Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Der sozialdemokratische Komparativ

Deutschland besser und gerechter regieren | Sozialdemokratische

Am Montag dieser Woche hat die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in Berlin mit großen Tamtam den Entwurf ihres Wahlprogramms vorgestellt. Deutschland besser und gerechter regieren, steht da als Überschrift.

Ich will hier nicht auf die Inhalte dieses Programms eingehen, darüber kann man trefflich streiten. Ob Mindestlohn, Vermögenssteuer oder eine höhere Einkommensteuer – da mag es gute Gründe dafür geben oder auch dagegen. Geschenkt, geschenkt!

Mir geht es um etwas ganz anderes. Nämlich um die Sprache. Und die Sprache ist bei der SPD verräterisch, ja, man könnte fast sagen, die Sprache der SPD kommt einer Kapitulation gleich. Einer Kapitulation vor dem Gegner CDU oder vielleicht auch einer Kapitulation vor der eigenen Ideenlosigkeit und dem eigenen Unvermögen.

Deutschland besser und gerechter regieren. Leute, obacht, das ist der Komparativ! Besser ist die Steigerungsform zu gut und gerecht wird zu gerechter gesteigert. Wenn ich nun sage, rein sprachlich gesehen, Deutschland sollte besser und gerechter regiert werden, impliziert dies, dass Deutschland heute schon gut und gerecht regiert wird.

Der Slogan hätte richtig formuliert also heißen müssen: Deutschland gut und gerecht regieren. Aber warum eiert die SPD so hilflos rum? Fehlt es da am guten Lektorat oder an der Courage? Ich vermute, an beidem.

In einem Interview hat SPD-Chef Sigmar Gabriel gemeint, es müsse in Deutschland mehr Gerechtigkeit geben. Auch hier ist dieses mehr entlarvend. Hätte Gabriel Gerechtigkeit für Deutschland gefordert, es wäre überzeugend gewesen. Die Forderung jedoch nach mehr Gerechtigkeit für Deutschland, was ja bedeutet, dass es bereits Gerechtigkeit gibt, mündet in der Dampfplauderei.

Manchmal scheint es, die SPD sei zum Gefangenen ihrer eigenen sozialdemokratisierten Sprache geworden. Die Opposition übt sich in political correctness, in Bezug auf die Sprache und in Bezug auf den politischen Gegner. So wird das nichts mit der Regierungsübernahme, liebe SPD, wenn man Union und FDP auch noch bescheinigt, gut und gerecht zu regieren.

Der Germanist nennt solche Wörter, jene die nicht gesteigert werden können, „absolute Adjektive“. Weil diese eine Absolutheit oder Totalität ausdrücken, die weder Komparativ noch Superlativ vertragen. Beispiele: schwanger oder kinderlos.

Zu den „absoluten Adjektiven“ gehören auch jene Umschreibungen, die bereits eine höchste oder niedrigste Wertung ausdrücken. Adjektive wie optimal, maximal, minimal, voll oder leer. Alles andere, liebe SPD, ist einfach schlechtes Deutsch.

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  1. apple

    An Gerechtigkeit fehlt es in Deutschland überhaupt nicht – am wenigsten an Selbstgerechtigkeit, denn ob Parteien, Unternehmen oder Individuen, sie alle glauben oder wollen glauben machen, sie hätten die Wahrheit exklusiv für sich. Leider setzen sie sich aber nicht kritisch genug mit ihren eigenen „Wahrheiten“ auseinander und vergessen dabei, dass der Irrtum menschlich ist. Und so „verkaufen“ sie diese „Wahrheiten“, die möglicherweise nicht der Wahrheit entsprechen. Eigentlich schade.

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