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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Italien

Gottfried Heller, kommt der Grexit?

Gottfried Heller, Wolfgang Stock über den Grexit

Gottfried Heller, Wolfgang Stock; München, im Juli 2015

Ein Gespräch über Griechenland mit Börsen-Legende Gottfried Heller im Münchner Literaturhaus, wo wir bei einem wohligen Mittagessen die fünfte Auflage seines Longsellers Der einfache Weg zum Wohlstand ein wenig feiern.

Wolfgang Stock: Wie hoch schätzen Sie die Möglichkeit eines Grexit, des Austritts von Griechenland aus der Euro-Zone?

Gottfried Heller: Ich sehe die Wahrscheinlichkeit eines Grexit bei etwa 60 bis 65 Prozent. Denn das Land ist finanziell ein Fass ohne Boden. Im Grunde genommen ist Griechenland ein failed state, ein gescheiterter Staat, der seine grundlegenden Funktionen nicht erfüllen kann. Man muss das leider feststellen. Es funktioniert wenig in Griechenland: Der Arbeitsmarkt ist zubetoniert, die Steuereintreibung klappt nicht, das Gesundheitswesen liegt am Boden. Bürokratie und Korruption prägen die Verwaltung. Ewig wird Euro-Europa diese Misswirtschaft nicht alimentieren wollen.

Stock: Aber Europa ist noch immer für einen faulen Kompromiss gut. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit eines Grexit eher auf 40 Prozent.

Heller: Aber wenn beispielsweise einem Schuldenschnitt für Griechenland nachgegeben wird, dann kommt alles ins Rutschen. Dann wird in Spanien die radikale Podemos das gleiche fordern und Frau Le Pen wird in Frankreich noch weiter Auftrieb bekommen. Es kann nicht sein, dass in Europa ein Land alle Regeln ignoriert und sich von anderen finanzieren lässt.

Stock: Aber Angela Merkel ist eine risikoscheue Politikerin. Ob sie den Mut für einen solchen Einschnitt wie den Grexit aufbringt?

Heller: Risikoscheu ist Frau Merkel sicherlich. Aber sie ist auch klug. So war es ein genialer Schachzug von ihr, nun

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Bunga Bunga in Roma

clowns2Zwei Clowns hätten die Wahlen vor einer Woche in Italien gewonnen, so polterte Peer Steinbrück von der SPD. Sogleich fängt der Kanzlerkandidat sich dann eine Watschn vom italienischen Präsidenten Napolitano.

Doch wo der Problem-Peer recht hat, da hat er recht. Die zwei Komiker Grillo und Berlusconi haben verdammt viele Stimmen bekommen, ich darf es so sagen, denn ich bin nicht Kanzlerkandidat der SPD. Und auch mein Lieblingsblatt The Economist nimmt sich des Themas an unter dem Manegen-Ruf eines amerikanischen Schlagers Send in the clowns.

Wegen dieses ganzen Zirkus sieht das Londoner Wirtschaftsmagazin gar den Euro und mit ihm gleich ganz Europa am Abgrund. Die Italiener hätte die Wirklichkeit einfach nicht zur Kenntnis  genommen. Und wenn man diesen Weg weiterginge, dann sei die ökonomische Lähmung und der politische Abstieg des Kontinents nah.

In der Tat wirkt das Ergebnis der Wahlen auf den ersten Blick desaströs: Die Kräfte des Zentrums – der Sozialdemokrat Bersani und der Wirtschaftsprofessor Monti – blieben kräftig hinter den Erwartungen zurück. Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass der

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Ernest Hemingway und Baron Franchetti speisen in der Trattoria De Mauri

Photo by W. Stock

Caorle/Italien, im September 2009

Wir suchen in der farbenprächtigen Altstadt nach einem schönen Restaurant für das Abendessen. In der Trattoria De Mauri deute ich auf das runde, bunte Holzschild, das vom Kaminsims baumelt.

Hemingway? Fragend hebe ich meine Stimme. Ja, Hemingway, meint die wohl 60-jährige blondierte Inhaberin, er habe hier oft gegessen, mit seinem Freund, dem Baron Raimondo Franchetti, und mit dem Besitzer des Restaurants, Alessandro de Mauri.

Trattoria De Mauri – Dove Hemingway, Franchetti, de Mauri soggiornarono steht auf dem Schild. Wo Hemingway, Franchetti und de Mauri sich einfanden. Hier werde der Fisch noch zubereitet wie zu Hemingways Zeiten.

Wenn der amerikanische Schriftsteller und der italienische Baron von der Entenjagd in der Lagune nordöstlich von Caorle zurück gekehrt seien, dann hätten sie oft den Tag in de Mauris Fischrestaurant ausklingen lassen. Ernest Hemingway bei De Mauri.

De Mauri heißt das schmale Restaurant, ein unscheinbarer weißer Bau auf der pittoresken Piazza San Pio X in Caorles Altstadt. Was ist aus dem Baron geworden, frage ich

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Bezahlt wird nicht in der DDR

Ost-Berlin, den 18. Juni 1982

Der Ruf dieses Theaters hallt wie Donner. Das Theater am Schiffbauerdamm. Ost-Berlin. Das Berliner Ensemble. Das Haus von Bertolt Brecht. Wir schreiben das Jahr 1982.

Die Wiedervereinigung liegt noch in weiter Ferne. Noch regiert hier die SED, in einem Staat, der sich DDR nennt und sich für das bessere Deutschland hält, obwohl er an den Grenzen die Menschen tot schießt wie Karnickel.

Doch man hält die Fahne der Kultur hoch. Der richtigen Kultur. Ein Hauch der Literaturgeschichte weht durch den klassizistischen Bau, man wähnt sich nahe an der klassischen Moderne, hier wirkte Bert Brecht, der Augsburger, und viele reden sich ein, hier sei er noch immer.

Doch heute Abend wird nicht Brechts episches Theater gegeben, sondern Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Für 2,05 Ost-Markt. Das Theater kommt adrett renoviert daher und strahlt im Glanze, wie sonst eigentlich in diesem Land wenig strahlt und glänzt.

Dario Fo, das ist eine italienischer Theater-Anarchist, kein Mann für zarte Zwischentöne, sondern für’s Grobe. Eigentlich keine

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Nach 63 Jahren kommt Ernest Hemingway zurück zum Rialto Fischmarkt

Venedig, im September 2011; Photo by W. Stock

Venedig, Anfang September 2011

Ein Spaziergang durch Venedig. Kurz vor dem Canal Grande kommen wir zum Mercato di Rialto mit der Pescheria, dem riesigen Fischmarkt.

Der Fischmarkt an der Rialto-Brücke ist der größte in Venedig, manch einer sagt, ein wenig sei er auch das Herz, oder sollte man besser sagen, der Bauch dieser Stadt. Seit dem 9. Jahrhundert wird hier am Rialto, dem rivo alto, am hohen Fluss gehandelt, und von hier aus begann sich die Stadt in der Lagune zu besiedeln.

Am südlichen Eingang der antiken Markthalle komme ich an einem mannshohes Plakat vorbei. Il Veneto di Ernest Hemingway. In 90 Fotografie. Das Venetien von Ernest Hemingway. Eine Ausstellung in 90 Fotographien.

Die Ausstellung im Palazzo Loredan im Campo Santo Stefano legt Zeugnis davon ab, wie sehr Ernest Hemingway dieses Veneto liebte, und wie sehr das Veneto diesen Ernest Hemingway verehrt. Auch heute noch.

Das Foto des Ausstellungsposters zeigt

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Ernest Hemingway besucht San Gaetano und ist glücklich

San Gaetano, im August 2011; Photo by W. Stock

San Gaetano, Ende August 2011

Nach drei Jahrzehnten kommt Ernest Hemingway zurück, zurück in sein geliebtes Italien. Im September 1948 landen Ernest und seine Frau Mary von Kuba kommend in Genua und fahren im Buick nach Cortina. Von dort geht es in Richtung Süden, zuerst nach Fossalta, wo der junge Ernest 30 Jahre zuvor schwer verwundet worden war, er zeigt die Stelle seiner Übersetzerin Fernanda Pivano.

Weiter nach Venedig. Von Torcello, wo sie wohnen, fahren die Hemingways ins Valle San Gaetano, wo der Baron Nanuk Franchetti zur Entenjagd einlädt. Federico Kechler, ein Landbesitzer in Cortina, hat den Kontakt geknüpft zu den Franchettis, einem alten venezianischen Adel.

Der kleine venetianische Weiler San Gaetano, zwei Kilometer östlich von Ottava Presa, mit seinem halben Dutzend Häusern wird von

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Ernest Hemingway schreibt Caorle unsterblich

gefunden in Caorle, im August 2011. Photo by W. Stock

Caorle, Ende August 2011

Irgendwie scheint der Mann noch da zu sein. An der Piazza, im Restaurant, in dem er  gesessen hat, weist ein reifengroßes Schild daraufhin und im Hafen liegt ein Motorboot, das seinen Spuren folgt. Im Fremdenverkehrsbüro hängt ein riesiges Pappposter, das ihn und seinen Freund Nanuk Franchetti bei einem Jagdausflug in der Lagune von Caorle zeigt.

Caorle, 60 Kilometer östlich von Venedig, ein pittoreskes Fleckchen Erde mit vielen bunten Häusern, hält die Erinnerung an diesen Ernest Hemingway lebendig. Ein billiger Werbetrick mit einer Person, die sich nicht mehr wehren kann, weil sie schon seit über 50 Jahren tot ist?

Nein, nein, die Sache liegt hier anders. Hemingway kannte Caorle, und er mag den Ort. Der Amerikaner gerät ins Schwärmen über diese Landschaft am Meer, er ist betört von ihrer Vegetation, von ihrem Duft. Diese Gegend hier bedeutete ihm sehr viel, mehr als er je irgendwem sagen würde und konnte.

Hemingway mag

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Hemingway liebt Venedig

Campanile di San Marco; Photo by W. Stock

Welche Zeit seines Lebens er nie bereut habe, ist Ernest Hemingway einmal gefragt worden. Venedig, antwortete er nach kurzem Zögern. Venedig im Winter, ohne Touristen. Dieser Stadt galt seine große Sehnsucht.

Sie liegt nicht nur am Meer, das er über alles liebt. Mehr noch, wie selbstverständlich ist sie ein Teil dieses Meeres und alles, was in dieser Stadt geschieht, ist ohne das Meer nicht zu denken.

In der Tat ist Venedig am schönsten in den grauen Tagen nach dem Karnevalsrummel, wenn sie im späten Februar leise und still zwischen den Wasserkanälen liegt und die klirrende Kälte so langsam dem Frühling weichen möchte.

Am besten nähert man sich dieser Stadt vom Wasser her. Nicht über die staubige Landstrasse von Mestre und auch nicht von der dunklen Piazza Roma her. Am schönsten erobert man das Herz Venedigs, wenn man mit dem Vaporetto in die Lagune einfährt und im Osten der Piazza San Marco anlegt. Dann kann es passieren, dass man augenblicklich vom geheimnisvollen Charme dieser Stadt eingefangen wird.

Wie kann ein Mensch in New York leben, wenn es Venedig gibt?, schwärmte Ernest Hemingway, Venedig sei doch die schönste Stadt der Welt. Die Stadt besitzt von jeher etwas Magisches, einen Hauch Unergründlichkeit, wohl auch etwas Morbides. All das faszinierte Hemingway, ihn, für den der Gedanke an Tod und Vergänglichkeit ein Anziehungspunkt des Lebens und Schreibens war.

La Serenissima, die Erhabene unter den Städten, nennen die Bewohner diese einst reiche Handelsmetropole. Der Blick dieser Stadt ging hinaus auf’s Meer, in die Ferne, nach Afrika und Amerika, Venezia war Europas Arm in die weite Welt.

Als Hemingway auf Kuba lebte, kam er einige Male nach Europa, oft nach Italien, und zweimal war er in dieser Zeit in Venedig. Die Ambivalenz der Lagunenstadt zog ihn an. Einerseits spürte er hier das Vergängliche, die Endlichkeit, aber andererseits weckte die Stadt in ihm auch die Erinnerung an wilde, unbeschwerte Jahre.

In Venedig fühlte er sich jung. Auch in den späten Jahren, 1948, merklich gealtert, als er in Venedig einer amour fou nachjagte. Stets suchte er in dieser Stadt auch den Jungbrunnen, den Traum nach dem ewigem Leben, das Gesicht der Unsterblichkeit.

Er liebte es, durch die engen Gassen dieser einfachen und irgendwie doch aristokratischen Stadt zu streunern und sein Dreieck waren Harry’s Bar an der Piazza San Marco, das Gritti Palace Hotel und Cortina, die Bar, die in jenen Tagen en vogue war. Dort in der Cortina saß er mit Freunden, ein Glas Amarone oder Veronese-Wein vor sich, und er ließ seiner Phantasie freien Lauf. Wie meist gab er kleinere und größere Aufschneidereien zum Besten und notierte diese dann fleißig in sein Moleskine-Büchlein.

Die Post vom Papst

Staat Vatikanstadt, im Juni 2008; Photo by W. Stock

Der Vatikan. Dies ist der kleinste souveräne Staat der Welt. Wenn man ihn strammen Schrittes durchquert, dann ist man nach drei Minuten durch. Ganze 0,44 Quadratkilometer misst das nationale Territorium. Kleiner ist keiner.

Über diesen Staat Vatikanstadt, so die offizielle Bezeichnung, gibt es einige bemerkenswerte Besonderheiten und Kennzahlen zu berichten. Dieser Staat hat beispielsweise die höchste Alphabetisierungsquote der Welt. Genau 100 Prozent. Es können nämlich alle ihrer circa 900 Bewohner Lesen und Schreiben. Die meisten davon gleich in mehreren Sprachen.

Auch hat dieser Staat eine eigene Bank. Wenn man zum Geldautomaten des Istituto per le Opere di Religione geht, wird man im Display in lateinischer Sprache begrüsst. Das ist einzigartig auf der Welt. Und reich ist dieser Staat, so reich an Immobilien und an Kunstschätzen, dass keiner eine genaue Summe nennen mag.

Eine Mehrwertsteuer ist schier unbekannt in dieser von Rom umschlossenen Enklave. Reklame gibt es auch nicht, jedenfalls keine für Firmen und weltliche Produkte. Ein Friseurgeschäft wird man auch nicht finden.

Aber eine Post, die existiert, und sie funktioniert sehr gut. Und vatikanische Briefmarken kann man auch kaufen. Das Postamt ist immer voller Menschen, fast alles Touristen.

Jetzt wird es kurios. Zwar hat dieser Mini-Staat eine Fussball-Nationalmannschaft, aber keinen Rasenfussballplatz. Deshalb wird das Team von der FIFA nicht anerkannt. Das letzte Ergebnis, ein Freundschaftsspiel, war ein 0 zu 0 gegen Monaco, einen anderen Zwergenstaat.

In diesem Staat erscheint eine eigene Zeitung, der L’Osservatore Romano, der an sieben Tagen in der Woche von Montag bis Sonntag veröffentlicht wird. Und der eine interessante Internetseite betreibt, und das gleich in mehreren Sprachen.

Es gibt allerdings kein Hotel in diesem Staat, dafür aber ein Gefängnis. Es bietet Platz für zwei Gefangene, der Knast wird aber seit Jahrzehnten als Lagerraum genutzt.

Proportional zur Einwohnerschaft verzeichnet dieser eigentlich friedfertige Staat die höchste Kriminalitätsrate der Welt. Doch die Taschendiebe und Kleinkriminelle auf dem Petersplatz kennen einen netten Trick, sich der vatikanischen Justiz zu entziehen. Die Spitzbuben schlendern 50 Meter nach links oder rechts und haben sich damit aus dem Staub gemacht – über die Staatsgrenze hinweg auf italienisches Territorium.

Wo Hemingway knapp dem Tode entging

Photo by W. Stock

Fossalta di Piave, im September 2009

Um Haaresbreite wäre an dieser Stelle, eine knappe Autostunde nördlich von Venedig, Hemingways jungem Leben ein brutales Ende gesetzt worden. Hier an diesem lieblichen Fluss ist Ernest Hemingway nur knapp, und zwar ziemlich knapp, dem Tode entronnen.

Daran erinnert ein Denkmal, das am Ende der Via Ragazzi del ‘99, auf einem Damm steht, der das Städtchen Fossalta von der Piave trennt. Hier wird noch heute, fast hundert Jahre nach dem Vorfall, die Erinnerung an Hemingways schwere Verwundung wach gehalten

Su questo argine, Ernest Hemingway volontario della croce americana veniva ferito la notte dell‘ 8 Luglio 1918. An diesem Deich wurde Ernest Hemingway, Freiwilliger des amerikanischen Roten Kreuzes, in der Nacht des 8. Juli 1918 verwundet.

Der junge Draufgänger Ernest Hemingway hatte sich 1918 freiwillig als Fahrer des Red Cross Ambulance Corps gemeldet, nachdem die USA im April 1917 den Kriegseintritt beschlossen hatten. Nach seiner Ankunft in Europa wurde er als Fahrer bei Verpflegungstouren und im Ambulanzservice an der norditalienischen Front eingesetzt.

Ernest stand kurz vor seinem 19. Geburtstag, eigentlich war er noch ein Junge, aber schon ein Kerl wie ein Baum. Mit 18 sieht man die Welt noch bunt und sicherlich war er noch gehörig grün hinter den Ohren.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1918 ist Hemingway auf Versorgungsfahrt entlang der Piave an einer Stelle, die die Einheimischen Buso de Burato bezeichnen. Per Fahrrad soll er den in den Schützengräben liegenden italienischen Soldaten Lebensmittel, Brot und ein paar Bildchen zur Ermunterung überbringen.

Als Hemingway gegen ein Uhr diesen Damm am Westufer der Piave erreicht, explodiert zwei Meter von ihm entfernt eine Mörsergranate. Die Granate, von österreichischen Truppen am Ostufer abgefeuert, ist mit Eisenkugeln, Stahl und Metallschrott gefüllt. Über 200 Splitter bohren sich in Hemingways rechtes Bein.

Kurz darauf gerät der junge Amerikaner in eine Maschinengewehr-Salve. Die Patronen treffen seinen rechten Fuß und die Kniescheibe. Trotz seiner brennenden Splitter- und Schuss-Verletzungen erreicht Hemingway mit letzter Kraft den rettenden Kommandoposten hinter dem Damm.

Hemingway hat hier an der sanften Piave dem Tod ins Angesicht geblickt. In einem Brief an seine Familie prahlt er mit dem Geschehnis: Leute, das hat vielleicht einen netten Wirbel gegeben, dass ich angeschossen wurde! Es ist fast so gut wie getötet werden und den eigenen Nachruf lesen. Während der sechs Tage, die ich vorn in den Frontgräben verbracht habe, nur 45 Meter von den Österreichern entfernt, stand ich in dem Ruf unverwundbar zu sein. So ein Ruf allein bedeutet nicht viel, aber es zu sein, schon.

Fosslta bildet einen Wendepunkt in seinem Leben. Auch wenn er der Verwundung mit bekannter Wurstigkeit begegnet, schnell gar damit zu Prahlen pflegt, ein solcher Anschlag nimmt einem jugendlichen Leben die Leichtigkeit. Hinter all  dem Trotz und all der Koketterie hat Fossalta irgendetwas in ihm zerstört. Und die schlimmste Verletzung passiert nicht an Bein und Knie, sondern im Kopf. Die Granate hat die behütete Welt des Jugendlichen in Stücke gerissen.

Was als Abenteuer angelegt ist, endet in einer großen Ernüchterung. Der Krieg ist nicht Versteckspiel und Rauferei, das wird ihm jetzt klar, der Krieg ist Rotz und Blut, der Krieg ist Sterben und Tod. Schmerzlich wird dem Jungen die Fragilität und die Endlichkeit des Lebens eingebombt. Der Tod sollte nie mehr aus seinem Leben schwinden.

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