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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Medien (Seite 2 von 4)

Medienbeben in Hamburg und Berlin

Kolumbus zeigt in die neue Welt
Photo by W. Stock

Die Nachricht schlug in der Zeitschriften-Branche ein wie eine Bombe. Auch ich brauchte erst mal einen Schnaps. Ein Medienbeben.

Der Axel Springer Verlag verkauft – mit Ausnahme der BILD– und Welt-Gruppe – so gut wie alle Print-Objekte an die Funke Verlagsgruppe. Dabei wandern Traditionstitel wie  Hörzu, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Funkuhr und einige mehr von Hamburg und Berlin an die Verlagsgruppe aus Essen. Damit verbleibt beim Axel Springer Verlag verdammt wenig Axel.

Dieser Deal wird die Verlagslandschaft in Deutschland verändern. Faktisch, aber vor allem mental. Was steckt hinter diesem Verkauf? Welche Schlüsse lassen sich aus dieser Verschiebung ziehen? In welche Richtung liegt die neue Welt? Hier meine ganz persönliche Einschätzung:

1. Ein Gläubiger wird Atheist.
Der Axel Springer Verlag gehörte zur den Rührigen im Web. Man hat eine Menge im Internet versucht. BILDplus, die Paywall bei der Welt, der iKiosk – das waren alles gute Initiativen. Es flossen wohl Erlöse. Doch wahrscheinlich nicht in einer Größenordnung, die Verlust aus Print zu kompensieren oder den Riesenapparat Verlag in Hamburg oder Berlin perspektivisch zu finanzieren.

2. Die Digitalisierung wird konsequent umgesetzt.
Der Springer Verlag bleibt ein Medienhaus, in Zukunft jedoch ein digitales. Die Ware ist nicht mehr Nachricht und Meinung. Vielmehr setzt Springer auf Dating, E-Commerce und Rubriken-Portale. Tutto digitalo. Die Entscheidung ist strategisch nicht mutig zu nennen, sondern konsequent. Es ist ein Tabula Rasa, das Medienhaus erfindet sich neu.

3. Axels Reste-Rampe.
Der kolportierte Verkaufspreis von 920 Millionen scheint mir niedrig. Alles muss raus: Bild der Frau, TV Digital, die Springer-Prntobjekte in Frankreich wurden ebenfalls verkauft. Die Profitabilität dieser Zeitschriften ist gut bis obergut. Die Funke-Mediengruppe wird durch Fokussierung, Synergien und das Verteilen von Sparbrötchen die Profitabilität der übernommenen Titel kräftig steigern.

4. Rechenschieber statt Verleger.
Die Journalisten-Verbände und Gewerkschaften schlagen Alarm. Sie sehen – zu Recht – Arbeitsplätze, tarifliche Standards und Standorte in Gefahr. Doch der Aufschrei klingt hilflos. Was wäre die Alternative? Bei der gewerkschaftsnahen Frankfurter Rundschau vorgeführt. Der Tod auf Raten. Für die Redakteure ist der Deal ein schlechtes Zeichen, sie sind durch diesen Verkauf auf den Boden der Realität angekommen. Denn sie wandern von einem Verleger mit Tradition und Vision hin zu einem Verlagshaus, das streng nach kommerziellen und betriebswirtschaftlichen Kennziffern ausgerichtet ist.
Die Essener – vormals WAZ-Gruppe – werden den Journalismus für die ex Springer-Blätter neu definieren. Mit dem Rotstift. Und wenn man ehrlich ist, es bleibt auch gar keine andere Wahl.

5. Funke wird zum Big Player.
Insbesondere im Handel. Dabei werden die beiden großen Wettbewerber im Grosso die beiden Verlagsgruppen Funke und Bauer sein. Auch die Produkte am deutschen Kiosk verschieben sich dann in Richtung Masse – es kommt zu einer Italienisierung am Regal. Schnell und billig.

6. Von Axel Springer zur Springer Medien AG.
Axel Springer würde seine Medienimperium nicht mehr wiedererkennen. Von seinen alten Flaggschiffen ist zwar noch BILD und Welt dabei, aber die Hörzu, das Abendblatt und die Morgenpost sind weg. Die Gründer-Tradition geht perdu, aber von Tradition kann ich keine Suppe kaufen. Der Buchklub spielt bei Bertelsmann keine Rolle mehr, Newsweek ist eingestellt, die Welt dreht sich. Und das ist gut so. Das Fernsehprogramm ist nicht mehr schwarz-weiß und am Samstagabend kommt kein Kulenkampff mehr.

7. Der Axel Springer Verlag glaubt nicht mehr an Print.
Dieser Verkauf ist auch das Eingeständnis, dass einer der größten Verlage Europas nicht an die digitale Transformation des Journalismus glaubt. Es glaubt nicht daran, dass man vom alten Journalismus (Print) einen Bogen schlagen kann zum neuen Journalismus (Digital). Ja, vielleicht gibt es sogar keinen digitalen Journalismus. Das heißt, es gibt schon digitalen Journalismus, aber bei Springer sieht man nicht, dass um diesen digitalen Journalismus ein vernünftiges Geschäftsmodell gebaut werden kann.

8. Mit Journalismus ist im Internet kein Geld zu verdienen. Das ist die radikalste Botschaft, die von dem Springer-Deal ausgeht. Im Internet kann man viel Geld verdienen. Mit Partnerschaftsbörsen, mit Urlaubsreisen, mit Hundefutter – aber nicht mit Journalismus. Das hat keiner auf der Welt vorgemacht, und Springer traut es sich auch nicht zu. Das ist, in Wirklichkeit, die schlimme Nachricht in diesem Medienbeben.

Von Kannibalen und Verdrängern

OlympHades

Photo by W. Stock

Die Printmedien – Bücher, Zeitungen und Zeitschriften – stehen unter massivem Druck. Viele Verlage schreiben rote Zahlen, spüren den Medienumbruch an sinkenden Erlösen oder machen den Laden gleich ganz zu.

Das Zeit- und Geldbudget für Print-Medien schrumpft, das für Pay-TV und Smartphones wächst. Herausgefordert werden die traditionellen Verlage durch die Digitalisierung. Durch Google, durch Facebook, durch Flipboard. Fluch oder Segen? Feind oder Freund?

Viele Altvorderen sehen in erster Linie die Kannibalisierung und den Verdrängungswettbewerb. Himmel gegen Hölle. Print schrumpft, weil digital ähnliche Angebote kostenlos anbieten. Deshalb möge Digital den Print-Verlagen gefälligst Lizenzgebühren zahlen.

Das ist zu kurz gedacht. Die Überschneidung zwischen dem Print- und dem Online-Konsument der gleichen Marke ist eher gering. Er bewegt sich zwischen 10 und 20 Prozent. Die neuen Medienkanäle sehe ich eher als Markterweiterung. Websites, E-Paper, Mobil, Apps – das sind neue Kanäle für ein neues Publikum.

Je mehr Medienkänale bedient werden, desto mehr Leute erreiche ich. DER SPIEGEL verzeichnet heute die höchste Reichweite seiner Geschichte, obwohl Print stark zurückgeht. Aber Medienkonsum ist halt nicht

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Michael Imhoff, Pionier und Menschenfischer

Landshut, den 12. Juli 2013
Photo by W. Stock

Im Rahmen der Landshuter Hochzeit von 1475 lud Michael Imhoff zu einem Festbankett in die Burg Trausnitz ein. Es gibt wohl keinen in Deutschland, der den Zeitschriftenhandel so gut kennt wie dieser Michael Imhoff. Aus kleinsten Anfängen hat er 1979 den Nationalvertrieb MZV aufgebaut, heute zeichnet dieser Mittler zwischen Verlagen und Handel mit 750 Objekten für einen Zeitschriftenumsatz von einer halben Milliarde Euro verantwortlich.

Es ist gut, in diesen Zeiten des Umbruchs einen so erfahrenen Mann in den Reihen der Branche zu wissen. Denn die Zeiten war auch schon einmal einfacher. Konsumflaute, Verdrängungswettbewerb, kurze Produktzyklen und Mediensubstitution lassen den Zeitschriftenkonsum seit Jahren spürbar sinken. Wie in anderen Branchen bricht auch den Zeitschriften die Mitte weg. Billig geht gut, teuer ebenfalls. Massenware zieht, ebenso edle Coffeetable-Magazine, Landlust und all seine gekupferten Freunde.

Trotz aller Herausforderungen kann Deutschland mit seinen Vertriebsstrukturen durchaus zufrieden sein. 120.000 Verkaufsstellen für Presseprodukte – das ist Rekord in Europa. Italien im Vergleich kann nur 40.000 Verkaufsstellen vorweisen. Den Preis für diese Distributions-Vielfalt zahlen die Verleger mit einer höheren Remissionsquote. In Italien beispielsweise wird bei knappem Angebot weniger remittiert als hierzulande.

An dem Abend in im Festsaal der Burg Trausnitz wurde allen bewußt, wo

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The Economist: 1+1=1

EconomistPreismodell

als Werbebeilage gefunden,
im Juni 2013

Ich mag The Economist, bin seit vielen Jahren abonniert und genieße die tiefgründige, genaue und oft freche Beobachtungen des Londoner Wochenmagazins. Es ist dies eines der besten und wohl auch erfolgreichsten Magazine der Welt. Doch ein schüchternes Wort des Widerspruchs muss erlaubt sein.

Ich verstehe das Preismodell des Economist nicht. Man bietet mir an – im Quartalsbezug – die Printausgabe zu 12 Euro. Bestellt man das E-Paper, so sind ebenfalls 12 Euro fällig. So weit, so gut. Auch wenn ich der Meinung bin, die elektronische Version dürfte schon ein wenig preiswerter sein. Denn es wäre anständig, wenn der Verlag einen Teil der gesparten Druck- und Vertriebskosten an den Kunden weitergäbe. Aber, Inhalt ist Inhalt, einen gleichen Preis kann man vertreten.

Nun allerdings kommt etwas, was ich nicht verstehe. Bezieht man

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Wie geht’s den Medien in den USA?

Ein paar Tage an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Wie immer spannend und inspirierend. Wie geht es den Zeitungen und Zeitschriften in den USA? Ist Print tot? Wie wird das Internet genutzt? Nachfolgend einige subjektive Beobachtungen zur Mediennutzung:

1. Smartphone, Smartphone, über alles. Jeder hat eines, und ein jeder schreibt, liest, spielt damit, zu jeder Zeit und überall. Das Smartphone ist die dominante Konstante im Leben des modernen Amerikaners. Die kleinen Wunderdinge werden angehimmelt. Mobile ist das Zauberwort, Apple und Samsung heißen die neuen Götzen.

El TiemoLatino

Washington, Ende Mai 2013;
Photo by W. Stock

2. Latino-Power, auch in den Medien. Jede Großstadt besitzt mittlerweile ein, zwei Tageszeitungen auf Spanisch. Dazu spanischsprachige Fernsehsender, hispanische Radiostationen. An allen Ecken hört man Spanisch. Ohne die Latinos würde die Dienstleistungs-Industrie der USA wohl zusammenbrechen. Auch politisch wächst der Einfluß der Hispanics. Großes Thema: das neue Einwanderungsgesetz und die Legalisierung der illegal Eingewanderten.

3. TV – nach wie vor unerträglich. Die Fernsehsendungen werden immer kürzer getaktet und immer stärker emotional aufgeladen. Die Nachrichten: Bumm, bumm, bumm. Zugunglücke, Tornados, Morde, Gerichtsprozesse, Krankheiten, Schönheitswettbewerbe. Dazwischen Werbe-Stakkato. Das Medium TV grenzt an Körperverletzung.

4. Tageszeitungen. Tot? Nicht ganz, aber

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Free, Free, Free – jetzt auch die Zeitung

freepress

Washington D.C., Ende Mai 2013;
Photo by W. Stock

Ein Abstecher nach Washington D.C. The Capital of the Free World, wie ich so schön lese. Die Hauptstadt der freien Welt. In der Tat, so ist das.

Der mächtigste Mann der Welt sitzt hier in einem Weißen Haus. Der Senat, das Kapitol, das FBI – hier in Washington bewegt sich einiges und hier wird etwas bewegt. Ein gefundenes Fressen für die Nachrichten und die Berichterstattung, will man meinen. Doch weit gefehlt.

Die Presse in der Regierungsstadt der USA gibt ein ziemlich trauriges Bild ab. Dort wo früher an den Straßenecken die Kioske standen, an denen die Washington Post oder die New York Times den Verkäufern aus den Händen gerissen wurden, da stehen heute nur noch die stummen Verkäufer und bieten in ihren Metallboxen Gedrucktes an. Doch – und dies ist ein weiterer Tiefschlag – das allermeiste wird für lau verschleudert. FREE steht riesig auf den Blechkasten und die Zeitungen kann man sich einfach aus der Box nehmen, sie werden verschenkt.

Doch selbst Traditionszeitungen wie die Washington Post oder USA Today werden für

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Stefan von Holtzbrinck liebt den stillen Erfolg

Stefan von Holtzbrinck, Wolfgang Stock;
Photo by Daniel Biskup

Wenn Journalisten die Verlagsgruppe von Holtzbrinck in Stuttgart anrufen und nach der Presseabteilung verlangen, stellt sich ein erstes Aha-Erlebnis ein. Denn in der Zentrale des 2,2 Milliarden Euro-Konzerns gibt es seit jeher weder eine Presse- noch eine PR-Abteilung.

Dies hat nichts damit zu tun, dass man etwas zu verbergen hat oder sein Licht unter den Scheffel stellen will, vielmehr zieht es das Stuttgarter Medienhaus vor, in unaufgeregter Stille seinen Geschäften nachzugehen. Die schlanke Struktur der Holding macht obendrein ein strategisches Führungsprinzip deutlich, das Holtzbrinck mit Erfolg vorlebt: die Dezentralisation. Die Märkte sind lokal, die Geschäfte werden vor Ort gemacht.

Auch der Verleger Stefan von Holtzbrinck ist nicht unbedingt jemand, der

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Was ist Qualitätsjournalismus?

Photo by W. Stock

Es gilt einen neuen Begriff aus der Medienwelt zu vermelden. Qualitätsjournalismus. Meinen ersten Artikel habe ich 1974 veröffentlicht, seitdem hunderte geschrieben. Ich habe mich immer um Qualität bemüht, doch Qualitätsjournalismus?

Ich kann mit dem Begriff herzlich wenig anfangen. Und wenn ich auf die Medienlandschaft schaue, dann komme ich erst recht ins Schwimmen. Ist BILD Qualitätsjournalismus? Mein schöner Garten? Frau mit Herz? Ist das Diabetes Journal Qualitätsjournalismus?

In all den Zeitungen und Zeitschriften arbeiten Kolleginnen und Kollegen, die einen prima Job machen. Das sind Fachleute, gute Schreiber, Journalisten. Aber Qualitätsjournalismus?

Sollten man bei der Berufsbezeichnung auf dem Amt zukünftig Qualitätsjournalist angeben? Sollte sich die Zeitschrift des Deutschen Journalisten Verbandes – journalist – nicht schnellstens umtaufen? Und der ganze Verband obendrein?

Meint man mit Qualitätsjournalismus einen Journalismus von

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Markus Söder: Keine Werbung in ARD und ZDF

Markus SöderIm VZB-Verlegerkreis ein Abendessen im Schwarzen Adler in Nürnberg. Mit Staatsminister Markus Söder, der in Bayern für die Finanzen verantwortlich zeichnet. Und der im Freistaat nicht nur einen schuldenfreien Haushalt vorlegt, sondern obendrein auch Schulden tilgt. Der eloquente Jurist gilt als heißer Anwärter auf den Thron des Bayerischen Ministerpräsidenten, falls Horst Seehofer einmal Rentnergelüste packen.

Was die wenigsten wissen, Söder ist auch ausgebildeter Journalist. Er hat beim Bayerischen Rundfunk volontiert und arbeitete dort dann als Redakteur. Ein Fachmann also, dessen Stimme Gewicht besitzt. Und man hörte Bemerkenswertes vom Staatsminister.

Es gebe doch einen unfairen Wettbewerb zwischen den Öffentlich-Rechtlichen Medienanbieter und den Privaten in Bezug auf das Internetangebot. Während ARD und ZDF ihre Apps und Online-Auftritte via Rundfunkgebühren subventioniert bekommen, müssen mittelständische Verlage die riskanten Investitionen aus eigener Kraft stemmen. Das sei ein unternehmerisches Ungleichgewicht. Es sei einfacher Geld auszugeben, so Söder mit Blick auf die Öffentlich-Rechtlichen, als es zu verdienen.

Ein Ausweg aus dem Ungleichgewicht: ARD und ZDF sollten sich

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Norman Pearlstine weiß, wie erfolgreicher Journalismus tickt

New York, den 21. Oktober 2009

Eine Stunde mit Norman Pearlstine, zusammen mit anderen Verlegerkollegen. Norman Pearlstine gilt als einer der großen amerikanischen Journalisten. Ein Mann von Statur und Einfluss, einer der Einflussreichsten seiner Zunft.

Norman arbeitet als erster Journalist des Hauses Bloomberg, der hübsche Titel Chief Content Officer schmückt ihn. Sein Ressort umfasst alles, was mit Wachstum zu tun hat: TV, Radio, neue Magazine, Online-Produkte. Und er hält Michael Bloomberg den Rücken frei, damit dieser New York vernünftig regieren kann.

Norman Pearlstine kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Das Wall Street Journal Europe aufgebaut. SmartMoney gegründet, er war viele Jahre lang Chefredakteur des größten Nachrichtenmagazins der Welt, der TIME.

Bloomberg selbst ist ein beeindruckendes Verlagshaus von 11.000 Angestellten und 2.200 Redakteuren, das sein Geld mit hochpreisigen Börsen-Terminals verdient. Jeder Broker braucht ein solches, und keines ist so ausgereift, wie das aus diesem Haus. 300.000 Bloomberg-Terminals stehen weltweit und jeder Nutzer muss um die 20.000 Dollar Benutzungsgebühr pro Jahr zahlen. Über 6 Milliarden Erlös werden quasi automatisch in die Kassen gespült, eine Vorfinanzierung der feinen Art. Und ein Geschäft mit traumhaften Renditen.

Umso mehr hat verwundert, dass

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