Colán Cabo Blanco

Colán, im Jahr 1983; Photo by W. Stock

im Norden Perus, Anfang 1983

Einmal in seinem Leben ist Ernest Hemingway in Peru gewesen. Nicht in der Hauptstadt Lima oder in Cuzco, im Andenhochland, sondern an der wilden Pazifikküste des Nordens, dort wo die Sonne und das Salz des Meeres die Haut des Menschen so zersetzen, dass man abends nur mit Schmerzen in den Schlaf findet. Und dort, wo durch den kalten Humboldtstrom die reichsten Fischgewässer weit und breit zu entdecken sind. Das war eine Landschaft ganz nach Hemingways Geschmack.

Dieser Norden Perus, eine trockene Wüstenlandschaft, fügt sich den vielfältigen Launen der Naturgewalt. Die Nacht über hat es in Strömen gegossen. Nach Süden geht es nicht weiter. Hinter Bocapan ist die Brücke unten. Der Weg zurück nach Tumbes ist unpassierbar, bei Corrales liegt die Straße unter metertiefem Wasser. Die Panamericana vor mir sieht aus wie eine zerquetschte Marzipanrolle. Es geht weder vor noch zurück.

Entlang der Pazifikküste hier, zwischen Tumbes und Cabo Blanco, liegen Perus Seebäder. Ein beißender, salziger Wind fegt über die kleinen Dörfer, die von der kraftstrotzenden Sonne gegrillt werden. Vor uns liegt endlich Cabo Blanco, das neben Mancora, Punta Sal und Colán eines der kleinen Seebäder an der Nordküste Perus ist. Hier ist das Klima rau und das Meer unbändig. An Kilometer 1.137 der Panamericana liegt dieses Cabo Blanco, das in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein bekannter Treffpunkt der Hochseefischer war, und nun etwas verfallen und heruntergekommen wirkt, wie das ganze Land.

Der US-Amerikaner Alfred C. Glassell hält bis heute den Weltrekord im Marlinfischen, einen 702 Kilo schweren Marlin vor Cabo Blanco. Der Marlin ist dem Schwertfisch verwandt und wegen seines großen Gewichtes, seiner Kraft und Schnelligkeit gilt er als einer der am schwersten zu jagenden Fische. Heute sind die windigen Strände verlassen und menschenleer, der Tourismus ist, wie die gesamte Binnenwirtschaft des Landes, durch die Diktatur der Militärs zusammengebrochen.

Anfang der 80er Jahre gab es da einen Hollywood-Film namens Cabo Blanco mit Charles Bronson und Jason Robards in den Hauptrollen, schnell gedreht, ein B-Filmchen, sagt man wohl, das irgendwie eine Mischung aus Casablana und Der rote Korsar sein sollte. Zurecht hat man das Machwerk heute vergessen.

Cabo Blanco heißt soviel wie weißes Kap und Ernest Hemingway kommt im April 1956 für fünf Wochen hier her, auf der Jagd nach dem großen Marlin. Hemingway reist an in Begleitung des kubanischen Sportfischers Elicio Argüelles und einiger Kameramänner nach Cabo Blanco. Sie möchten einen tausend Pfund schweren Marlin fangen, den es in dieser Größe vor der Küste Kubas nicht gibt.

In Cabo Blanco fließen zwei Strömungen des pazifischen Ozeans zusammen. Hier kommen El Niño und der Humboldt-Strom aneinander, eine Kapriole der Natur, die für krachende Brecher und reiche Fischgründe sorgt.

Wer in jenen guten Tagen nach Cabo Blanco kam, der stieg im Cabo Blanco Fishing Club ab, einem exklusiven Hotel, das man im Jahr 1951 in den herben Landstrich vor die Küste gebaut hatte. Heute ist der Fishing Club ein geisterhaftes Gemäuer, das schon lange dem Verfall preisgegeben ist.

Einige Außenaufnahmen, die Fischszenen von Der alte Mann und das Meer werden hier, in Cabo Blanco gedreht, und nicht auf Kuba. Doch dieser große Film steht unter keinem guten Stern. Regisseur Fred Zinnemann und der Hauptdarsteller Spencer Tracy geraten heftig aneinander und Warner Bros., die Produktionsfirma, beruft Zinnemann schließlich ab und ersetzt ihn durch John Sturges.

Doch Cabo Blanco meint es gut mit den Filmleuten. Hemingway und Argüelles fangen jeder zwei dicke Schwertfische. Die Kamera läuft als Hemingway seinen zweiten Marlin an der Angel hat. Doch dieser wehrt sich, zieht zurück und kämpft. Das ist die Welt, die Ernest Hemingway so liebt.

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