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Was hört man nicht alles in diesen Tagen! Man möge die hehre deutsche Sprache von Anglizismen sauber halten, das Deutsch solle gar im Grundgesetz als Nationalsprache festgeschrieben werden.

Alles nette Initiativen, die etwa so sinnvoll sind, ins BGB zu schreiben, des sommers solle gefälligst die Sonne scheinen. Also, solche Forderungen schaden nicht, zeugen allerdings auch nicht gerade von ausgeprägtem Scharfsinn.

Was Sprachpuristen häufig vergessen: Die deutsche Sprache ist keine reine Sprache und hat Zeit ihres Bestehens Anleihen in fremden Sprachen getätigt. Nur merkt man dies den Wörtern heute nicht mehr an.

Bank beispielsweise ist kein deutsches Wort, sondern kommt aus dem Italienischen. Ein Ursprung, der klar wird, wenn man sich den Bankrott ansieht, das führt sich nämlich zurück auf die banca rotta, den zerbrochenen Wechseltisch, auf die kaputte Bank.

Aus dem Griechischen, dem Lateinischen, dem Französischen oder dem Englischen sind Wörter eingewandert und bei uns geblieben. Ketchup oder Computer sind erst kürzlich eingewanderte Wörter, aber wir haben uns so an sie gewöhnt, dass wir sie schon als halb deutsch ansehen.

Denn oft haben wir für manches migrante Wort keine gescheite deutsche Entsprechung. Oder blicken Sie eher durch, wenn von einem Prallsack die Rede ist statt von einem Airbag?

Um die Jahrhundertwende – um 1900 -, als das Französische noch stark war, hat man dafür gekämpft, dass es gefälligst Geldbörse und nicht Portemonnaie zu heißen habe. Heute hat man mit dem Portemonnaie seinen Frieden geschlossen, und die gute alte Geldbörse gibt es auch noch.

Schokolade? Urdeutsch, sollte man meinen. Weit gefehlt! Bei Schoko wird es richtig exotisch. Obwohl die allermeisten von uns Schokolade für ein deutsches Wort halten würden, hat der Begriff eine weite Reise hinter sich. Die Aztekten nannte die dunkle Kakaobohne xocolatl und daraus wurde dann das deutsche Wort Schokolade.

Was also tun gegen eingewanderte Wörter? Die Antwort ist simpel: Nichts! Rein gar nichts! Eingewanderte Wörter bleiben ein Gewinn für die deutsche Sprache. Sie bereichern die deutsche Sprache und mehren die Wahlmöglichkeiten. Der Kunde – der Sprachnutzer – entscheidet, welches Wort sich durchsetzt und welches nicht.

Eine Sprache ohne ausländische Einflüsse ist nicht vorstellbar, kann nicht funktionieren. Eine solche Sprache wäre tot.

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