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Schlagwort: College

Peter Drucker, der unprofessorale Professor

Peter Drucker war der Berater der Berater. Und der Berater der Größten. Weltkonzerne aus den USA, Japan oder Korea haben seinen Rat nachgefragt. Und trotzdem war Peter Drucker keiner dieser geschniegelten, glatten Burschen, die sonst so in der Welt als Unternehmensberater herum laufen.

Trotz aller Erfolge blieb er auf sehr sympathische Art und Weise uneitel und machte nicht viel Aufheben um seine Person. Eigentlich blieb er immer der Peter aus Wien. Nicht nur, weil er so wunderbare Geschichten aus seiner Kindheit in Wien erzählen konnte.

Peter Drucker blieb Zeit seines Lebens unangepasst. Augenscheinlich kultivierte er seinen Hang zum old fashioned. In seinem Tweed-Anzug, in der dunklen Cordhose und dem – sagen wir – zeitlosen Pullover.

Als wir beim ECON Verlag 1989 für den Umschlag seines neues Buches Neue Realitäten ein aktuelles Foto benötigten, baten wir Peter Drucker uns eines zu senden. Wir gingen davon aus, dass er zu irgendeinem Starfotographen nach Los Angeles fahren würde, um uns ein Hochglanzfoto für das Buch zu schicken.

Umso größer war unsere Verwunderung, als wir Tage später das zugeschickte Foto betrachteten. Es zeigte Peter Drucker in seinem rotgrauen Trainingsanzug, lässig an einen Baum seines Gartens gelehnt, nach dem Jogging.

Und Peter Drucker grinste wie ein Lausbub, dem gerade ein guter Streich gelungen war. Aber auch wir waren cool. Art Director Lutz Kober baute das Trainingsanzugs-Foto in den Umschlag ein, zumindest angeschnitten als Portrait, und wir ließen es so drucken. Das Buch wurde ein schöner Erfolg.

Sein Markenzeichen war dieser grummelige Austroakzent, den er im Amerikanischen nie abgelegt hat. Er war – ich glaube, dies wollte er ausdrücken –  er war der Europäer unter den Managementberater, weit entfernt von diesen Dampfplauderern und Wichtigtuern. Peter Drucker war ein belesener Historiker, ein gebildeter Weltphilosoph, aber bisweilen auch ein skurriler Kauz.

Bei seinen Managementtagungen ging es bisweilen höchst unkonventionell zu. Einem kleinen Führungskreis hochrangiger US-Managern, alles Fortune 500-Leute, die einmal zu einem Seminar in seinem Haus in Claremont bei Los Angeles weilten, sagte er nach einem seiner langen berühmt-berüchtigten Monologe von einer Stunde: “So, jetzt haben wir uns alle eine Abkühlung verdient. Ich schlage vor, wir springen kurz in den Pool.” Und er deutet auf den kleinen Swimmingpool in seinem Garten.

„Aber, Professor Drucker, wir haben keine Badehosen dabei“, erhob einer der Manager zaghaft Einspruch. „Well“, sagte Peter Drucker, „wenn ich mich umschaue, so sehe ich hier nur Männer. Da wird es wohl keine Probleme geben.“ Und kurz darauf sah man ein Dutzend hochmögender Chief Executives und Presidents plus den Managementprofessor in den Pool hüpfen – pudelnackig und bar jeder Kleidung.

Und möglicherweise mochte er mit solch Unkonventionellem zugleich auch eine Botschaft streuen. Vielleicht diese: Am Ende des Tages sind wir letztendlich dann doch alle gleich. Der Bettler wie der Millionär.

siehe auch: Peter Drucker, der Große
siehe auch: MbO – der humane Managementerfolg

Peter Drucker, der Große

Peter Drucker

Peter Drucker

Frankfurt am Main, den 7. Juni 1990

Der Management-Professor nimmt mich freundschaftlich am Arm. Nennen Sie mich Peter, meint Peter F. Drucker bei unserem ersten persönlichen Zusammentreffen 1990 ganz amerikanisch. Ich zögere. Peter, nein, das will mir nicht über die Lippen, selbst wenn mein Verstand es will.

Ich kann diesen Mann, der fast fünf Jahrzehnte älter ist als ich, nicht mit dem Vornamen anreden. Peter, das geht einfach nicht. Ich bleibe zeitlebens beim Professor Drucker. Dabei sind es nicht die Jahre, die zwischen uns liegen, das ist es nicht. Es ist einfach die Statur, die Lebensleistung und auch die Ehrfurcht.

Peter Ferdinand Drucker ist der geistige Vater des modernen Managements, der Lehrmeister eines jeden, der gestern und heute in der Wirtschaft Verantwortung trägt. Die Generation, die in den 60er und 70er Jahren an der Universität war, die hat ihn im Studium gelesen. Und auch jene, die nicht studieren konnten, haben seine Bücher verschlungen, weil er sehr klar und verständlich zu schreiben vermochte.

In seinen gut fünfzig Büchern, fast jedes Jahr hat er eines geschrieben und veröffentlicht, brachte der gebürtige Wiener und Exil-Amerikaner einer sich schnell wandelnden Wirtschaft das moderne Management nahe. Drucker hat all das aufgeschrieben, was er in den USA und in Japan beobachtete, er hat dies mit einem profundem historischen Verständnis und einer umfassenden philosophischen Kenntnis zu einer stimmigen Anleitung für die Praxis entwickelt.

Er war mehr Wirtschafts-Historiker denn Management-Guru. Er hat alle wichtigen Themen früh, manchmal als erster, angesprochen. Dezentrales Management, Qualitätsmanagement, technologische Erneuerung, Prozessmanagement, nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften, Personalführung, Non-Profit-Management – alles Peter Drucker.

Dieser Mann war so zeitlos klug, man kann auch sagen, weise. Companies don’t make money, companies make shoes. Besser als Peter Drucker kann man es nicht auf den Punkt bringen, und in diesem Bonmot zeigt sich wie aktuell Drucker heute noch ist. Der Gewinn ist für einen guten Unternehmer nicht das Ziel, sondern eine Folge der Zielerreichung.

Für die Wirtschaft und das Management bleibt Peter Drucker der Größte. Er setzt den Maßstab. Mehr geht nicht. Peter Drucker war der geistreiche Wirtschaftsdenker meiner Generation und jener davor. Eigentlich gibt es für mich nur zwei große Denker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der andere heißt Karl Popper. Auch ein Wiener. Auch ein Exilant.

Von allen Autoren, die ich hatte, verehre ich Peter Drucker am meisten. Noch heute kriege ich eine Gänsehaut vor lauter Hochachtung. Hochachtung vor einem Jahrhundertdenker. Ein großer Denker, der als bescheidener und sympathischer Mensch in Erinnerung bleibt.

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