Teddy Stauffer auf der Terrasse seines Apartments im mexikanischen Acapulco, im November 1982; Photo by W. Stock

In Acapulco herrscht ewiger Hochsommer. Frühling und Herbst sind am mexikanischen Pazifik unbekannte Phänomene. Winter ohnehin. Um die 16 Kilometer sichelförmige Bucht ziehen sich riesige Hochhäuser und bombastische Hotelanlagen, wie ein fein reguliertes Gebiss ragen sie vor dem Meer in den blauen Himmel. Das Villa Vera ist oberhalb des Stadtzentrums in den Hang gebaut und gilt mit seinem Racquet Club neben dem Las Brisas als das Luxushotel des tropischen Seebades schlechthin.

Das Villa Vera ist Teddy Stauffers Heimat. Unter seinem Apartment in einem Turm befindet sich der geschwungene Swimmingpool, daneben die Plätze des Tenniscourts. Die Aussicht über die am Fuße des Hügels liegende Bucht von Iacacos als traumhaft zu beschreiben, wäre eine grobe Untertreibung. Teddy ist in Acapulco ein rühriger Zeitgenosse, neben dem Hotel unterhält er Teddy’s Beach Club an der Playa Condesa, eine maurisch verwinkelte Open-air-Bar mit direktem Zugang zu dem feinen, weißen Sandstrand des Pazifiks.

Der ewige Playboy hat ein paar Falten angesetzt. Einen Herzschrittmacher haben sie ihm gerade in Houston in die Brust eingesetzt. Aber seine Erinnerungen bleiben hellwach. Zwei Stunden erzählt er aus einem 73jährigen Leben. Seine einzige Tochter sei im fernen Italien, klagt er mit Tränen in den Augen. Manches hätte er anders machen sollen, aber im Großen und Ganzen sei sein Leben ein phantastisches Abenteuer.

Seit über vier Jahrzehnten lebt er in Acapulco, nachdem er aus Nazi-Deutschland mit einer Ozeandampfer in die Staaten fuhr. Schon als wir damals als junge Burschen in Berlin ankamen, denn es war ja ein Risiko, irgendwie von zu Hause wegzulaufen und einen neuen Beruf zu ergreifen. Aber damals in Bern hatten wir amerikanische Jazzmusik gehört, meist kleine Bands wie die Jumping Jacks. Das hat uns sehr impressioniert und unsere Gruppe versuchte, das zu kopieren.

In Murten am idyllischen Murtensee, zwanzig Autominuten von der Landeshauptstadt Bern entfernt, ist Ernest Henri Stauffer im Jahre 1909 geboren worden. Als Schüler hat er dann eine Jazzband gegründet. Zu ihrem Markenzeichen bestimmen die jugendlichen Musiker einen Teddy, was als Anspielung auf die berühmten Berner Bären gedacht ist. Es sollte prompt Ernests Rufname werden, ein Leben lang. 

In Berlin herrschen die Nazis und bald wird in Deutschland die Mobilmachung befohlen. Die deutschen Musiker der Teddies werden eingezogen, das Orchester zerbricht. Mit einer aus überwiegend Schweizer Musikern zusammengestellten Band mogelt sich Teddy Stauffer noch durch schwere Tage, bevor er sich 1941 entschließt, in die USA zu gehen. Eddie Brunner übernimmt das Orchester, das aber ohne Teddy Stauffer nicht mehr dasselbe ist. Nach wenigen Monaten rutscht die Band in die musikalische Bedeutungslosigkeit. Das Orchester zu verlieren war sehr traurig für mich.

Als seine Aufenthaltsgenehmigung in den USA abläuft, verfällt er auf einen Trick, der damals unter Immigranten in Kalifornien hoch im Kurs steht. Er fährt für ein paar Tage hinüber nach Mexiko, um anschließend im US-amerikanischen Konsulat der Grenzstadt Tijuana eine neue Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Doch die vielen Stempel und Marken mit dem Hakenkreuz in seinem Schweizer Pass gefallen dem Konsularbeamten gar nicht.

Teddy Stauffer wird auf dem Amt von einem Tag auf den nächsten vertröstet. Man prüfe in Washington noch seine Unterlagen, es sei Krieg in Europa, er möge sich in Geduld fassen. Doch nach ein paar Wochen reißt dann bei dem Schweizer endgültig der Geduldsfaden und Teddy Stauffer entschließt sich kurzerhand, ganz in Mexiko zu bleiben. Ein neues Abenteuer wartet auf ihn, in Acapulco.

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