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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Wirtschaft (Seite 2 von 8)

Das alte Europa – quo vadis?

WinfriedBöttcher Europa

Winfried Böttcher (Hrsg.), Klassiker des europäischen Denkens

WinfriedBöttcherEruropa Wohin steuert unser Europa? Gerade heute muss diese Frage mit Nachdruck gestellt werden, wo doch der globalisierte Wettbewerb an alten europäischen Erfolgen kratzt und das europäische Haus in eine Beletage und das Souterrain auseinander zu fallen droht.

Aber im Grunde genommen muss der Erkenntnisprozess noch ein, zwei Schritte früher ansetzen. Wo liegen die Wurzeln dieses Europa? Gibt es eigentlich so etwas wie eine Mission Europas? Und: Was hält Europa zusammen? Ein neues Buch nähert sich diesen Fragen aus kulturgeschichtlichem Blickwinkel. In einer Vielzahl von Aufsätzen machen sich Historiker, Philosophen und Sozialwissenschaftler an die Aufgabe, die DNA, den inneren Kern der europäischen Idee zu entschlüsseln.

Winfried Böttcher lässt mit seinen Ko-Autoren die Ideen und Visionen von 100 Denkern aus 14 europäischen Ländern aufleben, Gedanken, die von Pierre Dubois aus dem 13. Jahrhundert über Immanuel Kant bis zu Alcide De Gasperi und Václav Havel reichen. Jeder dieser Vordenker wird in Klassiker des europäischen Denkens kurz biographisch vorgestellt, ebenso wie seine Überlegungen zu Europas Kultur- und Friedensgeschichte.

Und vielleicht ist dieser Blick in die Vergangenheit vonnöten, um den heutigen Anspruch der alten Welt aufzufrischen und den Wertekompass für die Zukunft zu polieren. Und wie lässt sich das Ideal kurz zusammen fassen, das diese Denker für Europa entwerfen? Nun, im Kern handelt es sich um die Werte der europäischen Aufklärung: Freiheit, Toleranz und Friedfertigkeit. Freiheit und Frieden, so lautet der Zweiklang, der seit über 700 Jahren diesen doch so oft geschundenen Kontinent antreiben sollte. Aufklärung und humanistische Ideale sollten den festen Maßstab in Europa bilden, um an die Stelle von Krieg und Gewalt im Idealfall den Diskurs und die Diplomatie treten zu lassen.

Warum hat in Zeiten von Wikipedia und Informationsflut ein solches Mammutwerk wie dieses aus dem Nomos Verlag seine Berechtigung? Nun, weil die

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r>g: Die neue Zauberformel?

Dokument1Weil die Kapitalrendite größer als das Wachstum sei – r>g -, nehme die Vermögenskonzentration und die Ungleichheit in der Gesellschaft von Jahr zu Jahr zu. Diese simple Formel hat den französischen Volkswirt Thomas Piketty zu einem neuen Star der Wirtschaftswissenschaft befördert.

Da kommt aus Paris ein ziemlicher Blödsinn. Denn r>g ist keine Weltformel, kein wissenschaftliches Axiom und auch kein Naturgesetz. Eher Budenzauber. Denn externe Schocks, Wirtschaftskrisen oder Kriege können sie außer Kraft setzen. Außerdem ignoriert eine solch simple Gleichung, dass es in den Industriestaaten eine sehr breite Mittelschicht gibt, die nach dieser Formel über die Jahrzehnte ja eigentlich geschrumpft sein müsste.

Mich stört bei r>g etwas anderes. Und da sind wir bei den mind sets, den Denkmustern. Gleichheit scheint mir kein erstrebenswertes Ziel, Gerechtigkeit schon, jedoch nicht Gleichheit. Denn Ungleichheit erfüllt eine überaus nützliche Rolle. Ungleichheit wirkt segensreich, weil sie Wachstumskräfte stimuliert und Innovationen beschleunigt. Im guten Fall wirkt Ungleichheit als Anstoss zu sozialer Aufwärts-Mobilität.

China wird über r>g nur lachen. In Asien und den Schwellenstaaten zeigen sich

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Der Vampir der Weltwirtschaft?

Foto by Daimler/Presse

Foto by Daimler/Presse

Seit geraumer Zeit steht Deutschland in der Kritik wegen seines hohen Leistungsbilanz-Überschusses. Internationaler Währungsfonds und auch die EG bekritteln, dass Deutschland zu viel exportiere, Nachfrage in den Krisenländern binde, und damit diese „ausblute“, wie der amerikanische Ökonom Paul Krugman das bezeichnet. Ist Deutschland wirklich ein Vampir, der die Weltwirtschaft blutig aussaugt?

In der Tat ist es so, dass Deutschland einen Positivsaldo von rund 200 Milliarden Euro, das sind über 7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, als Überschuss in der Leistungsbilanz ausweist. Dies sind fast ausschließlich Überschüsse aus dem Güterverkehr, das heißt, Deutschland exportiert viel mehr als es importiert.

Besteht doch die Leistungsbilanz aus der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz, unter dem beispielsweise der Tourismus läuft, und der Bilanz der Transferzahlungen, dazu zählt die Entwicklungshilfe. Hier gibt es solche Ungleichgewichte weniger.

Der Vorwurf: Deutschland exportiere zu viel. Komische Diskussion. Denn letztlich entscheidet in einer Marktwirtschaft die globale Nachfrage nach dem Exporterfolg. Warum lässt man den Amerikaner nicht einen Mercedes statt eines Renault zu kaufen?

Letztlich ist das Herummäkeln, das Schwafeln von „makroökonomischen Ungleichgewichten“ eine Kritik an der

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Die unerhörten Steuer-Erhöher

Schafschere

Photo by W. Stock

Diese Bundestagswahl hat gezeigt, dass die Strategie der Opposition – die Forderung nach Steuererhöhungen für die Reichen – nicht wie gewünscht aufgegangen ist. Zwar haben SPD, Grüne und Linkspartei ihr Postulat von den Wohlhabenden, die doch bitte mehr zahlen sollen, lauthals vorgetragen – aber gefruchtet hat dies nicht. Die Steuer-Erhöher sind unerhört geblieben.

Und in der Sondierung zu einer schwarz-roten Koalition – die mit Sicherheit kommen wird – hat die SPD bereits kleinlaut verbal abgerüstet. Nun hört man von den Sozialdemokraten, höhere Steuern seien kein Selbstzweck Aha.

So mancher Zeitgenosse – und insbesondere ökonomisch nicht gebildete Politiker – glaubt, mit der Steuer funktioniere es so ähnlich wie mit der Verdauung: Je mehr man oben reinstopft, desto mehr komme unten auch wieder raus. Je höher ich die Steuersätze schraube, desto mehr Steuer­auf­kommen erhalte ich. Klingt irgendwie logisch, ist volkswirtschaftlich aber ziemlicher Unsinn.

Die Steuer – als eine Art Preis für die Teilnahme am Gemeinwesen Deutschland – unterliegt zu einem Teil auch der Gesetzmäßigkeit der Preisbildung. Und wenn ich die Preise beispielsweise für den Besuch eines Kinofilms laufend erhöhe, dann werden früher oder später keine Besucher mehr in mein Filmtheater kommen. Irgendwann überdreht sich die Steuerschraube.

Ich kenne Menschen, die einen guten Bruttoverdienst von

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Betten-Maut in Hamburg

Matrazen-Maut in HamburgEine Nacht im Grand Elysee Hotel in Hamburg. Ein schönes, ruhiges und zweckmäßiges Hotel, es gibt nicht viel zu meckern.

Doch bei der Bezahlung, dann eine neue Überraschung. Neben dem Übernachtungspreis soll ich nun auch eine Kultur- und Tourismustaxe zahlen. Nur ein paar Euro, aber immerhin.

Diese Taxe ist mir in Deutschland nicht geläufig. Und auch für Hamburg gilt sie erst seit ein paar Wochen. Ich ärgere mich ein wenig.

Doch zunächst bewundere ich die Politik, wie einfallsreich diese im Erfinden neuer Steuern und Abgaben ist. Kulturtaxe. Wer möchte sich schon gegen ein solch hehre Abgabe sträuben?

Ob meine Euros wirklich der Kultur zugute kommen oder nicht doch zur Linderung der kommunalen Haushaltslöcher Hamburgs dienen werden? Ich erinnere mich an den Kaiser Wilhelm Zwo, der hat 1902 zur Finanzierung der deutschen Kriegsflotte die Sektsteuer eingeführt. Nun, den Kaiser gibt es nicht mehr, die Marine ist aufgebaut, aber die Sektsteuer wird noch immer kassiert.

Der freundliche Rezeptionist klärt mich auf, dass jede privat veranlasste Übernachtung dieser neuen Abgabe unterliege. Berufsbedingte Übernachter müssen einen Fragebogen ausfüllen, dann kommt man daran vorbei. Aha, denke ich, nicht nur eine neue Abgabe, sondern gleich auch noch eine ziemliche Bürokratie.

Übrigens, auf die

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Geräuschlos im Nissan Leaf

List/Sylt, im August 2013 Photo by W. Stock

List/Sylt, im August 2013
Photo by W. Stock

Ob ich nicht Lust habe, ein Elektroauto zu testen? Für eine Stunde dürfe ich mit dem Auto kreuz und quer über die Insel fahren. Nun ja, warum nicht? Also dann, Nissan Leaf.

Eigentlich bin ich überzeugter, aber auch entspannter PS-Junkie, viele Pferdestärke, am liebsten SUV, man sollte etwas unter dem Hintern spüren. Und nun das Auto aus der Steckdose, eine ganz andere Welt.

Man steigt ein in dieses Elektroauto und hört und fühlt nichts. Ein Unterschied wie zwischen Schwebebahn und knatternder Tram. Das Automatikgetriebe ist geräuschlos, innen und außen, das Fahrzeug rollt an, leise und fast unmerklich, ein ganz neues Fahrgefühl.

Dies ist dies kein Auto für lange Strecken, nach 200 Kilometern macht der Akku schlapp. Und auch wer kräftig aufdrehen will, ist hier falsch am Platze. Irgendwo bei 150 Kilometern ist in der Spitze Schluss. Jedoch ist dies in ein überaus angenehmes, sehr komfortables Auto für die kurze Strecke oder für die Stadt.

Die Japaner mit Nissan sind sehr weit. Die Ausstattung ist für die Kompaktklasse superb. Fünf Sitze, großer Kofferraum, feines Controllsystem. Die Akkus sind im Fahrzeugboden eingebaut, daher viel Platz. Um die 30.000 Euro muss man, wenn man die richtige Ausstattung möchte, schon hinlegen.

Wenn der aus mehreren Modulen bestehende Lithium-Ionen-Akku leer ist, kommt er an

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Wie man einen Flughafen baut…

Michael Kerkloh, Wolfgang Stock

Von meinen ehemaligen Studien- oder Arbeitskollegen ist Michael Kerkloh derjenige, der es beruflich am weitesten gebracht hat. Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH steht auf seiner Visitenkarte. Oberster Chef des zweitgrößten Airports Deutschlands, in Europa die Nummer 7. Gut 35 Millionen Passagiere pro Jahr. Das nenne ich eine Erfolgsstory.

Dabei war das Erdinger Moos bei den Münchnern zunächst umstritten. Als ich das erste Mal den neuen Flughafen anflog, sah ich, dass erboste Bauern mit ihren Treckern ein riesiges NO in die angrenzenden Getreidefelder eingeschnitten hatten.

Doch die Proteste stellten sich – wie so oft im satten München – als kurzsichtig heraus. Oft bin ich in den 80ern von München-Riem aus geflogen, und mir ist noch gut in Erinnerung, wie dieser kleine und altersschwache Airport unter seiner Last ächzte. Aber die bayerische Staatsregierung hat – gegen lauten Protest – den neuen Flughafen MUC – Franz-Josef Strauß durchgesetzt.

Im Frühjahr 1992 wurde

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Gottfried Heller, zerbricht der Euro?

Gottfried Heller

Gottfried Heller, München, Mitte Juni 2013

Schwertfisch auf mediterranem Gemüse. Es mundet. Der Aktien-Altmeister Gottfried Heller besitzt einen wachen Geist und erfreut mit klarer Analyse.

Als elder statesman der Börse sieht er über den Tellerrand und kann die Ereignisse, über die Tagesaktualität hinweg, einordnen. Die köstliche Nachspeise – Aprikosen-Panna Cotta und Himbeer-Sorbet – wird uns fast vermiest durch unser Gesprächsthema.

Stock: Der Euro macht ja seit Jahren große Sorge.

Heller: Der Euro besitzt von Anfang an einen riesigen Konstruktionsfehler.

Stock: Wohl wahr, er ist eigentlich ein politisches Projekt gewesen – und kein wirtschaftliches.

Heller: Schlimmer noch, alle wirtschaftlichen Daten wurden bewußt ignoriert. Man hat hier gänzlich unterschiedliche Kandidaten in ein Korsett gezwängt. Länder, die nicht zusammen passen. Von der Voraussetzung, von der Mentalität, von der Leistungskraft.

Stock: Es wurde ja kräftig geschummelt…

Heller: Wobei zum Schummeln immer

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Was die Eurokrise wirklich ist…

Tabasco

Photo by W. Stock

Wenn man einen Ausweg aus der Eurokrise aufzeigen will, muss man zuerst genau analysieren, welche Art von Krise wir im Euroraum eigentlich vorfinden. Zunächst haben wir es mit zwei unterschiedlichen Krisenfeldern zu tun:

1. Krise wegen der verschuldeten Haushalte. Seit Jahren und Jahrzehnten halten wir die Binnenkonjunktur mit wachsender Neuverschuldung am Laufen. Mittlerweile hat die Verschuldung der nationalen Haushalte jedoch ein Ausmass angenommen, das der Markt nicht mehr zu akzeptieren bereit ist. Die Kreditgeber hegen zudem Zweifel, abstrakt und konkret, an der Tilgung dieses riesigen Schuldenberges.

2. Krise wegen der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit. Europa, müde und bequem, hat dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Auf den Weltmärkten, als auch in der Binnenwirtschaft. Die Stichworte sind schnell aufgezählt: steigende Lohnstückkosten, geringe Arbeitszeiten bei hohen Löhnen, Überregulierung der Arbeitsmärkte, zu hohe Steuern, viel zu hohe Sozialabgaben, zu expansive und zum Teil unproduktive Sozialausgaben. Die Löhne sind, insbesondere in den südlichen Peripherieländern, der Produktivität enteilt.

Beide Krisenfelder haben miteinander zu tun, sie

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Stefan von Holtzbrinck liebt den stillen Erfolg

Stefan von Holtzbrinck, Wolfgang Stock;
Photo by Daniel Biskup

Wenn Journalisten die Verlagsgruppe von Holtzbrinck in Stuttgart anrufen und nach der Presseabteilung verlangen, stellt sich ein erstes Aha-Erlebnis ein. Denn in der Zentrale des 2,2 Milliarden Euro-Konzerns gibt es seit jeher weder eine Presse- noch eine PR-Abteilung.

Dies hat nichts damit zu tun, dass man etwas zu verbergen hat oder sein Licht unter den Scheffel stellen will, vielmehr zieht es das Stuttgarter Medienhaus vor, in unaufgeregter Stille seinen Geschäften nachzugehen. Die schlanke Struktur der Holding macht obendrein ein strategisches Führungsprinzip deutlich, das Holtzbrinck mit Erfolg vorlebt: die Dezentralisation. Die Märkte sind lokal, die Geschäfte werden vor Ort gemacht.

Auch der Verleger Stefan von Holtzbrinck ist nicht unbedingt jemand, der

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