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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Peru (Seite 1 von 4)

Pedro Pablo Kuczynski, die neue Hoffnung für Peru

Wolfgang Stock und der neue Präsident Perus, Pedro Pablo Kuczynski

Mit dem neuen Präsidenten Perus, Pedro Pablo Kuczynski

Mit dem ganzen Land ist es lange nicht besonders gut gelaufen. Die linke Diktatur der Generäle in den 1970er Jahren hat Peru ein schreckliches Wirtschaftschaos und bittere Armut hinterlassen, das Land ist um Jahrzehnte zurückgeworfen worden.

Danach kamen in den 1980er Jahren die Terroristen. In den Reichenviertel von Perus Hauptstadt, in Miraflores und San Isidro, hingen Hunde mit den Hinterpfoten an Laternenpfähle und im Maul der toten Viecher steckte eine Stange Dynamit. Um Mitternacht erblickte man auf den fernen Hügeln im Osten Limas Feuerkränze aus brennenden Ölfässern. Strahlende Funken, die sich als Hammer und Sichel in die dunkle Nacht hinein brannten. Den Gruß schickte eine maoistische Terrorgruppe, die sich den poetischen Namen Sendero Luminoso zugelegt hatte. Dieser Leuchtende Pfad, dem dann doch die wenigsten freiwillig folgen wollten, versetzte das ganze Land ein Jahrzehnt in Angst und Panik.

Doch in den letzten Jahren hat sich dieses Peru ganz schön gemausert. Ein Präsident, der aus Japan stammende Alberto Fujimori, hat ab 1990 den Terrorismus in die Knie gezwungen und das Land wirtschaftlich auf Wettbewerb getrimmt. Der Chino Fujimori hat den Peruanern unternehmerisches Denken gebracht, sagt ein Freund. Die Wirtschaft wurde dereguliert, Investitionen ins Land geholt und der Export angekurbelt.

Heute boomt das Land wie kein anderes in Südamerika, die Wachstumsraten liegen zwischen 4 und 8 Prozent jährlich, der Mittelstand wächst merklich. Auf den Straßen von Miraflores und an der moderne Skyline am Malecón lässt sich erkennen, dass die Armut abgenommen hat, die Stimmung im Land ist – quer durch alle Schichten – prächtig. Der Tourismus erlebt einen Aufschwung, die Gastronomie Perus gilt mittlerweile als eine der besten weltweit. Die Peruaner, auch das ist nicht zu unterschätzen, zeigen sich wieder stolz auf ihr Land.

Und seit gestern gibt es zudem einen neuen Präsidenten, der Hoffnung weckt. Hauchdünn setzt sich Pedro Pablo Kuczynski gegen Keiko Fujimori, die Tochter des Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, durch. Pedro Pablo Kuczynski, den alle Welt PPK ruft, ist ein liberaler Mann, der sich in der Wirtschaft und mit den Finanzen bestens auskennt. Der Ökonom mit Ausbildung in Oxford und Princeton, darin zeigen sich alle Beobachter einig, hat zudem die fähigsten Fachleuten in seinem Team.

PPK besitzt übrigens deutsche Wurzeln. Sein Vater, der in Berlin geborene Bakteriologe Dr. Max Kuczynski, hat nach seiner Emigration in der Nazi-Zeit viel für das Gesundheitswesen Perus geleistet, beispielsweise bei der Bekämpfung der Lepra, damals als Leiter der Leprakolonie San Pablo im Amazonasdschungel.

Von PPK, einem Mann des Jahrgangs 1938, wird ein wirtschaftsfreundlicher und westlich geprägter Kurs erwartet. Allerdings muss er mit den Fujimoristen, die eine Mehrheit im Parlament innehaben, einen Modus vivendi finden. Doch PPK ist klug und erfahren genug, sein Land Peru auf einem erfolgsversprechenden Kurs zu halten. Jedoch, und auch dies zieht sich durch die Geschichte dieses prächtigen Landes, allzu sicher darf man sich bei Peru nie sein.

 

Lima, vom Erdbeben durchrüttelt

Dies ist ein Auszug aus dem Buch von Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Lima/Peru, 1978

Zwei Stunden nach Mitternacht bebt die Erde. Die Wände wackeln, das Geschirr klappert, mein Bett zittert. Lima liegt genau in der Andreasspalte und in schöner Regelmäßigkeit brodelt es unter der Pazifikplatte, so dass es die Küsteneinwohner jedes mal gehörig durchrüttelt.

Die Regierungen von der Firma ‚Schmier & Raff‘ haben über die Jahrzehnte hinweg dieses mineralienreiche und schöne Land an den Abgrund gewirtschaftet. Die Löhne sind mickrig, die Lebensmittel teuer und die Arbeit ist knapp. In den Geschäften findet sich kein Zucker, wenig Fleisch, keine Milch, kaum Eier. Des öfteren wird morgens das Leitungswasser abgestellt. Auch die Mittelklasse bekommt die Krise zu spüren.

In der Nacht hängen Terroristen tote Hunde mit den Hinterpfoten an Laternenpfähle auf und stecken ihnen ein paar Stangen Dynamit ins Maul. Ihr seid die nächsten, die wir auf Bäume und Pfähle knüpfen und euer Leben ist uns nicht mehr wert als das eines räudigen Köters – mit dieser Botschaft wollen die Terroristen die Bürger aus den wohlhabenden Stadtvierteln in Angst und Schrecken versetzen.

Auch erblickt man um Mitternacht bisweilen auf den fernen Hügeln

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Lima versinkt kalt und matt

Lima, im Dezember 1985; Photo by Norbert Böer

Lima, im Dezember 1985

Lima sei an Hässlichkeit schwer zu überbieten, hat einmal der peruanische Schriftsteller Alfredo Bryce Echenique kund getan. Für dieses Urteil hat er im eigenen Land ziemlich viel Prügel einstecken dürfen. Prügel, die er jedoch mannhaft ertrug, wie ein Caballero, der sich bis in die Hutspitze im Recht wähnt.

Wenn man in Südamerika eine typische Dritte-Welt-Stadt zu benennen hätte, so verkörpert diesen Typus wohl ideal jene blasse Metropole am Pazifik. Dieses Lima mit bettelnden Müttern und klauenden Kindern, mit Vätern, die keine Arbeit finden und saufen gehen, mit Kraterlandschaften, die sich Straßen nennen, diese Stadt mit Wasserhähnen, aus denen häufig eine braune Sauce tröpfelt und mit Menschenschlangen vor katholischen Suppenküchen, die von Jahr zu Jahr länger werden.

Dieses Lima erweist mehr und mehr sich als

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Hemingway kommt einmal nach Cabo Blanco

Colán Cabo Blanco

Colán, im Jahr 1983; Photo by W. Stock

im Norden Perus, Anfang 1983

Einmal in seinem Leben ist Ernest Hemingway in Peru gewesen. Nicht in der Hauptstadt Lima oder in Cuzco, im Andenhochland, sondern an der wilden Pazifikküste des Nordens, dort wo die Sonne und das Salz des Meeres die Haut des Menschen so zersetzen, dass man abends nur mit Schmerzen in den Schlaf findet. Und dort, wo durch den kalten Humboldtstrom die reichsten Fischgewässer weit und breit zu entdecken sind. Das war eine Landschaft ganz nach Hemingways Geschmack.

Dieser Norden Perus, eine trockene Wüstenlandschaft, fügt sich den vielfältigen Launen der Naturgewalt. Die Nacht über hat es in Strömen gegossen. Nach Süden geht es nicht weiter. Hinter Bocapan ist die Brücke unten. Der Weg zurück nach Tumbes ist unpassierbar, bei Corrales liegt die Straße unter metertiefem Wasser. Die Panamericana vor mir sieht aus wie eine zerquetschte Marzipanrolle. Es geht weder vor noch zurück.

Entlang der Pazifikküste hier, zwischen Tumbes und Cabo Blanco, liegen Perus Seebäder. Ein beißender, salziger Wind fegt über die kleinen Dörfer, die von der kraftstrotzenden Sonne gegrillt werden. Vor uns liegt endlich Cabo Blanco, das neben Mancora, Punta Sal und Colán eines der kleinen Seebäder an der Nordküste Perus ist. Hier ist das Klima rau und das Meer unbändig. An Kilometer 1.137 der Panamericana liegt dieses Cabo Blanco, das in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein bekannter Treffpunkt der Hochseefischer war, und nun etwas verfallen und heruntergekommen wirkt, wie das ganze Land.

Der US-Amerikaner A. Glossell hält bis heute den Weltrekord im

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Goldrausch in Madre de Dios

Schneefall in den TropenAuszug aus Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Mit jedem Tag werden es mehr Männer, die von Hoffnung und Verzweiflung getrieben, sich in die Täler und Flussläufe von Madre de Dios aufmachen. Madre de Dios heißt ins Deutsche übersetzt Muttergottes, was für einen Landstrich voller Gold in der Erde eigentlich kein schlechter Name ist.

Und so hegen hier viele den Glauben, in den unwegsamen Goldfeldern ihrem geschundenen Leben eine Wende zum guten geben zu können. Dreißigtausend, vielleicht auch vierzigtausend Goldwäscher durchkämmen die steinigen Flussläufe dieser Einöde zwischen Peru und Brasilien.

Laberinto, ein verregnetes Fleckchen am Flussufer des Rio Inambari, sieht aus wie die baufällige Kulissenstadt eines drittklassigen Western, die man vor vielen Jahren vergessen hat, abzubauen. Das Dorf, 60 Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Puerto Maldonado, ist der letzte Außenposten der Zivilisation, bevor es zu den Goldfeldern geht. Ab Laberinto gilt das Gesetz des Goldes

Nicht mehr als zweihundert Bewohner zählt Laberinto. Goldwäscher, Schmuggler, Händler, Prostituierte, ein paar zwielichtige Bankiers, die alle auf den Hauptgewinn in dieser Lotterie der Natur

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Vom Leben und Sterben einer Stadt und eines Flusses

Iquitos 1987, Photo by N. Böer

An einem Flecken wie diesem hätte man wohl einen klitzekleinen Zipfel des Paradieses abgreifen können. Solch ein Gedanke jedenfalls kam mir in den Sinn, als mich der Zufall, möglicherweise aber auch das Schicksal, zum ersten Mal nach Iquitos verschlug, mitten in das Herz Amazoniens.

Und immer wenn ich diese von der Außenwelt abgeschnittene Stadt besuchte, überfiel mich dort sogleich diese Urgewalt der Natur. Hier wirkt das Menschlein so klein, so schutzlos, so unwichtig, hier spürt es andererseits jedoch auch, was Leben und Lebenslust denn so heißen kann.

Es mag vielleicht diese Mischung aus Demut und Faszination sein, was diese Stadt im Urwald uns beibringen will. Ein Blick aus dem Hotel Maynas, in dem ich meist unterkam, öffnet den Blick auf die flache Stadt und den breiten Amazonas.

Denn Iquitos lässt sich nicht ohne

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Joaquin García Sánchez, mein Lieblings-Pastor

Iquitos, im Dezember 1985; Photo by Norbert Böer

Um meinen Lieblings-Pfarrer zu treffen, muss man verdammt weit reisen. Seine Kirchengemeinde liegt etwas abseits der Metropolen, ehrlich gesagt, sie liegt am Arsch der Welt. Aber, das sei auch gesagt, an einem ziemlich hübschen. In Iquitos, mitten im grünen Amazonas-Dschungel.

Mit Pastoren einen normalen Umgang zu pflegen, gestaltet sich mitunter zäh. Oft erscheinen sie einfach dieser Welt zuweit entrückt und, kein Vorwurf, zu nahe an Gott.

Der Kirchenherr von Iquitos, Pater Joaquin García Sánchez, hingegen ist ein Mann, der mit beiden Beinen und vor allem mit ganzem Herzen im Diesseits lebt. In dieser gewaltigen Urnatur mitten im peruanischen Dschungel braucht es auch keinen Priester, der von Paradies oder Hölle schwadroniert, wo doch das Paradies draußen vor der Tür zu finden ist, und die Hölle nur zwei Straßenecken weiter.

Kein Zweifel, Joaquin García, dieser Hirte im testamentarischen Sinn des Wortes, passt zu dieser Stadt. Zu dieser Stadt fernab des oberflächlichen Rummels und des großkotzigen Konsums. Zu diesem entlegenen Flecken im Urwald, den man nur mit dem Flugzeug oder über den Amazonasfluss erreichen kann.

Jetzt darf man sich diesen Mann nicht als

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Werner Herzog bittet um Ruhe im Regenwald

Photo by René Pinedo/W. Stock

Der deutsche Regisseur brüllt seinen Satz hinein in die drückende Hitze Amazoniens. Fitzcarraldo, Werner Herzog Filmproduktion, 1a, die erste, Klappe!

Der Tag bleibt in meinem Gedächtnis, ich bin der einzige europäische Journalist vor Ort, warum auch immer. Der Kalender zeigt den 4. Januar 1981. Es ist Sonntag.

Kurz vor Mittag steht die Sonne hoch, bei der Massenszene am Malecón von Iquitos. Hier, mitten im Dschungel Perus, klebt die Hitze am Körper als sei man in einer asiatischen Waschküche. Heute kommen 1.500 Statisten zum Einsatz.

Verlegen, fast schüchtern leitet Werner Herzog die Dreharbeiten. Der Film handelt vom Irrsinn. Fitzcarraldo, ein Cauchero, will große Oper in ein Amazonaskaff bringen. Eine ziemlich durchgeknallte Idee im Urwald, dem Wahn und der Tollheit nahe. Und irgendwie ist

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Der Todeskampf der Gockel

Photo by Norbert Böer

Lima/Peru, im Dezember 1985

Pelea de Gallos. Der Kampf der Gockel. Dieser Hahnenkampf ist ein volkstümliches Spektakel in Peru.

Einen ganzen Abend beobachten Hunderte von Zuschauern wie sich mit scharfen Klingen präparierte Federviecher gegenseitig die Hälse abhacken. Auf den Sieger werden Wetten geschlossen, Bierflaschen geleert und gegrölt, so laut es heisere Kehlen eben hergeben.

Der siegreiche Gockel wird in Lima verehrt wie hierzulande ein Torknipser. Für den Erfolg beim Hahnenkampf sind neben der Rasse auch das Training, Glück und vor allem die Präparation der Klinge ausschlaggebend.

Der Sporn des linken Fußes, das natürliche Verteidigungsinstrument der Tiere, wird abgeschnitten, weil beim Kampf die Klinge an dessen Stelle tritt und wie eine Verlängerung der Hinterkralle wirkt. Die aus Spezialstahl in Handarbeit gefertigte acht Zentimeter lange, leicht mondförmig gekrümmte Klinge wird

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Mein Südamerika

Dies ist ein Auszug aus dem Buch von Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Wer sich in den weichen Knäuel frisch gepflückter Baumwolle wälzt, wer die fröhliche Unbekümmertheit der Menschen erlebt und wer das ultramarinblaue Wasser des Pazifiks vor Augen sieht – der kommt so schnell nicht mehr los von diesem Kontinent. Wenn man mit dem Flugzeug das ach so polierte Europa hinter sich lässt, so taucht man urplötzlich ein in eine merkwürdige Welt: in eine ansteckende Ausgelassenheit des Daseins ebenso wie auch in ein durch den Überlebenskampf gezeichnetes nacktes Elend.

Der Reisende erlebt einen Kosmos von beeindruckender Schönheit und beispielloser Bedürftigkeit zugleich. Die Wirklichkeit Lateinamerikas stellt sich ihm so facettenreich dar wie seine Landschaftszonen: das kalte, karge Hochgebirge, die berauschende Schwüle im Regenwald, das erdrückende Gedröhn in den Großstädten oder der laszive Charme pittoresker Fischerdörfer.

Und auch die volkswirtschaftlichen Entwicklungsstufen erlebt dieser Halbkontinent nicht schlüssig und in historischer Abfolge, sondern zeitgleich als eine Art chaotischer Mischzustand. Verarmte Kleinbauern, feiste Industriebarone und entrückte Internet-Yuppies laufen da nebeneinander her wie drei ungleiche Rivalen, die nichts von einander wissen möchten und sich eigentlich auch nichts zu sagen haben.

Darüber hinaus lassen sich

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