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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Bildung

Machtwende – der Süden holt auf

John & Doris Naisbitt: Machtwende - Wie die Länder des Globalen Südgürtels unsere Welt verändern werden; Goldegg Verlag, Juni 2016

John & Doris Naisbitt: Machtwende – Wie die Länder des Globalen Südgürtels unsere Welt verändern werden; Goldegg Verlag, Juni 2016

Es ist immer ein Gewinn, wenn man Bücher liest, die aus einer Adlerperspektive geschrieben werden. Denn unsere Welt verändert sich so rasant, dass man manchmal mit dem Einordnen nicht mehr nachkommt.

Das Autorenpaar John und Doris Naisbitt werfen in ihrem neuen Buch einen erhellenden Blick auf den Zustand der Welt von heute und versuchen die Trendlinie in die Zukunft zu ziehen. Die USA verlieren an Einfluss, Europa schwächelt bedenklich und die Gewinner im globalen Wettbewerb sind die Staaten des Südgürtels, jene sich entwickelnde Nationen, die man unter dem Begriff Schwellenländer zusammenfasst.

Die Stärke des Buches liegt in einem sympathischen Un-Dogma. Die Naisbitts berichten von ihren Gesprächen, sie analysieren Bücher und Artikel und lassen uns an ihren Beobachtungen teilhaben. Gerade in diese persönliche Beobachtungen erzeugen jene Aha-Effekte, von denen es in dem Buch einige gibt. So berichtet das in Wien wohnende Ehepaar, dass sie zu ihren Flügen in die weite Welt immer seltener die traditionellen Drehkreuze London, Paris oder Frankfurt nutzen, sondern vielmehr nun über Dubai oder Istanbul fliegen. Ein kleines, aber feines Indiz, wie sich die Entwicklung von der westlich zentrierten Welt hin zu einer multi-zentristischen Welt vollzogen hat.

Mit Europa und den USA gehen der Amerikaner John Naisbitt und die Österreicherin Doris Naisbitt hart

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Das alte Europa – quo vadis?

WinfriedBöttcher Europa

Winfried Böttcher (Hrsg.), Klassiker des europäischen Denkens

WinfriedBöttcherEruropa Wohin steuert unser Europa? Gerade heute muss diese Frage mit Nachdruck gestellt werden, wo doch der globalisierte Wettbewerb an alten europäischen Erfolgen kratzt und das europäische Haus in eine Beletage und das Souterrain auseinander zu fallen droht.

Aber im Grunde genommen muss der Erkenntnisprozess noch ein, zwei Schritte früher ansetzen. Wo liegen die Wurzeln dieses Europa? Gibt es eigentlich so etwas wie eine Mission Europas? Und: Was hält Europa zusammen? Ein neues Buch nähert sich diesen Fragen aus kulturgeschichtlichem Blickwinkel. In einer Vielzahl von Aufsätzen machen sich Historiker, Philosophen und Sozialwissenschaftler an die Aufgabe, die DNA, den inneren Kern der europäischen Idee zu entschlüsseln.

Winfried Böttcher lässt mit seinen Ko-Autoren die Ideen und Visionen von 100 Denkern aus 14 europäischen Ländern aufleben, Gedanken, die von Pierre Dubois aus dem 13. Jahrhundert über Immanuel Kant bis zu Alcide De Gasperi und Václav Havel reichen. Jeder dieser Vordenker wird in Klassiker des europäischen Denkens kurz biographisch vorgestellt, ebenso wie seine Überlegungen zu Europas Kultur- und Friedensgeschichte.

Und vielleicht ist dieser Blick in die Vergangenheit vonnöten, um den heutigen Anspruch der alten Welt aufzufrischen und den Wertekompass für die Zukunft zu polieren. Und wie lässt sich das Ideal kurz zusammen fassen, das diese Denker für Europa entwerfen? Nun, im Kern handelt es sich um die Werte der europäischen Aufklärung: Freiheit, Toleranz und Friedfertigkeit. Freiheit und Frieden, so lautet der Zweiklang, der seit über 700 Jahren diesen doch so oft geschundenen Kontinent antreiben sollte. Aufklärung und humanistische Ideale sollten den festen Maßstab in Europa bilden, um an die Stelle von Krieg und Gewalt im Idealfall den Diskurs und die Diplomatie treten zu lassen.

Warum hat in Zeiten von Wikipedia und Informationsflut ein solches Mammutwerk wie dieses aus dem Nomos Verlag seine Berechtigung? Nun, weil die

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Ein Dekan für Peter F. Drucker

PeterDruckerDeanIm Economist von dieser Woche entdecke ich eine halbseitige Stellenausschreibung. Die Claremont Graduate University sucht einen Dean. Ein Dean, ein Dekan, leitet die Fakultät einer Hochschule und hier sucht man den Kopf für die Peter F. Drucker and Masatoshi Ito School of Management.

Schöne Erinnerungen kommen da auf. Denn in den späten 80er Jahren durfte ich der Lektor und Verlagsleiter von Peter F. Drucker sein, der als Lehrmeister des modernen Managements weltweit anzusehen ist. Der gebürtige Wiener Drucker, ein sympathischer und bescheidener Mensch, lehrte über 30 Jahre an Claremont, das 50 Kilometer östlich von Los Angeles liegt. Von 1971 bis 2002 war er an der CGU Professor, im Jahr 2005 ist Peter in Claremont gestorben.

In meinem gesamten Berufsleben bin ich keinem klügeren Menschen begegnet als ihm, und ich kann versichern, dass ich verdammt vielen klugen Menschen begegnet bin. Die Stellenanzeige skizziert einige der zentralen Gedanken von Peter. Management sei keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. Charakter und Moral seien ebenso gefragt wie Modelle und Statistiken.

Die School of Management der Claremont University gehört nicht zu den führenden Business Schoools in den USA, kein Vergleich zu Harvard oder Stanford, aber mit ihren 14 Professoren und dem leuchtenden Name Peter F. Drucker spielt sie als Außenseiter in der Eliteliga mit. Claremont zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ihr MBA-Studium interdisziplinär anlegt ist. Neben betriebswirtschaftlichem Rüstzeug eben auch

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Wider die quantitative VWL

RWTH Aachen

Aachen, im Sommer 2010; Foto by C. Stock

Es macht mir immer wieder Freude, meine alte Uni zu besuchen. Die RWTH Aachen, ihre Lehre und Forschung, ich behalte sie in vorzüglicher Erinnerung. Doch unter die Freude mischt sich in den letzten Jahren Wehmut.

Die heutigen VWL-Studenten tun mir ein wenig leid. Denn deren Blickfeld, das zu unserer Studienzeit in den 70ern noch humboldtig weit war, hat sich im Laufe der Zeit beängstigend eingeengt.

Die Gründe sind bekannt. Verschulischung des Lernens, Bachelor-Studiengänge, Turbo-Studium. Bei der VWL und der BWL kommt die zunehmende Dominanz von Rechen- und Statistikmodellen hinzu, so wie es die mathematische oder quantitative Volkswirtschaftslehre halt vorlebt.

Vergessen wird bei diesem Lernen an Modellen, dass die VWL weder

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Google besitzt Spirit und Leidenschaft

Photo by W. Stock

Mountain View, im Oktober 2009

Bestes Firma von Welt? Schwierige Frage, leichte Antwort.

Selten hat mich der Besuch eines Unternehmens so fasziniert und elektrisiert, wie dieser Besuch bei Google in Kalifornien unter schönstem blauen Himmel.

Die alte Industrie sieht hier noch älter aus. Nestlé, Daimler-Benz, Henkel – kenne ich auch, Spitzen-Unternehmen, auch die habe ich von innen gesehen. Alles kein Vergleich zu Google. Einen besseren Laden als die Firma aus Kalifornien gibt es nicht. Nirgends. Nicht zwischen Alaska und Argentinien, nicht zwischen Tokio und London.

Bei Google in Mountain View wie bei Tante Käthchen mal kurz zum Nachmittagskaffee vorbeizuschauen, das geht so einfach nicht. Doch den

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Exzellenz an Stanford

Stanford University, Juli 2005; Photo by W. Stock

Mit die besten Tage meines Lebens? Zwei Wochen an der Stanford University in Kalifornien.

Dort habe ich einen Sommerkurs belegt, eine Fortbildung für Manager im Medienbereich. Den Stanford Professional Publishing Course.

Was ich in Stanford gesehen, gehört und erlebt habe, das hat alles in den Schatten gestellt, was ich von europäischen Unis kenne. In Deutschland habe ich schon keine schlechte Universität absolvieren dürfen. Die RWTH Aachen liegt in der Rangliste der Exzellenz ziemlich oben in den Top Ten hierzulande.

Deutsche Universitäten sind gut. Seien wir genauer. Manche sind gut, viele sind guter Durchschnitt. Besonders in der Breite. Kein Ausreißer nach oben, keiner nach unten. In  Deutschland ist von linker Seite tragischerweise immer ein Konflikt zwischen Spitzen- und Breitenbildung konstruiert worden. Künstlich geschaffen, wegen des Dogmas. Denn einen solchen Widerspruch gibt es nicht.

Die Eliteunis gefährden eine gute Breitenbildung nicht, im Gegenteil, sie sind eine

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Anglizismen sind cool!

gefunden auf der Buchmesse, Frankfurt am Main im Oktober 2010; Photo by W. Stock

Anglizismus. Kein Wort bringt einen Deutschtümler so schnell auf die Palme wie dieses. Sprachpuristen und Kulturpessimisten klagen in den Talkshows und den Zeitungen ihr Leid: Die deutsche Sprache verkomme, sie falle unter die Räuber, das Deutsch werde verunstaltet, unsere Sprache werde von vielen Seiten mürbe gemacht.

Hässliche Anglizismen mogeln sich in unser Deutsch, dieser respektlose Jugendspeak obendrein, dazu simple Comic-Sprache, die SMS-Codes und weiß er Teufel noch was. All dies verhunze unsere saubere deutsche Sprache.

Vom Standpunkt eines Schiller/Goethe-Deutsch mag das bisweilen so aussehen. Aber wer redet schon so, wie Thomas Mann geschrieben hat? Und: Ist das Deutsch eines Heinrich Böll auch das Deutsch unseres Alltags von heute?

Tatsache bleibt, dass sich die deutsche Sprache mehr und mehr differenziert. Dies ist nicht weiter schlimm, denn solches ist ein Zeichen für Kraft und Lebendigkeit. Nur wer tot ist, verändert sich nicht.

Denn eine Sprache entfaltet und verändert sich im Alltagsgebrauch. Dazu kommt die sprachliche Globalisierung. Durch sie öffnet sich die deutsche Sprache anderen Sprachen. Welche Anglizismen sich dann

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Wer hat Wilhelm von Humboldt abgemurkst?

Rektor Professor Ernst Schmachtenberg, Dr. argenteus Wolfgang Stock; Aachen, im Juni 2010

Vor einem guten Jahr war ich mal wieder zu Besuch an meiner Alma Mater. Die RWTH Aachen lädt ein zum silbernen Doktorjubiläum. Bei solchen Anlässen merkt man, wie schnell die Zeit vergeht.

An diesem festlichen Abend erhält man vom Rektor nochmals die Doktor-Urkunde, diesmal in feines Silber gerahmt, und zusammen mit den anderen 80 ehemaligen Doctores des Jahrgangs 1984 wird gefeiert. Promotion in Aachen, man lässt eine tolle, längst versunkene Zeit Revue passieren.

Vor 25 Jahren sah die Bildungswelt in Deutschland noch ganz anders aus. Die RWTH Aachen, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, heißt zwar immer noch so, denn die vier Versalien sind ein starkes Markenzeichen in akademischen Gefilden. Doch man kann in letzter Zeit auch vermehrt das internationale RWTH University of Technology erspähen.

Der Blick geht in die weite Welt, was erfreut. Doch auch nach innen erfolgte über die Zeit ein Paradigmenwechsel. Dem

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Wo die Luft der Freiheit weht

Fern der Heimat erwartet mich an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto eine faustdicke Überraschung. Die Leland Stanford Junior University, so ihr voller Name, führt ein deutsches Motto in ihrem Siegel. Die Luft der Freiheit weht, dieser Satz auf Deutsch steht deutlich über dem hohen Nadelbaum, der Palo Alto auch den Namen gibt.

Ist das schön! Die Luft der Freiheit weht geht zurück auf einen Ausspruch des Humanisten Ulrich von Hutten, der im 16. Jahrhundert ein Weggefährte des Erasmus von Rotterdam war. David Starr Jordan, der erste Präsident der Stanford Universität hat ihren Gründer, den Unternehmer und Politiker Leland Stanford, von dem Motto bereits kurz nach Gründung 1891 überzeugt.

Auch wenn die Übersetzung aus dem Lateinischen aus heutiger Sicht vielleicht mit Der Wind der Freiheit weht etwas gefälliger hätte ausfallen dürfen, so bleibt Die Luft der Freiheit weht doch ein betörender Wahlspruch.

Dass eine amerikanische Eliteuniversität ihn nutzt, adelt den deutschen Humanismus. Es zeigt, welchen Einfluß das Geistesleben Deutschlands und Preußens bei der Gründung der amerikanischen Hochschulen gehabt hat. Und es führt uns auch vor Augen, wie weit die Amerikaner uns in puncto Spitzenbildung heute abgehängt haben.

Die Luft der Freiheit weht. Ein deutscher Student würde wohl gelangweilt mit der Schulter zucken, für einen Stanford-Studenten jedoch ist dieses Motto gelebte Wirklichkeit. Dem Motto wohnt eine Verpflichtung inne. Es bedeutet Unabhängigkeit und Toleranz, es bürgt für die Freiheit von Lehre und Forschung, es meint, dass kein Ministerium in Curriculum und Berufungen hineinquatscht und es drückt aus, dass keine finanzielle Gängelung durch öffentliche Hände stattfindet.

Die Lehrveranstaltungen in Palo Alto spiegeln diesen freien Geist wider. In den Hörsälen und auf dem Campus werden Freiheit und Respekt vorgelebt. Eine Autonomie, aus der, wenn sie mit hoher Bildung zusammen kommt, eine ungeheure Kreativität erwächst. William Hewlett und David Packard, beide Stanfordianer, bringen in einer Holzgarage downtown ihre Computer-Firma Hewlett-Packard ins Leben. Die Kommilitonen David Filo und Jerry Yang gründen Yahoo. Larry Page und Sergey Brin entwickeln auf dem Campus die Suchmaschine Google und damit einen Weltkonzern. Andreas von Bechtolsheim begründet die Netzwerkfirma SUN, was vordergründig Sonne heißt, eigentlich aber auf die Abkürzung von Stanford University Network zurückgeht.

Ohne die Stanford Universität wäre das Silicon Valley nicht vorstellbar, sie ist Hirn – und wohl auch Herz – der kalifornischen Computer-Industrie. Die Stanford University zeigt, was alles möglich ist, wenn Freiheit regiert. Kreativität, Innovation, Erfolg. Wenn die Luft der Freiheit weht.

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