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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Denker Seite 3 von 6

Capital ohne Sinn und Seele

Mit schnöseligem „C“. Damit man’s nicht mit dem Oeuvre des bärtigen Karl verwechselt. Die Zeitschrift Capital feiert in diesen Tagen ihren 50. Geburtstag. Den Jüngeren muss man erzählen und den Älteren in Erinnerung rufen, dass diese Zeitschrift aus dem Hause Gruner + Jahr einst an deutschen Kiosken das Glanzstück der Wirtschaftspublizistik war.

In ihren Hochzeiten, so in den 70er und 80er Jahren, verkaufte man schon mal locker 300.000 Exemplare und inhaltlich war das Monatsheft vom Allerfeinsten. Die Rolex unter den Magazinen, wenn man so will. Ein bißchen großspurig vielleicht, aber im Grunde doch ziemlich nobel.

Der Markenkern der Zeitschrift war beim Lesen der exquisiten Stücke wie Parfümduft zwischen all der Druckerschwärze gut zu erriechen. Elitär, immer ein Stück über den Dingen schwebend, mit der nötigen Distanz, die feine Ironie des Überlegenen hier und da spürbar – das war Capital in einem guten Monat. Und davon gab es genug.

Nun feiert sich das Heft selbst, und beim Lesen der Geburtstagsstrecke wird man das Gefühl nicht los, Capital scheine nach einem halben Jahrhundert seinen eigenen

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Peter Drucker: Wissen schafft Erfolg

Im Jahr 1959 prägte ein amerikanischer Autor den Begriff des knowledge workers. Der Wissensarbeiter. Diese Sicht der Dinge war neu.

Peter F. Drucker wies in jenem Jahr in seinen Buch Landmarks of Tomorrow (dt. Das Fundament für morgen) darauf hin, wie stark Wissen, das Know-how, zum zentralen Erfolgsfaktor im industriellen Wettbewerb werden würde. Und nicht mehr die Arbeit auf dem Feld oder an der Maschine.

Analysten, Programmierer, Dozenten, Forscher – sie alle würden das neue Bild der Gesellschaft bestimmen. We know now that the source of wealth is something specifically human: knowledge. If we apply knowledge to tasks we already know how to do, we call it productivity. If we apply knowledge to tasks that are new and different we call it innovation. Only knowledge allows us to achieve these two goals. Die Quelle unseres Wohlstandes und der Motor des Fortschrittes ist Wissen.

Wissen, Kenntnis und Bildung – dies sei der Rohstoff der Neuzeit. Das menschliche Wissen sei die wichtigste Ressource in Wirtschaft und Gesellschaft. Heute ist uns das sehr bewusst, Mitte des letzten Jahrhunderts haben das wenige so klar gesehen.

Das Wissen entscheidet über

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Der ECON Zukunftstag

Anfang der 90er Jahre. Der ECON Verlag besinnt sich auf seine Wurzeln, auf das Themengebiet Wirtschaft und Management. Mit neuen Büchern und Buchreihen.

Dafür hat Verleger Hero Kind mich nach Düsseldorf geholt. Aber wir wollen auch ins Non Book-Geschäft diversifizieren.

Seminare und Kongresse. Diese Ausweitung des Geschäftes erscheint uns als logische Fortsetzung des Verlegens. Warum nicht all die Starautoren des Verlages für einen Tag nach Düsseldorf holen und vor Publikum über ein Thema reden?

Die Idee ist geboren. Hero Kind, ein Mann mit spontanen Einfällen und Geistesblitzen, hat direkt auch die Überschrift parat: der ECON Zukunftstag.

Das Monatsmagazin Capital – in jenen Tagen unter Johannes Gross und Rolf Prudent, das Elitemedium in der Wirtschaft – steigt als Medienpartner ein. Der Kieler Designer Klaus Detjen entwirft ein einprägsames Logo, das in die Höhe gereckte Piktogramm-Männchen, farbenfroh und stark. Empowerment, werden die Amerikaner diese Haltung Jahre später nennen.

Das Philosophie des Zukunftstages ist:

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Tom Peters, der wilde Hund der Unternehmensberatung

Frankfurt/Main, den 2. Oktober 1992; Photo by Hasso v. Bülow

Ein cooler Typ. Wirklich cool. Von den jüngeren amerikanischen Management-Beratern und Wirtschafts-Autoren ist dieser Mann der beste. Und wohl auch der originellste.

Und einer meiner Lieblingsautoren. Diesen Tom Peters mag ich als Vordenker, als Vortragsredner und auch als Mensch. Denn er ist ein bunter Hund, ein richtig bunter und wilder Hund.

Tom wurde mit einem Buch über Nacht berühmt. In Search of Excellence, das erste Management-Buch, das über eine Million Mal verkauft wurde. Zu Deutsch heißt das Werk Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Bei meinem ersten Arbeitgeber erhielt jeder Mitarbeiter ein Exemplar dieses Werkes, Mitte der 80er Jahre das Nonplusultra.

Thomas J. Peters, wie er sich damals noch nannte, hatte das Werk mit seinem McKinsey-Kollegen Robert Waterman 1982 geschrieben. Das Thema des Buches: Was haben erfolgreiche Unternehmen eigentlich gemeinsam?

Peters & Waterman haben sich damalige Top-Firmen unter dieser Fragestellung angeschaut. Und die Antwort auf diese interessante Frage lautet: Kundennähe, Action statt Palaver, Freiräume für Mitarbeiter, Flexibilität im Denken, unternehmerischer Geist und das Vorleben von Werten.

All das überrascht nicht, man hat

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Wolfgang Mewes: Der Meister des Engpasses

Im Juli 1989 besuchten Hero Kind und ich Wolfgang Mewes in Frankfurt am Main. Mewes, ein Betriebswirt und Herr im besten Alter, war der Erfinder der EKS, der Engpass Konzentrierten Strategie. Die EKS als durchdeklinierte Strategielehre umwallte im Deutschland der 70er und 80er Jahre eine legendäre Fama.

Wolfgang Mewes, der seine Theorie Anfang der 70er Jahre für den Mittelstand entwickelt hatte, wollte sein Werk, das er als modularen Fernkurs vertrieb, in verlegerische Hände geben. Und ECON war für ihn ein Kandidat. Mewes empfing uns in seinem schmucklosen Konferenzraum und blieb mir als angenehmer und vor allem ziemlich aktiver Gesprächspartner in Erinnerung.

Der ECON Verlag und EKS hätten ein apartes Paar abgegeben. Qualitätsanspruch, Vermarktung, Internationalisierung – das hauptsächlich waren die Themen, über die wir sprachen. Hero Kind und ich mochten, dass bei der EKS einer so klar und stringent von Strategie schrieb.

Die EKS besaß auch deshalb seine Stärke, weil

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Die Löhn Methode macht weniger Stress

Ich hebe sie sorgsam auf wie einen Schatz. Obwohl ich sonst auf Papiere wenig gebe und less paper, more pepper predige. Doch meine Urkunde vom Löhn Grundkurs ist mir wichtig. Zumal sie vom Meister himself unterschrieben wurde, Professor Johann Löhn.

Ich habe selten etwas besseres gesehen und erlebt als diese Methode der Selbstorganisation. Zumal dieser Methode nicht das Dogma anhaftet, das andere Methoden wie eine Monstranz vor sich hertragen. Diese Löhn Methode ist eine einfache und doch geniale Verdichtung von Zielen, Projekten und Aktivitäten.

Seit fast einem Vierteljahrhundert organisiere ich mich mit Löhn, und es hat mir ein paar graue Haare erspart und ein paar Lorbeeren mehr beschert. Man muss ein wenig Disziplin aufbringen und trägt ein kleines schwarzes Planbuch mit sich. Da steht dann alles drin, was man nicht im Hirn haben muss.

Und zu Hause stehen zwei, drei Ordner. Unter deren Mithilfe kann ich in weniger als 20 Sekunden herausfinden, mit wem ich, sagen wir mal, am

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Der Fall Europas

Eine Neuerscheinung, die einem den Atem stocken lässt. After the Fall. The End of the European Dream and the Decline of a Continent. Der amerikanische Historiker Walter Laqueur hat dieses Buch vor kurzem geschrieben und es ist die beste Analyse zu unseren Problemen weit und breit.

Laqueur, ehemaliger Professor an der Georgetown University in Washington, überzeugt durch seinen messerscharfen Blick auf den alten Kontinent. Dieses Europa sei zu bequem geworden, habe seine Werte verloren, Schurken wie Gaddafi gewähren lassen, habe sich vom leichten Wohlstand einlullen lassen und sich nicht zukunftsfit gemacht.

Die Wahrheiten, die Laqueur ausspricht, sind unangenehm. Der Historiker liebt eine klare Sprache. Europa sei an sich selbst gescheitert: keine politische Integration, alternde Gesellschaften, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, eine falsche Einwanderungspolitik.

Walter Laqueur, 1921 in Breslau geboren, und als Jugendlicher kurz vor dem Krieg mit Familie vor den Nazis geflohen, zeichnet als Historiker die großen Linien. Die drei Jahrzehnte nach dem Krieg dienten der moralischen Vision von Frieden und sozialer Gerechtigkeit. Nach diesen sozialdemokratischen Jahren ging es abwärts. Werte wurden

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Die sympathische Botschaft des Guy Kawasaki

Palo Ato/California, im Juli 2005

So manchen Vortrag habe ich mir während meines Berufslebens anhören dürfen. Den einen und anderen zudem ertragen müssen. Denn die Inhalte vieler Vorträge blieben belanglos und die Redner selbst langweilig, eintönig, ohne jeden Esprit.

Geht es darum, den besten Vortrag, den ich jemals erleben durfte, zu benennen, kommt mir einer rasch in den Sinn. The Art of the Start, eine Präsentation von Guy Kawasaki an der Stanford University im Sommer 2005.

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Bei Kawasaki sieht man, was einen guten Redner ausmacht. Er redet nicht, er unterhält sich mit seinem Publikum. Dazu kommt inhaltliche Substanz, da erklärt jemand in einfachen Worten eine anspruchsvolle Strategie. Plus viel Leidenschaft. Hier scheint der richtige Mann zu sein, mit dem richtigen Thema, am richtigen Ort.

Guy Kawasaki ist ein lockerer Typ. Jeans, Polo-Shirt, jugendliche Erscheinung, verschmitztes Lächeln. Der US-Amerikaner japanischer Abstammung hat bei Apple 1984 das Marketing für den Macintosh betreut, bevor er Bücher schrieb und eigene Unternehmen gründete.

Heute arbeitet Guy Kawasaki als

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Jacques Attali fliegt schnell und ziemlich tief

FOCUS Nr. 49/2011

Wenn Deutschland und insbesondere Angela Merkel in Sachen Euro-Bonds nicht bald nachgeben, dann wird der Euro Weihnachten nicht überleben. So sprach Jacques Attali, der ehemalige französische Regierungsberater, dem FOCUS Ende November ins Mikrophon. Diese gewagte Prognose ist Wort für Wort nachzulesen in der Ausgabe 49 des Magazins auf der Seite 30.

In den letzten kalten Wochen des vergangenen Jahres hat der düstere Ausblick des Jacques Attali gehörig für Aufsehen gesorgt und bei manch Unkundigem auch Beunruhigung ausgelöst.

Nun, Mitte Januar 2012, die Euro-Bonds gibt es immer noch nicht, die Weihnacht ist längst vorüber und der Euro lebt. Und Monsieur Attali steht da wie ein Narr.

Vielleicht sollte man Jacques Attalis Worte nicht zu schwer wiegen. Er ist allgemein bekannt für seine, sagen wir mal, unorthodoxe Sicht der Dinge. Der Wirtschaftswissenschaftler des Jahrgangs 1943 ist ein typischer Vertreter der französischen Elite: feinste Schulen, gleich mehrere Grandes Écoles, Staatsdienst, Professor, als Krönung dann enger Berater des Präsidenten Francois Mitterrand mit einem Büro im Élysée-Palast. Ein eigenwilliger Kopf, oft ein zahnloser Löwe, der auf den Pariser Soirées Privées impressionieren kann, aber der mit seinem verschwurbelten Denken nicht im und am Geschehen ist.

Attalis stets spürbarer Dünkel bleibt

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John Diebold ist Mister Automation

Photo by Hasso v. Bülow

Düsseldorf, den 22. August 1991

Ingenieure und Manager kannten ihn unter seinem Spitznamen. Mr. Automation wurde er genannt. Denn John Diebold, von ihm ist die Rede, hatte in einem aufsehenerregenden Buch die Automatisierung und Technisierung der Industrie vorhergesagt und analysiert. Das war 1952, also zu einer Zeit als man gerade lernte, mit Messer und Gabel zu essen.

Wie die moderne Technik unser Berufs- und Alltagsleben verändert, das war das Thema des Ostküsten-Amerikaners vom Jahrgang 1926. Wie beispielsweise Transistoren, Laser oder Faseroptik unsere Zeit revolutionieren. Diebold schrieb in seinen Büchern aber nicht nur über neue Technologien, sondern auch über Menschen, über Erfinder und Pioniere, über Ideen, Träume und Enttäuschungen. Er war einer der Pioniere der amerikanischen Computerindustrie, er war ein Vordenker von IT.

John Diebold betrachtet den Produktivitätsgewinn zuerst von Kundenseite. Wie bei

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