Als Michael Jackson im Jahr 2009 überraschend starb, da suchten seine Fans weltweit nach Möglichkeiten, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. In München fanden sie auf einem Grünstreifen das Denkmal des niederländischen Komponisten Orlando di Lasso am Promenadeplatz, vis à vis vom Hotel Bayerischer Hof, also in ganz edler Umgebung.
Fortan legten die Fans des Musikers ihrem toten Idol Blumen unter die Statue Di Lassos, schrieben kleine Botschaften, pinnten Fotos an das dunkelgraue Denkmal. Die Stadt – liberal wie die Münchner nun sind – duldete die Zweckentfremdung des Denkmals.
Doch nun, oh Schreck, hat sich eine Gegenbewegung gebildet. Nur ein paar Meter von Di Lasso/Michael Jackson entfernt, hat der britische Künstler David Shrigley in diesen Tagen eine Parodie hochgezogen. Fast wie ein Spiegelbild wird an diesem Denkmal nicht dem Musiker gehuldigt, sondern
Wir finden uns wieder in Las Vegas, Nevada. United States of America. Der Kalender zeigt den Januar 1966. At the Sands. Frank Sinatra wurde gerade 50. The golden September of his years.
Ist dies die beste Sinatra-Platte ever? Da gibt es doch wohl keine zwei Meinungen! Sinatra. Live at the Sands. Ganz famos, denn an diesem Abend kommen einige Glücksfälle zusammen.
Frank Sinatra befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Stimmkraft, das Count Basie Orchestra sorgt für einen sehr vollen und dynamischen Sound und ein junger Kerl namens Quincy Jones sorgt für geniale Arrangements.
Auf dem Label Reprise vereinigt diese Platte die ganze Brandbreite des Sinatra-Repertoires. Feinen Vokaljazz, das American Songbook, whiskeyselige Honky-tonk-Lieder, den melancholischen Lebens-Rückblick, ein ulkiger 12 Minuten-Monolog.
Über alles und über nichts werden rund um den Times Square heitere Musicals angeboten. Über Opern-Phantome, über flapsige Kindermädchen, über den Südpazifik oder über Weihnachtsmänner.
Und jetzt hat endlich, endlich der berühmteste Sänger der Stadt, der beste Crooner aller Zeiten, die Stimme des romantischen Jazz seine eigene Show. Frank Sinatra, the boy from Hoboken, singt nun jeden Abend am Broadway.
Nun kommt auch Frank Sinatra an den Broadway. Eine große Show, Tanzeinlagen, eine Liebesstory. Seit März 2010 läuft das Musical Come fly away im Marquis Theatre und für zwei Stunden lebt die Musik von Ol’ Blue Eyes wieder auf.
Eine 19-köpfige Big Band swingt und Frank Sinatra singt seine großen Hits wie Fly me to the moon oder My way. Die Vocals singt er, ja Frank Sinatra, natürlich nicht live, denn er lebt ja schon lange nicht mehr. Die Stimme des Meisters kommt vom
Dieses More ist ein interessanter Song. Ursprünglich war er die Musik zu dem Film Mondo Cane, eine unsägliche Flickschusterei auf RTL 3 Niveau. Der italienische Regisseur und Produzent Gualtieri Jacopetti hat dieses Hundeleben im Jahr 1962 verfilmt, sonst bleibt kein Wort über dieses Machwerk zu verlieren.
Doch da war die Musik, komponiert von Nino Oliviero und Riz Ortalani. Ein ganz nettes Gesäusel, jedenfalls nichts, was einen vom Hocker reißt. Und dann gehen Frank Sinatra und natürlich auch Count Basie und seine Big Band im Juni 1964 in Los Angeles ins Aufnahme-Studio. Auf dem Reprise-Album It might as well be swing swingt er das mediokre Hundeleben bombastisch. Das ganze funktioniert nur, weil die wahnsinnigen Arrangements von Quincy Jones unterlegt sind.
It might as well be swing, eine Verballhornung von It might as well be spring ist die zweite Zusammenarbeit von Frank Sinatra und Count Basie. Es gilt Kennern als bestes Studio-Album Sinatras, weil hier drei, vier Weltklasse-Einspielungen drauf sind.
More than the greatest love the world has known,
This is the love I give to you alone,
More than the simple words I try to say,
I only live to love you more each day.
Basies Big Band schlägt einen tollen Takt, dazu die großmeisterlichen Arrangements eines Quincy Jones, die sich auch nach fast 50 Jahren noch jung und frisch anhören.
Im November 1982 war ich zu Gast bei Teddy Stauffer in Acapulco. In seinem Turmhaus der Villa Vera haben wir uns lange über sein Leben und seine Musik unterhalten.
In dem bei jenem Treffen aufgenommenen Tondokument spricht der nach Mexiko emigrierte Schweizer Musiker über seinen Jazz:
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Ich kann heute spielen für amerikanische Jazzmusiker eine Platte, die wir haben, die müssen Sie hören. Die ist jetzt raus gekommen auf einer “Elite”-Langspielplatte.
Da heißt eine Nummer, die hat mein Pianist Buddy Bertinat, der ist ja gestorben, ein Pianist und Arrangeur, der hat das geschrieben. Das heißt “Möni Stomp”. Möni. (Monika). Möni war seine Geliebte. Da hat er “Möni Stomp” gemacht.
Wenn Sie das heute spielen auf einer guten Anlage, da fällt ein amerikanischer Musiker um, da fallen amerikanische Musiker um. Solch ein Sax-Quartett hat es nie gegeben und gibt es nie mehr wieder! Vier Saxophone. Da war der Höllerhagen und der Eddie Brunner dabei.
Diesem hochgewachsenen und bulligen Musiker bin ich einige Male begegnet. Und auf der Bühne durfte ich ihn des öfteren sehen und hören, in London, in Lima oder in Den Haag. Die Rede ist von dem kubanischen Pianisten Dionisio de Jesús Valdés, den alle Welt Chucho nennt.
Der Mann, ich hänge mich mal weit aus dem Fenster, ist Amerikas bester lebender Jazz-Pianist. Ja, noch vor Dave Brubeck, Keith Jarrett oder auch vor Herbie Hancock.
Diesen Pianisten zeichnet ein überaus kraftvoller und dynamischer Anschlag aus. Gleichwohl hat sein Spiel etwas sehr poetisches und Chucho liebt die emotionale Phrasierung. Da vermag jemand den musikalischen Romantizismus in allen Nuancen auszudrücken. In der langsamen und leisen Rumba, aber auch in up-tempi mit krachendem Spiel, immer begleitet mit vitalen Latino-Rhythmen der linken Hand.
Anfang der 80er Jahre verbringe ich einige Zeit im mexikanischen Acapulco. Die ersten Monate wohne ich im Hotel Sacramento in der Calle Emiliano Carranza. Das ist ein schlichtes, vierstöckiges Hotel nahe des Hauptplatzes Zócalo.
Als ich dann Teddy Stauffer Ende 1982 in seinem Haus hoch über der Buch von Acapulco besuche, erfahre ich von dem Schweizer Musiker und Schauspieler folgende hübsche Geschichte.
Im März 1948, Teddy arbeitete als Direktor des Casablanca Hotels, kam ein Individuum ins Beachcomber, in die Hotelbar, kräftig mit Tequila abgefüllt, und fing an zu pöbeln. Die Schnapsnase war der vierschrötige Alfonso Sutter, genannt El Mocho, ein einfacher Fischer aus Acapulco.
Der stämmige El Mocho randalierte wie von Sinnen, er ließ Flaschen und Gläser zu Bruch gehen und stieß wüste Beleidigungen aus. Teddy versuchte ihn zu beruhigen, ohne Erfolg. Schließlich sprach Hotelmanager Teddy Stauffer ein Hausverbot aus.
Trotz dieses Verbots kam Alfonso Sutter am nächsten Sonntag in die Hotellobby – in Begleitung eines gedungenen Pistolero. In seiner Mannesehre schwer gekränkt, hatte der dicke Sutter ein Kopfgeld auf Teddy ausgesetzt.
Eine großartige Stimme. Gestern und auch heute noch. Tony Bennett. Der letzte Crooner. Der Übriggebliebene.
Die anderen, alle nicht mehr da. Kein Frankieboy, kein Dean Martin, nicht Nat Cole, den alle Welt King nannte. Nur er ist noch da, und er singt. Bis auch er umfällt.
Die Jazzhistorie wird dann richten und die Gazetten werden schreiben: Der Beste nach Sinatra.
I left my heart in San Francisco macht ihn weltberühmt. 17 Grammys. 50 Millionen verkaufte Platten. Eine klare, swingende Stimme, die besonders bei Balladen zum Tragen kommt.
Anthony Dominick Benedetto, der sich auf der Bühne der Musik Tony Bennett nennt. Der
mit Ken Colyer und seinem Bruder Bill Colyer, London, im Sommer 1976
Bei der Nennung des Namens Ken Colyer zucken viele Leute mit der Schulter. Selbst manchem Sachkenner ist dieser englische Jazzmusiker nicht bekannt. Und doch hat Ken Colyer aus Norfolk, ein Trompeter des Jahrgangs 1928, mehr Einfluss auf den europäischen Traditionsjazz als manch anderer.
Eigentlich war der bärtige Kornettist und Trompeter sogar so etwas wie der Ahnvater der europäischen Tradszene. Später bekannte Musiker haben in der Band von Ken Colyer angefangen. Chris Barber, Monty Sunshine, Acker Bilk, Sammy Rimington oder Lonnie Donegan.
Doch Ken Colyer’s Jazzmen, ebenso wie ihrem Bandleader, wurden nicht der Erfolg und die Aufmerksamkeit zuteil wie den Lehrlingen. Und wie es eigentlich auch richtig gewesen wäre. Das lag sicherlich auch an der sperrigen Musik Colyers, der sich sehr rigoros der Tradition verschrieb und Seitenblicke in Pop und Dixieland nie zuließ.
Shearings Spiel trägt eine fragile Balance von Melodie und Rhythmus. Sein Send in the Clowns ist lyrisch und leise. Voll zerbrechlicher Poesie. Da glimmt ein Zauber, eine Magie leuchtet, die beweist, wie