am Keitumer Wattmeer von Sylt. Und auch eine zeitige Aussöhnung mit Dietrich Oppenberg hat dem Seelenfrieden aller gut getan.

In den letzten Jahren hat der liebe Gott es dann nicht mehr so gut gemeint mit ihm, und eigentlich hat dieser prächtige Mensch das so nicht verdient. Seit Anfang 2013 lebte dieser lebensbejahende Mann in einem Bremer Pflegeheim, im März 2016 dann der nächste Schicksalsschlag, seine Ehefrau Simone stirbt nach schwerer Krankheit. Nun ist auch Hero Kind gestorben, am 14. Februar 2018, mit 73 Jahren. Er hinterlässt seine Tochter Lena und seinen Sohn Jan.

Von all meinen Vorgesetzten hat mich Hero Kind am meisten beeindruckt und am nachhaltigsten geprägt. Hero Kind war gebildet, offen für neue Ideen und von einer beeindruckenden menschlichen Größe. Trotzdem aber auch für einen albernen Klamauk zu begeistern. Es tut der Welt gut, solche Menschen zu kennen – als Vorbild.