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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Schlagwort: Lufthansa

Der Papst fliegt Lufthansa

Photo by W. Stock

Düsseldorf, im September 2008

LH 845, die abendliche Spätmaschine von Düsseldorf nach München. Ein Airbus 321 der Lufthansa. Ist dies ein Flugzeug, wie tausend andere auch?

Nein, denn direkt am Eingang fällt ein stolzes Schild mit dem Wappen des Vatikans und daneben mit dem Wappen der Stadt Regensburg ins Auge.

Darunter steht in deutscher Sprache: Papst Benedikt XVI flog am 21. August 2005 nach dem Besuch des XX. Weltjugendtages in Köln und anlässlich seines Pastoralbesuches in Bayern am 14. September 2005 an Bord dieses Flugzeuges “Regensburg” zurück nach Rom.

Ich frage den Steward, der kurioserweiser Ritzinger heißt und in Marktl am Inn wohnt, wo der Papst denn Platz genommen habe. Der Papst saß auf

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Chacarita, Treffpunkt der korrupten Heiligen

Buenos Aires, im Januar 1988; Photo by W. Stock

Buenos Aires, und das passt zu dieser Stadt, kann sich der wohl schönsten Friedhöfe der Welt rühmen. Und die Friedhöfe der argentinischen Hauptstadt sind nicht als versteckte Plätze des Verdrängten oder als penibel gestutzte Gartenanlagen angelegt.

Nein, Chacarita ist ein riesiges Areal mit breiten Wegen, ein weiterer Stadtteil mit Strassen und Gassen, wenn man so will. Hier reiht sich eine wuchtige Gruft an die andere, wie durch eine Fußgängerszone wandert man von einer Grabfigur zur nächsten.

Und so manche Marmorfigur kommt einem so lebensecht vor’s Auge, so als wolle der Tote im nächsten Augenblick seiner Gruft entsteigen und erneut ins Leben treten. Aber auch dies stellt sich, unter prachtvoll blauem Himmel am Meere, als behagliche Illusion der Sinne heraus.

Neben dem Sänger Carlos Gardel liegt auch der verehrte Diktator, der General Juan Domingo Perón auf Chacarita. Dessen hohe dunkle Gruft zieht jedoch bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie die das helle Grab von Carlitos, dem Tangogott. Peróns allseits verehrte Frau Evita, jene Heilige der Hemdlosen, weilt hingegen auf Recoleta.

An dieser Pilgerstätte der Lebenden spürt man eine eigenartige Melodie aus Verbitterung am Diesseits und eine verschämte Träumerei vom Jenseits. Ja, die Toten dieser Stadt scheinen irgendwie noch ein wenig lebendig zu sein und so manch Lebender kokettiert ein bißchen zuviel mit dem Jenseits. Der Takt dieser Stadt scheint einerseits getrieben von dem Wunsch nach dem vollen Leben, andererseits aber auch besessen von der Sehnsucht nach dem Untergang.

Wen wundert es da noch, dass die Stadt mit der höchsten Dichte an Psychoanalytikern, Psychologen und sonstigen Seelenklempnern nicht New York heißt, sondern dass dies merkwürdigerweise jene stets frühlingshafte Metropole am Südzipfel des amerikanischen Kontinents ist. Es ist diese betörende Stadt, die sich regelmäßig auf die Couch legen muss, weil es in ihr wohlmöglich so viele menschliche Götter und so zahlreiche korrupte Heilige gibt.

Vielleicht kommen in dieser Stadt die Friedhöfe eben gerade deshalb so quietschtfidel daher, weil die Menschen jeden Tag nahe dem Absturz balancieren. Vielleicht prägen die Friedhöfe am ehesten die Philosophie dieser Stadt, dieser Stadt Buenos Aires, die keine rechte Vergangenheit besitzt und der man für die Zukunft auch nicht so richtig über den Weg trauen mag.

Und die Bewohner dieser in ihrer Seele zerrissenen Metropole machen gute Miene zum verzweifelten Spiel: Seit Jahrzehnten sind sie geübt, mit dem Ewigen zu kokettieren. Vielleicht nicht die schlechteste Art, dem Schicksal die Stirn zu bieten.

Der Playboy im Flieger

Vor einiger Zeit ein Flug mit Air Berlin. Beim Einstieg wird auch Magazinlektüre angeboten. Neben der Süddeutschen Zeitung und Die Welt liegt eine bunte Fotozeitschrift, die seit fast 60 Jahren auf den hübschen Namen Playboy hört.

Das Magazin mit den Nackedeis liegt neben all den anderen Zeitungen und Zeitschriften auf einer hüfthohen Ablage, wenn man direkt ins Flugzeug einstieg. Und man kann sich rasch ein Exemplar unter den Arm stecken.

Doch Playboy kann vielleicht ein bisschen heikel werden. Denn es sind ja nicht nur Kinder an Bord, vielleicht mag ja auch dem einen oder anderen Erwachsenen beim Anblick einer spärlich bekleideten Dame der Schreck in die Glieder fahren.

Also müssen die nackten Tatsachen versteckt oder zumindest verdeckt werden. Hier ist guter Rat gefragt.

Die Kollegen vom hoch seriösen Burda Verlag, der den deutschen Playboy seit geraumer Zeit herausgibt, hatten da eine pfiffige Idee. Um den nackten Playboy herum wird für die Airline-Ausgabe ein zusätzlicher, neutraler Schutzumschlag gebunden: Mit einem Foto, aus einem Flugzeug aufgenommen, über der Wolkendecke, aus der zwei runde, spitze Berge ragen.

Innen Playboy, außen wolkig. Herrlich zweideutig, Chapeau, eine wunderbare Idee und eine Zeitschriften-Rarität!

Im neuen A380

A380 Lufthansa Airport travelMünchen, im November 2007

Der Jungfernflug des nagelneuen Airbus 380 führt nun nach München. Die Maschine stellt sich am Airport vor, und die meisten Besucher kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Dieser A380 entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Am Wochenende erst hat die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai den Kauf von weiteren 11 Airbus-Flugzeugen A380 bekanntgegeben.

In der Tat läutet der A380, der größte Passagierjet der Welt, eine neue Dimension des Fliegens ein. Zum ersten Mal besitzt ein Flugzeug ein durchgehendes Ober- und Hauptdeck. Beim bisherigen Primus Boeing 747, dem Jumbo Jet, erstreckte sich das Oberdeck nur über den Buckel im vorderen Drittel.

Die Passagierzahl des A380 kann je nach Konfiguration von First, Business und Economy auf über 850 – plus 20 bis 30 Crewmitglieder – anwachsen. Man steigt nicht nur vorne und hinten ein, sondern getrennt auch an Ober- und Hauptdeck. Wenn man den A380 begeht, dann wandert man wie durch eine kleine Stadt.

Eine Bar in Oberdeck, Arbeitsnischen, Verweilinseln mit chaises longues, bequeme Schlafliegen in der Business Class. Unterhaltungsprogramme sind in die Kopfstützen der jeweiligen Vordersitze eingebaut. Die Farben werden in einem angenehmen, ruhigen Pastell gehalten.

Die eigentliche Herausforderung bei dem A380 bestand darin, das Mehr an Volumen durch Einsparung an Gewicht auszugleichen. Solch eine Länge von 72 Metern, eine Spannweite von knapp 80 Metern und eine Höhe von über 24 Meter konnten nur durch die Verarbeitung neuer Materialien erreicht werden.

Auch eine Reduktion der Betriebskosten ist den Airbus-Ingenieuren gelungen: Um 15 Prozent konnten die Kosten pro Passagier und Flugkilometer gesenkt werden. Manchen Grünen mag erstaunen, wie leise dieser Vierstrahler in der Luft liegt.

Hut ab vor dem vielgescholtenen franko-germanischen Staatsunternehmen Airbus, dem es gelungen ist, den Gesetzen der Schwerkraft eine neue Dimension abzutrotzen. Der A380 ist das Meisterstück menschlicher Ingenieurskunst.

Goa – Paradies hinter Büschen

Photo by W. Stock

Goa, im Januar 1982

Auf den ersten Blick scheint Goa wie ein paradiesischer Mix aus portugiesischem Katholizismus, hinduistischer Abgeklärtheit und azurblauem Himmel. So mag sich der liebe Gott, oder der indische Mensch-Elefant-Gott Ganesha, das Paradies vorgestellt haben. Panjim, die Hauptstadt dieses portugiesisch-indischen Doppel, strahlt den fröhlichen Reiz südeuropäischer Tropen inmitten Asiens aus.

Panjim ist eine betriebsame Gegend. Barocke indische Damen flanieren über tropische Boulevards, leicht bekleidete Europäer tummeln sich am Strand und auch die Bettler gehen entspannter als anderswo ihrem Tagewerk nach. Doch die Sonne Westindiens schönt manch bittere Tatsache.

Ich steige im Hotel Neptune, das Doppelzimmer zu 40 Rupien, ab. Der Hotelboy führt mich rasch in die Gepflogenheiten auf Goa ein. Es herrsche spürbarer Wassermangel, und im Neptune fließe das kostbare Naß nur morgens zwischen 6 und 8 Uhr sowie des abends von 7 bis 8. Und auch mit dem Generator ist es nicht weithin. Ich schreibe bei Kerzenlicht. Stromausfall. Kein Wasser. Kein Essen.

India Today, das Nachrichtenmagazin, meint, das abgelaufende Jahr könne man getrost vergessen. Die Politik sei ein Chaos. Rajiv Gandhi als Thronanwärter umstritten, Kerala zwischen der kommunistischen CPI und der Kongresspartei taumelnd, die Konservativen heillos zerstritten und zerfallen in Janata, Lok Dal und Congress S.

Beim Chinesen in der June Road wird ein ganz passables Chop Suey aufgetischt. Bahji, kleine Kartoffeln mit geschärfter Sauce, wird zu meinem neuen Leibgericht in den vegetarischen Kneipen. Dazu trinke ich eine Cola-ähnliche Brause undefinierbaren Ursprungs und Geschmacks. Coca Cola darf seit 1974 in Indien nicht mehr vertrieben werden. Das Gleiche gilt für Autos, Elektrogeräte oder andere westliche Verbrauchsgüter. Ein Relikt der kruden Subsistenzwirtschaft der Gandhi-Partei. Ohne Beschränkungen eingeführt werden dürfen nur Medikamente und Waffen.

Seit die Hippies Goa entdeckt haben, ist die paradiesische Ruhe dahin. Die Hippies haben die Preise kaputt gemacht, sie verbrauchen zu viel Strom und Wasser, verschmutzen die Strände, den Einheimischen wird alles zu viel und zu teuer. Im englischsprachigen Lokalblatt The Navhind Times beschwert sich ein Herr Fernandes mittels Leserbrief über die Hippy menance über die Hippies, die Herrn Fernandes schönen Landstrich mit ihren Drogen, nächtlichen Parties und mit ihren blanken Busen nur so verschandeln würden.

Und an den Wochenenden machen sich Heerscharen indischer Männer von weithin auf den Weg nach Goa, um zu beobachten, was hier Unglaubliches an den Stränden zu sehen ist: halbnackte oder auch ganze Nackedeis, Männlein wie Weiblein, die sich am Strand tummeln und ihre Parties und sonstwas laut zu feiern wissen.

Und wenn man dann die Inder mit großen Augen hinter den Büschen sieht, dann wird einem klar. Dieses schöne Goa zahlt einen hohen Preis, einen verdammt hohen Preis für sein Paradies.

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