STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Spanien (Seite 1 von 3)

Das neue Camp Nou

Barcelona, im Mai 2014 Photo by W. Stock

Barcelona, im Mai 2014
Photo by W. Stock

Das Camp Nou, jenes neue Feld in Barcelona, ist mittlerweile ganz schön in die Jahre gekommen. Das Stadion des FC Barcelona wurde 1957 gebaut und das merkt man ihm auch an. Neues muss her. Nun also, Nou Camp Nou.

Der Rückstand zum in Europa erforderlichen Standard ist beachtlich. New Wembley in London, Etihad Stadium in Manchester oder San Mamés in Bilbao heißen die neue Ikonen de Architektur und der Ballkultur. Im alten grauen Camp Nou hingegen bröselt der Putz, fallen die Schrauben aus den Scharnieren und reißen die Wände. Parkplätze gibt es so gut wie keine, Restaurants weitgehend Fehlanzeige.

Einst war das Camp Nou das beste Stadion Europas, und mit einem Fassungsvermögen von 120.000 Zuschauern auch das größte. Mittlerweile hat man die Kapazität auf 99.400 heruntergefahren, nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen.

Vor allem jedoch fehlt es an

weiterlesen

Lionel Messi lässt die Hose runter

Caganer Lionel Messi Photo by W. Stock

Caganer Lionel Messi
Photo by W. Stock

Einem recht merkwürdigem Weihnachts-Brauch wird in Katalonien gefrönt. In den Weihnachts-Krippen im Norden der iberischen Halbinsel finden sich nicht nur Maria, Josef, das Christuskind und die heiligen drei Könige, sondern auch die sonderbare Figur des Caganer.

Caganer, das Wort kommt aus dem Katalanischen und heißt in klares Deutsch übersetzt nichts anderes als Scheißer. Ein solcher Caganer ist eine traditionelle Krippenfigur, die etwas abseits der heiligen Familie postiert wird, und die sich mit heruntergelassener Hose – darmbezogen – erleichtert.

Nun soll ein solcher Scheißer nicht despektierlich oder gar anti-christlich gemeint sein. Ganz im Gegenteil, er steht als Verneigung vor Gottes reicher Schöpfung.

Denn das Wirken des Caganer symbolisiert den Kreislauf der Natur. Der Caganer verehrt den Boden und die Erde, er würdigt den Acker, der ja gedüngt werden muss, um dem Menschen gute Nahrung zu liefern.

In den traditionellen Krippen wird der Caganer in Figur eines katalanischen Bauern mit seiner Schärpe und seiner langen roten Mütze dargestellt. In den letzten Jahren sind auch mehr und mehr Berühmtheiten aus Politik, Show und Sport als Caganer dargestellt worden.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Die Numero 10 des FC Barcelona, der geniale Sturmfloh Lionel Messi, lässt die blaue Hose runter und kackt fröhlich in die Krippen und auch als Tonfigur in den Andenken-Läden rund um Barcelona.

Während bei uns in Deutschland die Figur eines solchen Scheißers als

weiterlesen

Herzschlag-Finale im Camp Nou

Barcelona, den 17. Mai 2014 Photo by W. Stock

Barcelona, den 17. Mai 2014
Photo by W. Stock

Da hat der Fußball-Gott für ein Herzschlag-Endspiel am letzten Spieltag gesorgt. FC Barcelona gegen Atlético de Madrid. Zweiter gegen Erster. Wer diese Partie vor 97.000 Zuschauern im Camp Nou gewinnt, wird neuer spanischer Meister. Bei einem Unentschieden sind es die Madrilenen. Hochspannung also garantiert und reine Nervensache.

Nun hat ja dieses Atlético de Madrid eine großartige Saison gespielt. Mit einem kampfbetonten Pressing hat der Trainer Diego Simeone aus der grauen Maus einen ziemlich wilden Tiger geformt. Los Rojiblancos, wie sie in Spanien nach ihrer Trikotfarbe genannt werden, zelebrieren ein kompaktes Spiel und besitzen mit Diego Costa, Kapitän Gabriel Fernández Arenas, genannt Gabi, und Kämpferherz Raúl García hochtalentierte Einzelspieler in einer Mannschaft ohne Stars und Diven. El Cholo Simeone, der Super-Motivator, hat den Rot-Weißen eine für Spanien eher untypische Spielweise, weniger auf Ballbesitz und mehr auf schnelle Vorstöße angelegt, eingeimpft.

Der FC Barcelona hingegen, nach den beiden Konzept-Trainer Josep Guardiola und Tito Vilanova, hat nun sein Konzept verloren. Der neue Trainer aus Argentinien, Tata Martino, lässt so Fußball spielen, wie in seiner Heimat Politik gemacht wird. Sich durch den Tag wurschteln und den Leuten schön etwas vormachen. Der FC Barcelona von heute steht dem Umbruch ziemlich hilflos gegenüber (und hier kann der Beobachter am lebenden Objekt nachvollziehen, was passieren wird, wenn Pep Guardiola beim FC Bayern einmal den Krempel hinschmeißt).

Jedenfalls stottert das Barça von 2014 wie ein in die Tage gekommener

weiterlesen

W – wie wonderful

Hotel W Barcelona

Hotel W – Barcelona, im März 2014; Photo by W. Stock

Zu den Olympischen Spielen 1992 kam den Stadtvätern von Barcelona eine geniale Vision: Sie wollten der katalanischen Metropole das Meer zurückgeben, die Stadt sollte sich wieder dem Meer öffnen.

Denn der hässliche Hafen und die staubigen Industriebaracken hatten Barcelona ein wenig Sicht und Seele genommen. Der Ausblick zum Mittelmeer wurde über die Jahre hinweg zugemauert, diese Aussicht nach Süden wurde vermisst, es fehlte der Blick in die neue Welt, den nur Columbus hoch oben von seinem Sockel genießen durfte, am Ende der Ramblas.

Dort, wo früher der ziemlich herunter gekommene Fischerdistrikt Barceloneta zu finden war, freut man sich heute über offene Strände, kleine Restaurant, muntere Studentenkneipen und über eine prächtige avantgardistische Architektur.

Und der König unter den neuen Bauten trägt den Namen W. W wie wundervoll. Der karge Buchstabe ist reines Understatement. Denn jedermanns Blick bleibt an diesem Hotelbau hängen, ein funkelnder Palast aus Glas, umrahmt von blauem Kosmos. Vorne blau und auch oben blau.

Der Stararchitekt Ricard Bofill, auf dessen Konto auch der Terminal 1 des Flughafens in Barcelona geht, hat die kühne Konstruktion entworfen und 2009 an das Wasser gesetzt. Der Bau ähnelt einem Segel, weshalb unter Einheimischen das W auch El Hotel Vela genannt wird. Der Wolkenkratzer misst 99 Meter in Höhe, das Hotel selbst umfasst 26 Stockwerke, bei knapp 500 Zimmern. Auf dem Zimmer darf der Gast dann

weiterlesen

Sean Penn in Barcelona

Sean Penn, The Gunman
Barcelona, 25. Juli 2013
Photo by W. Stock

Da hat man etwas ganz anderes zu tun in Sant Gervasi, schlendert durch die pittoresken Strässchen im Norden Barcelonas und, schwups, gerät man an eine Straßensperre der Polizei.

An der Ecke Avinguda del Tibidabo und Carrer Roman Macaya darf kein Passant mehr weiter. Und auch der Autoverkehr steht still für eine gute halbe Stunde. Was denn hier los sei, frage ich neugierig einen der zahlreichen Ordner. Hier wird ein Kinofilm gedreht, lautet die Antwort.

Spanisch oder international?, hake ich nach. International! Ob wer berühmtes dabei sei, frage ich dann. Jambemm, nuschelt der Ordner. Jambemm? Nun, irgendwann begreife ich es. Der US-Star Sean Penn dreht vor meiner Nase. Gemeinsam mit dem Spanier Javier Bardem. In einer der Jugendstil-Villen, die früher wohl ein Sanatorium oder Hospital war, hier im reichen Norden der katalanischen Metropole.

The Gunman heißt der Streifen, der hier aufgenommen wird. Regie führt

weiterlesen

Der König spricht nur einen Satz

Juan Carlos IAn einem Abend im Februar 1981, so wird berichtet, ließen die Putschisten dem spanischen König eine unmissverständliche Botschaft zukommen. Majestät, so wurde ihm per Telephon gesagt, Sie haben 24 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. An diesem 23. Februar 1981 verkündete der General Jaime Milans del Bosch zusammen mit Spießgesellen wie dem Oberstleutnant Antonio Tejero von der Guardia Civil den Ausnahmezustand und beorderte die Truppen aus den Kasernen.

Doch was antwortete König Juan Carlos I auf das Ultimatum der Putschisten? Er sagte nur einen Satz: Wenn Ihr mich weghaben wollt, dann müsst Ihr mich schon erschießen. Dies war der Satz, der Spaniens wackelige Demokratie gerettet hat.

Anschließend wandte sich der König, jahrelang als Weichei und Zögling von Diktator Franco verschrieen, per Fernsehen in seiner Uniform als Oberbefehlshaber der Streitkräfte an seine Landsleute und

weiterlesen

Manuel Vázquez Montalbán seziert Barcelona

Photo by W. Stock

Manuel Vázquez Montalbán kannte ich schon, als er hierzulande noch ein unbeschriebenes Blatt war. Andreu Claret Serra, der an der Plaça de Sant Jaume schräg gegenüber dem Palau de la Generalitat als Korrespondent von La Calle die katalanische Politik beobachtete, hatte mich ihm vorgestellt.

Das war 1978, und es war eine Zeit, wo es in Spanien hoch herging. Den General von Gottes Gnaden hatte man glücklich unter die Erde gebracht, Champagner floss, la transición, der Übergang zur Freiheit, wurde besungen, bejubelt. Aufbruchstimmung.

Besonders ein Intellektueller legt sich für die knospende Demokratie mächtig ins Zeug. Einen kleinen, dicken schnauzbärtigen Herrn mit Glatze, Manuel Vázquez Montalbán, kann man in Barcelona jeden Tag von Redaktion zu Redaktion eilen sehen.

Bei Triunfo liefert er eine bissige Satire ab, dem Chefredakteur des El Periódico knallt er eine Fussballkolumne auf den Tisch und in Interviú gibt er Avantgardistisches zum besten. Manuel Vázquez Montalbán, der Peter Pan des Journalismus, heißt es. Ein Geist, ein Phantom. Gibt es den Mann überhaupt?

Nun, es

weiterlesen

Im La Florida thront Hemingway über Barcelona

Foto by La Florida/Premsa

Hemingway und die Hotels. Und wieder beginnt das altbekannte Spiel, jenes literarische Namedropping um den bärtigen Nobelpreisträger aus Amerika. In welchem Hotel Barcelonas soll Ernest Hemingway nicht abgestiegen sein?

Das Colón wirbt mit ihm, im Majestic war er auch schon, im La Florida sowieso. Vielleicht sollte ein Haus einmal damit werben: In diesem Hotel hat Hemingway nie übernachtet.

Im La Florida jedenfalls hat Ernest Hemingway gerne gewohnt. Mitte der 50er Jahre, als er in Spanien auf der Suche nach Toreros, nach Corridas und den Picadores war, aber auch um dem sterbenden Pio Baroja einen Besuch abzustatten.

Und ohne Zweifel ist

weiterlesen

Der Fussball-Gott kann nur Barcelona

Photo by FC Barcelona/Departament de Premsa

In der Primera División hat Lionell Messi einen neuen Rekord aufgestellt. 50 Tore in einer Saison. Das gab es noch nie, noch nie in Spanien, noch nie in einer anderen europäischen Liga. 50 Tore in 37 Spielen. Und am letzten Spieltag am Samstag bei Betis Sevilla kann Leo die Latte nochmals höher legen.

Einen Spieler wie Lionel Messi hat es im europäischen Fussball noch nicht gegeben. Diese Ballführung, dieser Spielwitz, seine Soli, die Torgefährlichkeit, diese zielgerichtete Kreativität und Intelligenz, diese technische Leichtigkeit und diese Freude am Spiel. Der FC Barcelona darf sich glücklich schätzen, einen solchen Spieler in seinen zu besitzen. Aber auch Leo Messi darf sich glücklich wähnen, bei solch einen Verein zu spielen.

Denn Messi, der Fusball-Gott, kann nur hier seine Wirkung entfalten, hier in der katalanischen Hafenstadt, hier in diesem Verein. In der argentinischen Nationalmannschaft kriegt er kein Bein auf den Rasen. Und wahrscheinlich würde Messi auch in keinem anderen Verein, sagen wir mal Manchester City, funktionieren.

Die Antwort, warum das so ist, erklärt sich durch drei Umstände. Ein Grund liegt in der Biografie des Leo Messi. Mit 13 Jahren wanderten die Eltern mit Leo nach Spanien aus, der Junge litt unter Wachstums- und Hormonstörungen, in Argentinien konnten die Eltern, einfache Leute, die Medizin nicht zahlen.

In Barcelona übernahm der Verein

weiterlesen

Das Gute gegen das Böse – unentschieden, vorerst

Gestern Nacht das Spiel im spanischen Supercup zwischen dem FC Barcelona und seinen Erzrivalen Real Madrid. El Clásico. Es ging, wie immer zwischen den beiden, kräftig zur Sache. Am Ende stand ein gerechtes Remis, zwei zu zwei. Die Zuschauer in Madrid sahen ein körperbetontes, ruppiges Spiel. Barcelonas Hoffnungen ruhen auf dem Rückspiel am Mittwoch im heimischen Camp Nou.

Nicht nur Fussball-Ästheten weltweit, vor allem ganz Katalonien hat über Barças Tore gejubelt. Més que un club, heißt die Losung beim FC Barcelona, dieser Verein sei mehr als nur ein Klub. Und sicherlich auch mehr als nur Fussball.

Dazu muss man wissen, dass sich

weiterlesen

Seite 1 von 3

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén