Der Begriff Studierende ist lustig. Weil der zukünftigen Elite eigentlich bewusst sein müsste, dass der Gebrauch dieser grammatikalischen Form ein ziemlicher Humbug ist. Er ist kein Deutsch. Kramen wir unser Grammatikwissen aus der Schule hervor. Die Form studierend nennen wir Partizip. Hier ist es ein Partizip Präsens. Früher haben wir auch Mittelwort dazu gesagt, weil diese Bildung eine Zwischenstufe darstellt zwischen Verb und Adjektiv. Halten wir fest: Studierend ist das Partizip zum Verb studieren.

Jedenfalls darf ein Partizip nicht wie ein Substantiv verwendet werden. Denn der Witz ist der, dass ein Partizip eine laufende Tätigkeit festhält. Ein Autofahrer fährt Auto. Wenn er autofahrend ist, sitzt er in seinem Wagen. Ein Autofahrender, der im Zug nach München sitzt, macht keinen Sinn. Ein schlafender Student, das geht. Denn das ist ein Student, der schläft. Aber ein schlafender Studierender? Warum nicht gleich ein studierender Schlafender? Wir müssen aufpassen, dass aus Gender irgendwann nicht Gaga wird.

Sei’s drum. Es ist halt modern und modisch. Aber, so will ich als Altmodischer kurz fragen, wo soll der sprachliche Unsinn mit dem gebrochenen Partizip bloss aufhören? Bei Trommler*innen, der/die zu Trommelnden werden, bei Fussballer*innen, der/die zu Fussballernden werden. Wir sehen, das Partizip hilft uns nicht wirklich aus der Gender-Bredouille. Schon Goethe wusste: Die Studierenden sitzen im Hörsaal, die Studenten in Auerbachs Keller.

Ob die verbissene Diskussion in Deutschland übers Gendern oder den Gender*stern nun Ausdruck von Hochintelligenz oder Hochdekadenz sein mag, darüber mag sich ein jeder sein eigenes Urteil bilden. Jedoch sollten die Diskutanten soviel Wissen mitbringen, um den Unterschied zwischen dem grammatikalischen und dem wirklichen Geschlecht zu kennen.

Denn es gibt im Deutschen eine Vielzahl von männlichen Begriffen, die auf ihre Femininisierung warten: der Gangster, der Spitzbube. Daneben existieren weibliche Begriffe, die auf Maskulinisierung warten, zum Beispiel die Heulsuse oder die Kratzbürste. Oder doch nicht? An dieser Stelle soll der Unterschied zwischen generischem und biologischen Geschlecht erklärt werden.

Ein generisches Maskulinum (etwa der Gast, der Feigling) oder ein generisches Femininum (etwa die Person, die Geisel) und ein generisches Neutrum (etwa das Opfer, das Mitglied), es handelt sich um rein sprachliche Kategorien. Es können sowohl Männer, als auch Frauen gemeint sein. Das generische Geschlecht gilt es, vom biologischen Geschlecht zu trennen, genus und sexus können sich unterscheiden. Das Verwenden dieser Formen ist keine Diskriminierung biologischer Geschlechter. 

Das Sprach-Jakobinertum ist eine seltsame Ideologie, die das Land spaltet, statt es zusammen zu führen. Zudem wird die deutsche Sprachkultur gründlich verschandelt. Was machen wir bloß mit der alten Literatur? Der arme Goethe. Nicht nur er wartet auf die Umschreibung: Der Erlkönig*in oder sein Wandrers*in Nachtlied – es wird lustig.

Ganz gaga wird es auch bei einem Doppel-Gender. Bürgermeister. Ganz korrekt müsste es heißen: Bürger*innenMeister*innen.  Und wehe man ist ein Verbraucherschützer! Ich setz noch eins drauf. Dreifach-Gender: Aus Bürgermeisterkandidat wird Bürger*innenMeister*innenKandidat*innen. 

Sprache soll ja eigentlich einfach und praktisch sein. Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker – da käme ja keiner auf die Idee, nur die Männer zu fragen. Und wenn ich daraus mache: Fragen Sie Ihre Ärztin und Ihren Arzt und Ihre Apothekerin und Ihren Apotheker – dann wird es zu lang für die 20-Sekunden-Werbung vor der Tagesschau.

Machen wir uns also das Leben nicht schwerer, als es eh schon ist. Merke: Über eine Fussgängerbrücke dürfen selbstverständlich auch Fussgängerinnen gehen. Zum Abschluss möchte ich Sie mit einer Aufgabe entlassen. Bitte gendern Sie der Häftling.

Loading