SchmiereDie Schmiere. Dieser Name genügt als Programm. Laut Eigenwerbung das schlechteste Theater der Welt – angeblich. Solch Eigenlob scheint natürlich leicht übertrieben.

Jedoch mochte Die Schmiere stets wider den Stachel löcken. Die Schmiere wollte immer dagegen halten, sie kultivierte das Aufsässige, betonte ihr intellektuelles Rebellentum. Der Geist der Macher und Spieler zelebrierte das Anti. Das Anti-Establishment. Das Anti-Konservative. Auch wohl auch das Anti-Theater. Und im Grunde genommen auch das Anti-Kabarett.

In der Frankfurter Schmiere wurde des Abends nicht mit dem Florett gefochten, und auch nicht mit dem Degen. Nein, hier flog in jeder Vorstellung ein wuchtiger Holzhammer durch die heiligen Hallen. In dem ehrwürdigen Karmeliterkloster zwischen Paulskirche und Main ging es im Souterrain höchst unheilig zu. Im Keller des alten Klosters, in einem Gewölbe mit schlechter Luft und Möbel vom Sperrmüll, regierte

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Photo by René Pinedo/W. Stock

Der deutsche Regisseur brüllt seinen Satz hinein in die drückende Hitze Amazoniens. Fitzcarraldo, Werner Herzog Filmproduktion, 1a, die erste, Klappe!

Der Tag bleibt in meinem Gedächtnis, ich bin der einzige europäische Journalist vor Ort, warum auch immer. Der Kalender zeigt den 4. Januar 1981. Es ist Sonntag.

Kurz vor Mittag steht die Sonne hoch, bei der Massenszene am Malecón von Iquitos. Hier, mitten im Dschungel Perus, klebt die Hitze am Körper als sei man in einer asiatischen Waschküche. Heute kommen 1.500 Statisten zum Einsatz.

Verlegen, fast schüchtern leitet Werner Herzog die Dreharbeiten. Der Film handelt vom Irrsinn. Fitzcarraldo, ein Cauchero, will große Oper in ein Amazonaskaff bringen. Eine ziemlich durchgeknallte Idee im Urwald, dem Wahn und der Tollheit nahe. Und irgendwie ist

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Akademie der Künste, Berlin; Photo by C. Stock

Berlin, den 19. Februar 2012

Akademie der Künste, Pariser Platz, Berlin, direkt neben dem Hotel Adlon. Hier läuft seit kurzem für zwei Monate bis 15. April die Ausstellung über den Schauspieler Mario Adorf …böse kann ich auch.

Zahlreiche Fotos, Manuskripte, Notizzettel und Dokumente, die sich im Laufe von Adorfs reicher Karriere angesammelt haben, werden dem Publikum zugänglich gemacht. Mario Adorf hat diesen Nachlass der Berliner Akademie vermacht. Da der Schauspieler ja glücklicherweise noch lebt, sehen wir hier also seinen Vorlass. Kurator Torsten Musial hat eine spannende Ausstellung zusammengetragen.

Neben all den Erinnerungsstücken von Adorf sind da auch zwei Fotos, die nicht aus dem Fundus des 81-jährigen Schaupielers stammen. Ein Foto, das ihn bei den Dreharbeiten zu Fitzcarraldo zusammen mit Mick Jagger zeigt. Auf dem anderen sieht man den Regisseur Werner Herzog bei den Dreharbeiten im Urwald. Beide Fotos aufgenommen 1981 im peruanischen Amazonasdschungel. Meine Fotos. Ich war dabei. Ich habe damals

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New York, im September 1987

Michael’s Pub auf der 55. Strasse, nahe Third Avenue: kleine Teller, laues Bier. Das übliche halt. Nichts jedenfalls, das wert wäre, berichtet zu werden.

Wenn da nicht jeden Montagabend ein Amateurmusiker seine Jazzklarinette in Michael’s Pub spielen würde. Dann steht das Publikum Schlange. 200 Neugierige sind heute Abend gekommen.

Das New Orleans Funeral and Ragtime Orchestra ist eigentlich eine Combo mit Trompete, Klarinette, Posaune, Piano, Tuba und Schlagzeug. Der Name des Klarinettisten ist die Sensation: Woody Allen.

Wie ein Häuflein Elend sitzt Mister Allen da, mit schütterem Haar, ebensolcher Gestik, blutrotem Popeline-Shirt, azurblauem Blazer und mit dieser, ähem, zeitlosen Hornbrille. Von Vorgestern ist auch der Jazz.

Woody Allens Toleranzschwelle reicht bis

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When too perfect, lieber Gott böse.

Nam June Paik (1932 – 2006)

Musiker, Künstler und Meister der Videokunst

Es war die wichtigste Stunde des Tages. Die sonore Stimme ertönte jeden Abend aus dem Radio. Und die Zuhörer lauschten, wie sie sonst keiner Radiostimme lauschten. This is London, so begann der amerikanische CBS-Reporter Edward Murrow seinen täglichen Kriegsbericht für das Publikum an den Radios in den USA. Das war im Winter 1940 und auf die englische Hauptstadt fielen die Bomben der Nazis.

This is London war Murrows opener. Keiner bekam den Anfang so hin wie er. Nach dem ersten Wort this setzte er eine winzige Kunstpause. Und prompt war das Markenzeichen dieser volltönenden Radiostimme geboren. Und zugleich die berühmte Redewendung dieses berühmten Journalisten.

Ed Murrows Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg in Europa endeten immer mit einem Satz, der dann noch populärer wurde: Good night, and good luck. Gute Nacht und viel Glück. Dieser Satz klang dramatisch, jedenfalls an einem Abend, an dem man nicht wusste, ob die Nacht nun wirklich gut und das Glück auch am nächsten Tag noch anhalten würde.

Die beiden Sätze waren Murrows Markenzeichen. George Clooney sollte 2005 als Regisseur und Autor einen Kinofilm über Murrow drehen. Als Titel des Schwarzweiß-Streifens wählte er Good night, and good luck. Mit wunderbarer Filmmusik aus dem Goldkästchen des Jazz.

Wie soll man solch eine einfache Phrase wie Good night, and good luck bloß übersetzen? Gute Nacht und viel Glück, sicherlich. Aber

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Wendell Armbruster jr. – ein Spießer, der alle Klischees über Amerikas Spießer ausfüllt – muss Hals über Kopf vom heimischen Golfplatz nach Ischia: Sein Vater, ein bigotter Multimillionär, ist während seines Kuraufenthaltes auf der Insel bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Die Kur stellt sich jedoch als Techtelmechtel heraus: Der Vater hat über Jahrzehnte mit seinem Kurschatten, einer Britin, Zimmer und Bett geteilt. Er hat sich nicht gesund gepflegt, sondern gesund gestossen, wie Sohnemann bald treffend feststellt.

Auf Ischia lernt Wendell dann die zickige Pamela Piggott kennen, die Tochter der Geliebten seines Vaters, die ihrerseits die tote Mutter, ebenfalls in dem Auto umgekommen, überführen will. Und jetzt nimmt die sympathische Komödie ihren Lauf.

Denn Armbruster jr. wird nicht nur mit dem Sittenverfall konfrontiert, sondern auch mit Italien. Mal sind keine Zinksärge aufzutreiben, dann fehlen Papiere, dann wird am Wochenende nicht gearbeitet und schließlich werden die Leichen entführt.

Trotz dieser irrwitzigen Wendungen, die Witwe und das Begräbnis warten in den USA, erliegt Wendell Armbruster junior dem Charme Italiens und wohl auch dem Pamelas. Und der verheiratete Wendell scheint ganz die erotischen Eskapaden des Vaters fortsetzen zu wollen – mit Pamela.

Jack Lemmon spielt diesen amerikanischen Spießer und der Film ist bis in die kleinen Nebenrollen wunderbar besetzt. Kein Klischee wird ausgelassen, kein Stereotyp ist zu billig.

Bei diesem Hollywood-Film zeigt sich Regisseur Billy Wilder auf dem Höhepunkt der Kreativität. Er karikiert Amerika und er karikiert Italien. Aber nie ohne die alte Welt gegen die neue Welt ausspielen zu wollen, ohne Partei zu ergreifen, so als wolle er seine alte mit seiner neuen Heimat aussöhnen. Eine menschliche Komödie, eine Plädoyer für Verständnis und Toleranz.

Meine Lieblingsszene findet sich gleich zu Anfang des Films, als Lemmon, noch im Golfer-Outfit, auf der Toilette mit seinem dezenten Flugnachbarn die Kleidung tauscht und dabei versehentlich wohl auch die Papiere. Beim italiensichen Zoll wird Armbruster dann für den anderen gehalten. “Doktor, Fleischman, hallo Doktor Fleischman, sagen Sie, dass ich nicht Doktor Fleischman bin.”

Seit jeher besitze ich eine fragwürdige Angewohnheit, von der manch einer jedoch auch sagen könnte, sie sei durchaus sympathisch. Ich bin nämlich gewohnt, mit wenig Bargeld durch den Tag zu ziehen.

Hier kommt die Nonchalance des beachcomber zum Zuge, denn mit leeren Taschen läuft es sich leichter durch die Strassen. Für ärgste Fälle steckt eine Kreditkarte im Jackett. Mein leeres Portemonnaie ist mir einige Male zum Verhängnis geworden, einmal gar in den tiefen Tropen des Amazonas.

Es muss wohl Ende der 70er Jahre gewesen sein, ich bin, wie so oft, im peruanischen Amazonasdschungel, und dort in der Großstadt Iquitos. Es ist ein Sonntag, das Bargeld alle, die Banken geschlossen, aber zum Glück gibt es da ja noch die kleine grüne Kreditkarte von American Express.

An einer Ausfallstrasse der Stadt, in Richtung Flughafen, entdecke ich ein kleines, feines Restaurant. Hübsche Veranda mit kleinen Esstischen, gegen die grelle Sonne überdacht, das blaue American Express-Schildchen klebt an der Eingangstür.

Da ich Kohldampf schiebe, lasse ich ordentlich was kommen. Ein üppiges Fleischgericht, Kartoffeln, Gemüse, Getränke, Nachtisch. Eine einheimische Frau bedient mich zuvorkommend. Den Abend über bleibe ich der einzige Gast.

Als die Rechnung kommt, reiche ich der Bedienung meine grüne Kreditkarte. Sie schaut mich mit großen Augen an. Wir nehmen keine Kreditkarte, sagt sie. Ich deute auf das American Express-Schild, auf dem groß steht We accept American Express Cards.

Nein, sagt sie, keine Kreditkarten. Doch, sage ich, und zeige nochmals auf das Schild.

Sie holt den Besitzer, von dem ich annehme, dass er ihr Ehemann ist. Ein großer korpulenter, europäisch aussehender Mann kommt heraus und auch er sagt, wir nehmen keine Kreditkarte. Ich erwidere auf Spanisch, genau das aber steht an der Restauranttüre. Ist abgelaufen, sagt der Hüne, ein Mann von vielleicht Mitte 50. Ich bestehe auf Kreditkarte, sage ich, ich habe kein Bargeld, anders kann ich nicht zahlen.

Nun gibt ein Wort, das andere. Der Disput, alles in gepflegtem Spanisch, wir lauter und lauter. Es fehlt nicht viel, und die Fäuste wären geflogen. Bis der Besitzer dann schließlich doch die Kreditkarte nimmt und sie widerwillig durch das Abrechnungsgerät der Kartenfirma zieht.

Einige Jahre später sehe ich dann meinen rabiaten Wirt wieder, diesmal auf der Leinwand, 1982 in dem Film Fitzcarraldo von Regisseur Werner Herzog. In Fitzcarraldo spielt der Gastwirt die Rolle des Orinoco Paul, des Kapitäns des Amazonasdampfers Molly Aida, einen Part, der ursprünglich mit Mario Adorf besetzt war. Nun erfahre ich, mein Restaurantbesitzer ist ein Seemann aus Hamburg, mit Namen Paul Hittscher. Paul hat über 20 Jahre alle Meere durchpflügt und sich Mitte der 70er Jahren als Gastronom in Iquitos niedergelassen und hat dort eine Einheimische geheiratet.

Mit einem ollen norddeutschen Seebär bin ich aneinander geraten, mitten im Urwald Perus! Wir hätten uns also auch auf Deutsch streiten können. Übrigens, der Betrag meines Essens bei Paul Hittscher ist von American Express nie bei mir abgebucht worden.

siehe auch: Mario Adorf, der unvollendete Amazonas-Kapitän

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(c) Werner Herzog Film

Eine Szene wie aus einem alten Gemälde, ein wenig Spätromantik und ein bißchen Biedermeier. Farbenfroh, mit Liebe zum Detail, vielleicht etwas kitschig, aber irgendwie auch mythisch.

Ein Notar sitzt vor dem Schreibtisch, davor eine Frau mit breitem Hut und ein Mann mit gebleichtem Wuschelhaar. Links huscht ein Bürobote durchs Bild. In der Ecke steht eine riesige peruanische Flagge.

Der Blick des Mannes, den Kopf auf seine linke Hand gelehnt, wie auch der Blick des Bildbetrachters wandern hinaus durch die beiden hohen Wandtüren über die Balustrade auf den breiten Fluss. Der Amazonas wirkt als perspektivisches Zentrum des Bildes, er ist die Verlängerung, die Schöpfung, das Göttliche. Die kraftvolle Natur steht in einem romantischen Sinne im Mittelpunkt der Szene. Der Mensch wirkt klein, adornisch, fast wie zerbrechliche Püppchen oder kleine Zinnfiguren.

Doch dies ist kein Werk der spätromantischen Malerei, sondern eine Filmszene aus Fitzcarraldo. Klaus Kinski und Claudia Cardinale beim Notar Bill Rose. Die Handlung spielt in der Amazonasmetropole Iquitos kurz nach der Jahrhundertwende, so um 1910. Kautschukboom in Südamerika.

Gedreht wurde diese Szene, wenn ich mich recht erinnere, in der alten Post von Iquitos. Den Raum erkenne ich wieder, denn ich bin Ende der 70er Jahre, wenn ich in Iquitos weilte, oft in das Postamt gegangen, um postlagernde Briefe abzuholen oder Grüsse in die Heimat zu schicken.

Das alte drei- oder viergeschossige Postamt befand sich direkt an der Uferstrasse, dem Malecón, neben dem ehemaligen Hotel Nacional. wo damals Militär untergebracht war. Ein fin-de-siècle-Haus, wie viele in Iquitos, was an die Cauchero-Zeit erinnert. Pompöser, neureicher Jugendstil unter sengender Tropensonne.

In der alten oficina de correos musste man in das erste Stockwerk hoch, über eine alte wuchtige Treppe, antikes Gemäuer, Tropenhölzer, altes Mobiliar. In den 80er Jahren ist das Postamt dann in ein modernes Gebäude in die Avenida Arica, zwei Strassenblocks vom Amazonas entfernt gezogen.

Der Star bei den Dreharbeiten zu Fitzcarraldo in Iquitos hieß nicht Kinski, sondern Claudia Cardinale. Die damals 42-jährige gibt sich als eine unprätentiöse, kollegiale Schauspielerin. Sie braucht keine Sonderbehandlung, macht kein großes Aufhebens um sich und ihren Ruhm. Ein Typ zum Pferdestehlen, würden die Jungs von nebenan sagen.

Wenn sie abends beim Italiener Don Giovanni, dem Stammlokal der Filmleute in der Calle Putumayo, ihre Pasta bestellt, und da in Jeans und T-Shirt sitzt, schlank, mit den leuchtenden schwarzen Haaren, so ganz ohne Allüren, dann ist sie die Claudia aus Rom. An der Seite stets ihr 24-jähriger Sohn Patrick, der seine Mama um fast zwei Köpfe überragt.

Das alte Postgebäude in Iquitos. Ein wunderschönes Gemälde, das in Wirklich eine Filmszene darstellt. An solch eingefrorenen Bildern mag man erahnen, welch ein Meisterwerk dem Regisseur Werner Herzog 1982 da mit Fitzcarraldo gelungen ist.

Normalerweise steht hier kein werblicher Hinweis. Aber bei einem solch betörenden Werk machen wir die Ausnahme. Den Movie Stills gibt es im Kunsthaus Lumas als Fotografieabzug, nummeriert und signiert. Zu einem, wie ich meine, unexotischen Preis.

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Mario Adorf mit Mick Jagger; Photo by René Pinedo

Iquitos, im Januar 1981

Zu unserem Lieblingsrestaurant in Iquitos wird die Casa Cohen am Jirón Próspero. Das ist ein einfaches, aber hübsches Ecklokal im Zentrum, das nach zwei Seiten zur Strasse offen ist. Die Fassade wurde mit glanzvollen blauen Reliefkacheln geschmückt, die sich hier, im peruanischen Amazonasdschungel, ein wenig surreal ausnehmen.

Als wir in dieser Nachmittagsstunde die Casa Cohen betreten, sitzt nur ein stattlicher Herr mittleren Alters mit Dreitagebart vor seinem kühlen Bier. Irgendwie kommt uns der Mann bekannt vor. Ein deutscher Schauspieler?

Sind Sie nicht Mario Adorf, fragen wir ihn auf Deutsch. Ja, lautet freundlich die Antwort, er drehe hier den Film Fitzcarraldo von Regisseur Werner Herzog. Wir setzen uns an seinen Tisch und Adorf plaudert voller Begeisterung über das Filmprojekt. Ein Film mit Mick Jagger, großartig, da freue er sich drauf wie ein Schulbub, meint der Wahl-Römer.

Am nächsten Tag beobachten wir Mario Adorf am Set. Er spielt den Kapitän der Molly Aida, eines Amazonas-Dampfers, mit dem Fitzcarraldo aufbrechen wird zu den Kautschukfelder im Norden. Adorf steht auf der Reling, neben ihm mit blankem Oberkörper und Strohhut Mick Jagger, der den Wilbur spielt. Fotograf René Pinedo schießt einige Fotos. Sie werden Seltenheitswert erlangen, weil der Film, die erste Fitzcarraldo-Fassung, nicht fertig gedreht werden sollte.

Adorf gibt – in blauen Hosenträgern – einen wunderbar brummeligen Amazonas-Kapitän ab. Die Truppe bricht auf, den breiten Amazonas hinab zu fahren. Kapitän Mario Adorf läutet die Schiffsglocke zur Abfährt. Und im Übermut läutet er die Glocke nochmals. Lauter und lauter. Adorf hat sichtlich Spass an seiner Rolle. Schließlich legt das Schiff unter dem musikalischen Getöse einer kreolischen Musikkapelle ab.

Als wir Mario Adorf das nächste Mal treffen, hat sich seine Begeisterung gelegt. Vielleicht hat er unterschätzt, dass Herzog kein Studio-Regisseur ist, sondern jemand, der seinen Filmen, seinen Schauspielern und sich selber einiges abverlangt. Jemand, der bis an die Grenze geht. In Fitzcarraldo fließt nicht nur Schweiß, sondern auch Blut. Es ereignen sich Unfälle, man zählt Verletzte und Verwundete.

Fitzcarraldo, in diesem Film wird ein Schiff über einen Berg gezogen, kann auch als Hymne an die Willenskraft gesehen werden. Der Film wirkt auf melancholische Art kraftstrotzend und körperlich. Mario Adorf und Werner Herzog funken nicht auf gleicher Wellenlänge. Adorf nennt Herzogs Umgang mit seinen Schauspielern respektlos und Herzogs cineastische Waghalsigkeit bezeichnet er als Menschenschinderei.

Und der ganze Film steht unter keinem guten Stern. Die erste Fassung bleibt, weil Hauptdarsteller Jason Robards schwer erkrankt und aussteigt, unvollendet. Adorfs Rolle spielt in der zweiten Fassung dann ein anderer. Diesen Part übernimmt dann Paul Hittscher, der deutsche Besitzer eines kleines Restaurants außerhalb der Stadt. Jener Paul Hittscher, mit dem ich einmal kräftig aneinander gerasselt bin. Aber das ist eine andere Geschichte.

siehe auch: Wie ich einmal mit Fitzcarraldos Kapitän aneinander gerasselt bin

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