AcaBlog1082

Acapulco 1992; Photo by W. Stock

“Ich war nie ein Kind von Traurigkeit. Ich habe geschrieben, ich habe gemalt, ich habe gelebt. Und wenn eine hübsche Frau meinen Weg gekreuzt hat, dann habe ich geliebt.

Wenn manche Leute nun meinen, dies sei das Leben eines Playboys, nun ja, dann bin ich halt ein Playboy.

Ich wache hier auf, erblicke über den sanft wehenden Palmbäumen die azurblaue Bucht von Acapulco und sage jeden Morgen dann zu mir: Verdammt nochmal, heute ist

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Im November 1982 war ich zu Gast bei Teddy Stauffer in Acapulco. In seinem Turmhaus der Villa Vera haben wir uns lange über sein Leben und seine Musik unterhalten.

In dem bei jenem Treffen aufgenommenen Tondokument spricht der nach Mexiko emigrierte Schweizer Musiker über seinen Jazz:

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Ich kann heute spielen für amerikanische Jazzmusiker eine Platte, die wir haben, die müssen Sie hören. Die ist jetzt raus gekommen auf einer “Elite”-Langspielplatte.

Da heißt eine Nummer, die hat mein Pianist Buddy Bertinat, der ist ja gestorben, ein Pianist und Arrangeur, der hat das geschrieben. Das heißt “Möni Stomp”. Möni. (Monika). Möni war seine Geliebte. Da hat er “Möni Stomp” gemacht.

Wenn Sie das heute spielen auf einer guten Anlage, da fällt ein amerikanischer Musiker um, da fallen amerikanische Musiker um. Solch ein Sax-Quartett hat es nie gegeben und gibt es nie mehr wieder! Vier Saxophone. Da war der Höllerhagen und der Eddie Brunner dabei.

Acapulco, im Frühjahr 1983; Photo by W. Stock

Anfang der 80er Jahre verbringe ich einige Zeit im mexikanischen Acapulco. Die ersten Monate wohne ich im Hotel Sacramento in der Calle Emiliano Carranza. Das ist ein schlichtes, vierstöckiges Hotel nahe des Hauptplatzes Zócalo.

Als ich dann Teddy Stauffer Ende 1982 in seinem Haus hoch über der Buch von Acapulco besuche, erfahre ich von dem Schweizer Musiker und Schauspieler folgende hübsche Geschichte.

Im März 1948, Teddy arbeitete als Direktor des Casablanca Hotels, kam ein Individuum ins Beachcomber, in die Hotelbar, kräftig mit Tequila abgefüllt, und fing an zu pöbeln. Die Schnapsnase war der vierschrötige Alfonso Sutter, genannt El Mocho, ein einfacher Fischer aus Acapulco.

Der stämmige El Mocho randalierte wie von Sinnen, er ließ Flaschen und Gläser zu Bruch gehen und stieß wüste Beleidigungen aus. Teddy versuchte ihn zu beruhigen, ohne Erfolg. Schließlich sprach Hotelmanager Teddy Stauffer ein Hausverbot aus.

Trotz dieses Verbots kam Alfonso Sutter am nächsten Sonntag in die Hotellobby – in Begleitung eines gedungenen Pistolero. In seiner Mannesehre schwer gekränkt, hatte der dicke Sutter ein Kopfgeld auf Teddy ausgesetzt.

Zunächst gab es

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Teddy Stauffer in Acapulco, November 1982; Photo by W. Stock

Verächtlich wurden sie in den Nazi-Jahren Swingheinis genannt, um zu zeigen, dass sich hier nicht das Gute, Schöne und Wahre der deutschen Kultur manifestiere. Und der beste Swingheini in Deutschland war der Schweizer Teddy Stauffer.

Über 300 Schallplatten haben Teddy Stauffer und seine Original Teddies in den 30er Jahren aufgenommen. Das war Rekord. In den Hitlisten standen sie eh immer ganz oben. In Berlin und Leipzig waren Teddy und seine Mannen so bekannt wie heute Lady Gaga und Madonna zusammen.

Die Stauffer Band war smooth, swinging und vor allem hot. The hottest Band in Town. Und hot bedeutete in jenen Jahren auf jeden Fall sehr amerikanisch. Als ich Teddy Stauffer im November 1982 in Acapulco besuche, unterhalten wir uns auch über die Swing-Musik in der Weimarer Republik.

Teddy Stauffer liebte den großen Auftritt, gefiel sich in der Rolle

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Acapulco 1982; Photo by W. Stock

Nicht nur den Jet Set und die Hollywood-Schönlinge zieht es nach Acapulco, nein, diese Stadt besitzt auch eine magische Anziehung auf Intellektuelle. Das mag auf den ersten Blick verwundern, will man einem solch mondänen Urlaubsort doch eine gewisse Oberflächlichkeit nachsagen.

Jedoch ist die Liste der Schriftsteller und Autoren, die in Acapulco weilten, beeindruckend. Da ist zum Beispiel Malcolm Lowry, der schreiben konnte, so wie ein Schmied den Hammer schwingt. Über Mexiko schrieb der britischer Autor 1947 den Roman Unter dem Vulkan, ein wortgewaltiges, ziemlich verzweifeltes Trinkerepos. Der Vulkan ist der Popocatépetl, und Lowry Sätze kommen daher wie Mexiko selbst, wild, ungestüm, am Abgrund, und doch von eigentümlicher Leidenschaftlichkeit.

Ein Roman, der übrigens von John Huston – 1984 mit Albert Finney – in Mexiko verfilmt wurde. Malcolm Lowry selbst kam

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Nun, man kennt das ja, ein wenig Fama mag bei einem Playboy schon dabei sein. Als ich Teddy Stauffer 1982 in Acapulco besuche, erblicke ich kein Starlet, das mir den Cocktail reicht, sehe ich keine Frau, die sich auf dem breiten Bett seines Schlafzimmers räkelt. Nein, im Herbst seiner Tage ist ihm nur der mexikanische Diener geblieben, der dem schon etwas gebrechlichen Playboy über den Tag hilft.

Aber, keine Frage, Frauen dominierten Teddys Leben. Wahrscheinlich haben wir es bei Teddy mit einem Mann zu tun, der einfach nicht erwachsen werden will. Mit einem Träumer, einem Traumtänzer mitunter. Jedenfalls mit einem von der Sorte Mensch, der die sonnigen Seiten des Lebens zu genießen weiß.

Am 28. April 1941 trifft Teddy Stauffer auf der Exeter via Lisabon in New York ein. Im Schlepptau seine Freundin Louise Munn. Dann geht es auch gleich los. Im Juli 1941 eine Affäre mit der Schauspielerin Lilian Harvey. Da ist er, Teddy, der Teflon-Lover. Hier lässt einer nichts anbrennen. Und immer auf Hochtemperatur.

Teddy muss sicherlich als Playboy bezeichnet werden, aber als einer in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Ein Weltenbummler, sprachgewandt, extrovertiert, einer der gut feiern kann, jemand, der das Feminine liebt und sich selbst wohl auch. Einer, der die Liebe spielerisch nimmt und an die Leichtigkeit des Momentes glaubt. Mach keine halben Sachen, meint er, und wahrscheinlich sind nicht nur die Frauen gemeint.

Im Januar 1946 Heirat mit Faith Domergue, und in den Klatschspalten sollte stehen, Faith sei die frühere Geliebte des mysteriösen Tycoons Howard Hughes. Das war so etwas wie die Silbermedaille.

Gold holt Teddy dann im Juni 1947. Eine Liebschaft mit Rita Hayworth. Das ist der Gipfel! Rita, die femme fatale jener Jahre, gilt in den späten 40ern als begehrenswerteste Frau der Welt. Hollywood verleiht dieser Schauspielerin den Beinamen The Love Goddess, die Göttin der Liebe, als Pin-up-Girl hängt sie im Spind von tausenden amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg.

Bei den Dreharbeiten zu dem Film Lady from Shanghai in Acapulco hat Teddy Stauffer jene Rita ihrem damaligen Gatten, dem genialen Orson Welles, kurzerhand ausgespannt. Dann fliegen die beiden Turteltäubchen in die Schweizer Berge und anschließend in die Stadt der Liebe, nach Paris, und die Weltpresse druckt fleißig die Fotos des Seitensprungs. Der gehörnte Orson Welles bleibt tobend zurück und wünschte Teddy Tod und Teufel an den Hals.

Doch auch die schöne Rita bleibt eine Episode. Im Oktober 1947 die Scheidung von Faith Domergue, die ein paar Stunden später den Regisseur Hugo Fregonese heiraten sollte. So ist das damals in diesen Kreisen, man sieht die Liebe eher sportlich.

Im Juni 1951 dann Heirat mit Hedy Lamarr. Hedy Lamarr, die zweite seiner fünf Ehefrauen, heißt in Wirklichkeit Hedwig Kiesler und hat es als Schauspielerin aus Österreich in Hollywood zu passablem Erfolg gebracht. Ihre Filme sind heute fast alle vergessen, aber sie bleibt in Erinnerung als die erste Leinwand-Diva, die sich – man zählt das Jahr 1933 – in einem Film, jenem mit dem verheißungsvollen Titel Extase, ganz und gar nackig zeigte. Teddys Ehe mit dem Nackedei hält ganze neun Monate.

Anfang der 50er sieht man Teddy dann öfter mit Gene Tierney in Acapulco. Im März 1955 heiratet er Ann Nekel Brown. Auch diese Ehe hält neun Monate. Ein Playboy zählt nicht die Jahre, sondern die Stunden. Die Hamburgerin Pan Am-Stewardess Ute Weller heiratet Teddy dann im Mai 1957, die Scheidung nach einem guten Jahr. Im Dezember 1958 eine Liebelei mit Schauspielerin Margaret Binns, einen Monat später dann mit Pat Gaston.

Im Jahr 1959 nochmals eine Heirat, diesmal mit Patricia Morgan, einem Modell. Am 19. April 1962 wird Tochter Melinda Morgan Stauffer in Los Angeles geboren. Die Ehe ist 1963 kaputt, Patricia stirbt 1988 in Kalifornien, 55 Jahre alt.

Worin liegt das Geheimnis dieses Mannes bei den Frauen? Teddy Stauffer ist hochgewachsen, schlank, blond, ein Typ, auf den die Frauen fliegen. Und Teddy himself ist ein ein Mann, der weiß, wo bei den Frauen der Knopf zum Anknipsen ist. Aber das ist noch mehr. Aca natürlich, der mexikanische Garten Eden eines Lebemannes, die Sonne, reichlich Hitze, Berge von Blumen, die Drinks natürlich. Aber der größte Schlüssel zum Herzen der Frauen, das weiß der Swingmusiker, ist die Musik. Wenn Teddy die Geige spielt, dann schmelzen die Frauenherzen nur so dahin. Denn Teddy lässt beim Tête-à-Tête immer seine Geige erklingen und er spielt, als spiele er nur für sie. Nur für diese eine Frau, und nur für diesen Abend. Wer würde da nicht schwach werden?

Aber nun, mit Mitte 70, zeigt sich Teddy als Playboy, den auch Zweifel und die Melancholie plagen. Wissen Sie, sagt er zu mir in Acapulco, ich war dumm. Fünfmal verheiratet, eine Tochter. Ich hätte es umgekehrt machen sollen, meint Teddy traurig, einmal verheiratet und fünf Töchter.

siehe auch: Teddy Stauffer: Der Swingkönig im Paradies

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In Acapulco gelingt es mir, hinter der Quebrada, oberhalb des schon reichlich angejahrten Hotels El Mirador, einen kleinen Bungalow zu mieten. Ich wohne nun direkt über dem Meer, auf der Felsklippe, und des nachts höre ich das sanfte Rauschen der Brandung. Das ockerfarbene Dach meines Bungalow bildet eine erfrischende Beimischung zum Azurblau des Pazifik und auch zum saftigen Grün der Palmen. Habe ich schon einmal schöner gewohnt?

Abends, auf dem Weg vom Zócalo zu meiner neuen Bleibe, komme ich an dem Schauspiel vorbei, welches die Quebrada und damit auch Acapulco in der ganzen Welt berühmt gemacht hat.

Vier, fünf Jugendliche klettern eine steile Felswand empor, bekreuzigen sich oben angekommen vor einem kleinen Marienaltar, steigen auf einen Felsvorsprung, warten auf günstigen Wind und die richtige Welle, um sich dann, die Arme weit ausgebreitet, mit einem tollkühnen Kopfsprung 35 Meter tief in den gerade mal fünf Meter schmalen, tosenden Spalt des Pazifiks zu stürzen. Und das mit über hundert Stundenkilometern.

Ist das Supermann, fragt ein kleiner Junge seine Mutter, die beide neben mir stehen. Nein, antwortet die Frau, das sind die Clavadistas von Acapulco. Die Felsspringer von Acapulco. Dieses Ritual vor staunendem Publikum wiederholt sich einige Male am Abend, mal springen die Halbwüchsigen alleine, dann zu dritt und zum Abschluss mit brennenden Fackeln in der Hand.

Angefangen hat das Ganze in den 50er Jahren, zunächst als übermütige Tollheit einiger Jugendlicher aus den Slums. Zwei Männern verdankt das Felsspringen seinen späteren weltweiten Glanz. Da ist zum einen der Veteran der Clavadistas, Raúl García Bravo, das  Idol aller jungen Springer. Über 37.000 Mal ist er in die Tiefe gehechtet, beim letzten Sprung war er schon Mitte 60. Und dann muss man Teddy Stauffer nennen, den hierhin emigrierten Schweizer Swingmusiker und Mister Acapulco, der das touristische Potential des Spektakels erkannte und der die Clavadistas als Manager des in den Fels gebauten La Perla Nightclubs zum Markenzeichen dieser Stadt machte.

Ich habe vor dreißig Jahren die Felsspringer zum ersten Mal bestaunt, als das Gelände noch nicht abgeriegelt war und man sich noch keine Eintrittskarte ziehen musste. Bei meinen späteren Besuchen war das Schauspiel dann schon, leider, leider, als kalte Touristenfalle angelegt. Vollgestellt mit Bussen, die Menschen von den Kreuzfahrtschiffen oder sonstwoher herankarrten, alles straff durchorganisiert, auf Effekt gepolt, ganz ohne Herzblut.

Das scheint die Logik der Zeit, so wie die Schönheit mit den Jahren ihre Unschuld verliert. Darauf nun wirklich einen Johnnie Walker.

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Acapulco 1982; Photo by W. Stock

Der enigmatische Schriftsteller B. Traven war untergetaucht, und zwar im sonnigen Acapulco. Im Juli 1948 entdeckt der damals 25-jährige mexikanische Reporter Luis Spota den scheuen und geheimnisumwitterten Autor B. Traven in der Hafenstadt am Pazifik.

Spota ist ein junger investigativer Reporter aus der Hauptstadt Mexico City. Finde heraus, wer Traven ist, hatte ihm sein Chefredakteur als Auftrag mit auf den Weg gegeben.

Spota hat nach Beendigung der Dreharbeiten zu Der Schatz der Sierra Madre die Spur von Hal Croves, angeblich Travens Sekretär, verfolgt. Diese Spur von Croves führt nach Acapulco an den Pazifik, wo Croves unter dem Namen Berick Torsvan als Inhaber eines kleinen Restaurants lebt.

Den entscheidenden Tipp und die Adresse bekommt Spota von der Banco de México zugesteckt. Als ein Briefträger in Acapulco ihm obendrein verrät, dass ein geheimnisvoller Señor Berick Torsvan Honorarzahlungen des Literaturagenten Josef Wieder aus Zürich erhält, die an einen gewissen B. Traven adressiert sind, da verfliegt bei Luis Spota der letzte Zweifel: Berick Torsvan ist B. Traven. Spota hat den unsichtbaren deutschen Autor entdeckt, als erster.

In Acapulco legt sich Spota auf die Lauer, als Torsvan alias Traven seinen täglichen Gang zum Postamt in der Nähe der Uferpromenade unternimmt. Luis Spota sieht einen gutgekleideten Mann in einer weißen Flanellhose, einem hellblauen Hemd und mit einer dunklen Sonnenbrille, der kurz mit einigen Einheimischen plaudert.

Der mitgebrachte Fotograf drückt auf den Auslöser und schießt seine Schnappschüsse von dem Mann. Es werden die ersten öffentlichen Fotos sein, auf denen der merkwürdige B. Traven abgebildet ist. Nunmehr erhält Mexiko und die Welt ein Bild dieses Autors. Als Traven den jungen Spota und seinen Fotografen bemerkt, wird er sichtlich nervös, dann ungehalten und schließlich ergreift er die Flucht.

Spota besucht Traven alias Torsvan alias Croves in seinem Restaurant und konfrontiert ihn mit seiner Recherche. Zuerst redet der kleine Mann, den sie hier el gringo nennen, drumherum bis er schließlich seine Identität preisgibt. In Tampico störte es mich, dass sie mich nur den Schweden nannten, deshalb nannte ich mich Traven. Ein Verleger in München hat dann das B. davor gesetzt.

Luis Spota schreibt für das Magazin Mañana eine mehrseitige Reportage, die am 7. August 1948 veröffentlicht wird. Mañana descubre la identidad de B. Traven! Mañana enthüllt die Identität von B. Traven!, heißt die reißerische Überschrift des Artikels. Berick Torsvan ist Hal Croves ist B. Traven.

Blätter in aller Welt drucken den Scoop Spotas nach. Das größte Nachrichtenmagazin der Welt, das Time Magazin, berichtet in seiner Ausgabe vom 16. August 1948 von Spotas Entdeckung unter der Überschrift The Secret of El Gringo.

Doch trotz Spotas Beweisen streitet der kauzige Gastwirt Berick Torsvan später wieder ab, der Autor B. Traven zu sein. Torsvan taucht nun bei seinem Freund Gabriel Figueroa unter, womit Traven dann ein weiteres Mal für geraume Zeit von der Bildfläche verschwunden ist.

Einige Zeit haben die Nazis die Swing-Musiker in Ruhe gelassen. Eine trügerische Ruhe. Denn die Braunhemden haben die synkopierte Musik als entartete Kunst gehasst und bekämpft.

Doch Teddy Stauffer war Schweizer und bei ihm hätte man diplomatische Verwicklungen riskiert. Zudem wollten die Nazis vor den Olympischen Spiele 1936 der Welt ein freundliches und sauberes Idyll vorgaukeln.

Teddy Stauffer und seine Original Teddies, damals Deutschlands bekannteste Swing-Band, befinden sich im Berlin der 30er Jahre auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Doch nach 1936 nimmt die Pression zu. Die Nazis verachten die Musik aus Amerika, seit 1935 darf Jazz nicht mehr im deutschen Rundfunk gespielt werden und nun werden auch öffentliche Auftritte schwieriger.

Der 73-Jährige führt mich auf die Veranda seiner Turmvilla in Acapulco, so als müsste er nach frischer Luft schnappen. Im November 1982 bin ich zu Besuch bei Teddy Stauffer in Mexiko, seiner neuen Heimat, und der berühmte Orchesterchef erzählt aus seinem bewegten Leben.

Wir spielten 1938 in Leipzig, im Felsenkeller, wo auf der Bühne und vor der Tanzfläche große Plakate hingen: Swing tanzen und Swingmusik verboten – Reichskulturkammer. Zwischen zwei Musikstücken kam plötzlich die Gestapo auf die Bühne und stoppte das Konzert. Der Gestapoleiter sagte ganz formell: ‚Man hat reklamiert, dass Sie Swingmusik spielen.‘ Da meinte ich: ‚Ja, was ist denn das, Swingmusik?‘ Er konnte es natürlich nicht erklären.

Über das Gesicht des betagten Mannes huscht ein verschmitztes und zufriedenes Lächeln, während seine Augen zu dem blauen, sanften Meer vor Acapulco schweifen. Dann verdunkelt sich seine Miene und er versucht im nächsten Satz den melodiösen Klang seines Schweizerspanischs mit dem ruppigen Tonfall des Nazideutschs zu überspielen.

‘Spielen Sie keine deutschen Schlager?‘, fragte der Gestapomann hart. Da habe ich zu meinen Musikern gesagt, Nummer 43, das war Bei mir bist Du schön. Das hört sich schön deutsch an, ist aber ein hundertprozentig jüdisches Lied. Das haben wir dann gespielt, aber die Gestapo sagte, dies sei immer noch amerikanische Negermusik. Daraufhin spielten wir den Bugle Call Rag, aber im Marschrhythmus. In seinem Klarinettensolo hat Ernst Höllerhagen dann über das Horst-Wessel-Lied, die inoffizielle Nazi-Hymne, improvisiert. Das war so der Anfang von meinem Ende in Deutschland.

Der Völkische Beobachter, die Tageszeitung der Nazis, und ein Musikfachblatt griffen Stauffer und die Band dann an und schrieben: Raus mit diesen Ausländern und der Judenmusik. Das Ende der Schweizer Swing-Band in Deutschland war dann abzusehen. Die Teddies spielten auf der Schweizer Landesausstellung, als der Geisteskranke aus der Berliner Reichskanzlei 1939 den Überfall auf Polen befahl.

Der Krieg, vor dem so viele gewarnt haben, ist da. Es wird ein Krieg, an dessen Ende halb Europa in Schutt und Asche liegen wird und Millionen von Müttern, Vätern und Kindern in Konzentrationslagern um ihr Leben gebracht sein werden.

Doch Deutschland befindet sich im Kriegstaumel. Es herrscht Mobilmachung, die deutschen Musiker der Teddies werden eingezogen. Das Orchester zerbricht. Nein, nein, Widerstandskämpfer sei er nicht gewesen, meint Teddy Stauffer, das sei zu viel der Ehre. Er habe einfach dieses braune Pack mit seiner bornierten und freudlosen Auffassung vom Leben nicht ausstehen können.

Und 1941 packt Teddy Stauffer dann seinen Koffer, fährt mit einem Dampfer über den Atlantik nach New York und wird viele Monate später hier in Acapulco stranden. Es wird für Teddy der Eintritt ins Paradies.

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Das Restaurant Acapulco, gefunden im April 2008 in Frankfurt am Main; Photo by W. Stock

Um diese Tatsache wird auf stockpress.de kein großes Geheimnis gemacht. Der geneigte Leser dieses Blogs wird rasch merken, der Autor mag Acapulco. Sunny Acapulco. You can’t get that out of the boy! Acapulco de Juárez, die launige Perle am stillen Ozean, ewiger Hochsommer, blauer Himmel, schrille Parties, ein lässiger Lebensstil.

Lesen Sie doch einfach einmal alle Artikel zur Kategorie Acapulco auf stockpress.de. Da reiht sich eine Liebeserklärung an die nächste.

In jungen Jahren hat der Verfasser viele schöne Monate dort gelebt. Aber lang ist es her, und nun versucht er sich daran zu erinnern, wo zum Teufel sich die Stadt Acapulco denn nun befindet. Wo auf diesem runden Globus liegt nun dieses Acapulco?

Dreißig Jahre ist es mittlerweile her, doch so langsam kommt die Erinnerung. Ja, Acapulco liegt 400 Kilometer westlich der Hauptstadt, direkt am Pazifik, und das Land heißt, ja, wie heißt das Land denn gleich?

Richtig, das wunderschöne Land trägt den Namen Mexiko. Aber vielleicht ist der Verfasser schon leicht im Geiste angekalkt und Acapulco liegt möglicherweise nicht an der mexikanischen Küste, sondern in Wirklichkeit befindet sich Acapulco in Europa, in Italien, sagen wir an der sonnigen Adria. Ja, Acapulco findet sich unter Italiens Sonne. Und Palermo liegt am Panama-Kanal, Rom in der Wüste Atacama und Triest in der Steppe Feuerlands. Und ein gewisser Silvio regiert in Argentinien.

Jetzt bin ich bald wirklich ganz balla-balla. Nur weil Acapulco in Italien liegt – jedenfalls in Frankfurt.