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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Auwei! (Seite 1 von 6)

Es war nicht alles schlecht!

Berlin, im Oktober 2013 Photo by W. Stock

Berlin, im Oktober 2013
Photo by W. Stock

Es war nicht alles schlecht. In der alten DDR, meine ich.

Das Ampelmännchen beispielsweise, das war im sozialistischen Osten Deutschlands wesentlich besser. Der rote Ampelmann steht kraftvoller da als sein westliches Pendant.

Und der grüne Ampelmann sah wesentlich dynamischer aus als im kapitalistische Teil der Deutschlands.

Kraftvoll und dynamisch? In der Deutschen Demokratischen Republik? Nun, wenigsten beim Ampelmännchen.

Ein Bilderrätsel der SPD

gefunden in München, im Juli 2013;
Photo by J. Stock

Ein Bilderrätsel in drei Worten. Der Spitzenkandidat der SPD in Bayern hält vier Buchstaben in beiden Händen. WORT. Was, um Himmels Willen, wollen uns Christian Ude und die Sozialdemokraten damit sagen?

Richtig. Die Lösung des Bilderrätsels lautet: Ude hält Wort. Aha. Steht auch drüber. War nicht so schwer.

Das Wahlplakat ist in  zweifacher Sicht bemerkenswert. Zum einen, dass ein Politiker Wahlkampf führt mit einem Slogan, der eigentlich eine bare charakterliche Selbstverständlichkeit beschreibt. Ude hält Wort. Warum muss das betont werden?

Vielleicht weil diese SPD in dieser Frage zu den kleinen Sündern im Lande gehört? Man erinnere sich an Hartz eins bis vier, an die Rente mit 67, an Andrea Ypsilanti oder an das Video von der Lügen-Hanni auf Youtube, das sich auf ein gebrochenes Wahlversprechen der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bezieht.

Andererseits sagt der Volksmund, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr. Insofern macht der Slogan schon Sinn.

Zweitens sollte man die Werbeagentur, die sich diesen Unsinn ausgedacht hat, schnellstens

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The Economist: 1+1=1

EconomistPreismodell

als Werbebeilage gefunden,
im Juni 2013

Ich mag The Economist, bin seit vielen Jahren abonniert und genieße die tiefgründige, genaue und oft freche Beobachtungen des Londoner Wochenmagazins. Es ist dies eines der besten und wohl auch erfolgreichsten Magazine der Welt. Doch ein schüchternes Wort des Widerspruchs muss erlaubt sein.

Ich verstehe das Preismodell des Economist nicht. Man bietet mir an – im Quartalsbezug – die Printausgabe zu 12 Euro. Bestellt man das E-Paper, so sind ebenfalls 12 Euro fällig. So weit, so gut. Auch wenn ich der Meinung bin, die elektronische Version dürfte schon ein wenig preiswerter sein. Denn es wäre anständig, wenn der Verlag einen Teil der gesparten Druck- und Vertriebskosten an den Kunden weitergäbe. Aber, Inhalt ist Inhalt, einen gleichen Preis kann man vertreten.

Nun allerdings kommt etwas, was ich nicht verstehe. Bezieht man

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Michael Jacksons Affe

Michael Jackson

München, im Mai 2013; Photo by W. Stock

Als Michael Jackson im Jahr 2009 überraschend starb, da suchten seine Fans weltweit nach Möglichkeiten, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. In München fanden sie auf einem Grünstreifen das Denkmal des niederländischen Komponisten Orlando di Lasso am Promenadeplatz, vis à vis vom Hotel Bayerischer Hof, also in ganz edler Umgebung.

Fortan legten die Fans des Musikers ihrem toten Idol Blumen unter die Statue Di Lassos, schrieben kleine Botschaften, pinnten Fotos an das dunkelgraue Denkmal. Die Stadt – liberal wie die Münchner nun sind – duldete die Zweckentfremdung des Denkmals.

Doch nun, oh Schreck, hat sich eine Gegenbewegung gebildet. Nur ein paar Meter von Di Lasso/Michael Jackson entfernt, hat der britische Künstler David Shrigley in diesen Tagen eine Parodie hochgezogen. Fast wie ein Spiegelbild wird an diesem Denkmal nicht dem Musiker gehuldigt, sondern

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Blabla für Schwätzer

Nebel

Photo by W. Stock

Nichts-Sagen ist eine hohe Kunst, denn so einfach ist das Schwätzen nicht. Denn darauf kommt es doch an: Reden, aber nichts sagen.

Oder: Ein gepflegtes Blabla muss auf hohem Niveau stattfinden, sowohl privat als auch im Beruf. Schwätzen sollte einigermaßen intelligent daher kommen, damit es nicht auffällt.

Deshalb nachstehend ein kleiner Survival-Guide für Ahnungslose. Was man in Diskussionen so sagen sollte, wenn man nun wirklich gar keinen blassen Schimmer hat, aber trotzdem eine gute Figur machen will:

Der sozialdemokratische Komparativ

Deutschland besser und gerechter regieren | SozialdemokratischeAm Montag dieser Woche hat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Berlin mit großen Tamtam den Entwurf ihres Wahlprogramms vorgestellt. Deutschland besser und gerechter regieren, steht da als Überschrift.

Ich will hier nicht auf die Inhalte dieses Programms eingehen, darüber kann man trefflich streiten. Ob Mindestlohn, Vermögenssteuer oder eine höhere Einkommensteuer – da mag es gute Gründe dafür geben oder auch dagegen. Geschenkt, geschenkt!

Mir geht es um etwas ganz anderes. Nämlich um die Sprache. Und die Sprache ist bei der SPD verräterisch, ja, man könnte fast sagen, die Sprache der SPD kommt einer Kapitulation gleich. Einer Kapitulation vor dem Gegner CDU oder vielleicht auch einer Kapitulation vor der eigenen Ideenlosigkeit und dem eigenen Unvermögen.

Deutschland besser und gerechter regieren. Leute, obacht, das ist der Komparativ! Besser ist die Steigerungsform zu gut und gerecht wird zu gerechter gesteigert. Wenn ich nun sage, rein sprachlich gesehen, Deutschland sollte besser und gerechter regiert werden, impliziert dies, dass Deutschland heute schon gut und gerecht regiert wird.

Der Slogan hätte richtig formuliert also heißen müssen:

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Go, Bärchen, go!

Gummibärchen

gefunden in Weilheim, Oberbayern, im März 2013; Photo by W. Stock

Der Leser dieses Blogs weiß, ich mag Anglizismen. Sie sind eine Art universale Bezeichnung für die Dinge des modernen Lebens. Aber, auch dies sollte gesagt werden, ein wenig Intelligenz bei ihrer Nutzung hier und da wäre schon angebracht.

Gummibärchen to go!, hoppladihopp, da setzen Aug und Hirn doch gleich zum doppelten Purzelbaum an.

Ein Anglizismus beim urdeutschen Gummibärchen, in Kombination mit dem sichtbaren Umlaut, all dies birgt eine gewisse Komik, jedenfalls wenn man sich eine gewisse sprachliche  Jungfräulichkeit bewahren durfte. Und dann dieses to go.

Denn sprachlich dient das to go im Deutschen dem Ausdruck zum Mitnehmen als Entsprechung. Ein Coffee to go ist ein Becher Kaffee, den man nicht im Café am Tisch trinken muss, sondern als ein Schnell-Kaffee im Pappbecher für unterwegs verkauft wird.

Bei Bears & Friends, ein wirklich hübscher Ladenname, geht es also eigentlich um Gummibärchen, die man

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Lufthansa: Flug ins kinderlose Paradies

Vorweg, ich mag Lufthansa. Für mich ist dies die beste Fluglinie weit und breit. Wenn es  irgend geht, fliege ich mit dem gelben Kranich. Das Lob für die Lufthanseaten kommt aus tiefem Herzen: solide, sauber, pünktlich, guter Service. Kurz, man fühlt sich in guten Händen.

Doch wenn ich die neue Lufthansa-Anzeige sehe, dann kriege ich das kalte Grausen. Kinder: aus dem Haus, Katze: bei den Nachbarn – Wir: am Ziel der Träume.

Besonders kinderfreundlich war dieses Land ja nie, aber wenn es der Traum sein soll, die Kinder weg zu kriegen, und sich für 489 Euros dem eskapistischen Traum hinzugeben, dann passt diese Werbung ja eigentlich gut in die Zeit.

Die hedonistische Werbebotschaft der Lufthansa befeuert das moderne Weltbild der Verantwortungsunlust und der Belanglosigkeit. Kinder und Katze ruhig gestellt, ab ins kinderlose Paradies, nur weit weg. Alleine, dass Kinder und Katze in einem Atemzug genannt werden, zeigt das verschrobene Weltbild und den dünnen Wertekatalog der Lufthansa-Werber.

Wie tief will die Moral sinken und wie

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Der dämliche Komparativ

unabhängiger1Der Komparativ, wir haben es in der Schule gelernt, ist eine prima Erfindung. Mittels ihn steigern wir Adjektive und Adverbien. Schön, schöner, am schönsten – möchte man da rufen.

Oder gut, besser, am besten. Das lateinische comparare meint in diesen Breiten vergleichen, und so setzt der Komparativ A zu B ins Verhältnis.

Nun gibt es allerdings Adjektive, die sich nicht so recht für die Steigerungsform eignen. Schwanger, beispielsweise. Schwanger, schwangerer, am schwangersten. Das macht recht wenig Sinn. Absolutadjektive nennt der Germanist solche Begriffe, die sich der Steigerungsform entziehen: tot, einmalig, einzigartig.

Die SPD ging in meiner Jugend einmal mit dem hübschen Slogan Wir machen den Frieden sicherer in den Wahlkampf. Auch dies scheint sprachlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn entweder ist der Frieden sicher, dann müsste es auch langen, oder er ist unsicher. Fehlte nur, dass die CDU mit dem Slogan Wir machen den Frieden am sichersten gekontert hätte.

So ist das halt, wenn einem nichts einfällt oder wenn man

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verdammt teure Dekadenz

Jeans

gefunden Berlin, Photo by W. Stock

Weltanschauung kommt, man ahnt es schon, wenn man sich diese Welt anschaut. Und wenn man dies mit wachem Sinn tut, bekommt man so einiges vors Auge, insbesondere in den Ländern der sogenannten Dritten Welt.

Da stolpert man beispielsweise über Väter, die ihren kargen Lohn versaufen. Da erlebt man Mütter, die nur aus Reis und ein paar Bohnen ein Mittagsgericht zaubern.

Und was am meisten weh tut: Man sieht Heerscharen von Kindern mit wenig mehr als ein paar zerfetzten Lumpen am Leib.

Und wenn man solches erlebt hat, dann wird man hier und da nachdenklich, besonders hier.

Man beginnt zu vergleichen. Und man stellt auch ziemlich blöde Fragen. Wie zum Beispiel diese: Wann erweist sich eine Gesellschaft als dekadent?

Nun, nachstehend eine Antwort. Dekadent ist, wenn eine

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