Der Vampir der Weltwirtschaft?
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Foto by Daimler/Presse

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Seit geraumer Zeit steht Deutschland in der Kritik wegen seines hohen Leistungsbilanz-Überschusses. Internationaler Währungsfonds und auch die EG bekritteln, dass Deutschland zu viel exportiere, Nachfrage in den Krisenländern binde, und damit diese „ausblute“, wie der amerikanische Ökonom Paul Krugman das bezeichnet. Ist Deutschland wirklich ein Vampir, der die Weltwirtschaft blutig aussaugt?

In der Tat ist es so, dass Deutschland einen Positivsaldo von rund 200 Milliarden Euro, das sind über 7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, als Überschuss in der Leistungsbilanz ausweist. Dies sind fast ausschließlich Überschüsse aus dem Güterverkehr, das heißt, Deutschland exportiert viel mehr als es importiert.

Besteht doch die Leistungsbilanz aus der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz, unter dem beispielsweise der Tourismus läuft, und der Bilanz der Transferzahlungen, dazu zählt die Entwicklungshilfe. Hier gibt es solche Ungleichgewichte weniger.

Der Vorwurf: Deutschland exportiere zu viel. Komische Diskussion. Denn letztlich entscheidet in einer Marktwirtschaft die globale Nachfrage nach dem Exporterfolg. Warum lässt man den Amerikaner nicht einen Mercedes statt eines Renault zu kaufen?

Letztlich ist das Herummäkeln, das Schwafeln von „makroökonomischen Ungleichgewichten“ eine Kritik an der starken Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Es ist gerade der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit der Südstaaten, der diese nicht aus der Rezession kommen lässt. Soll Deutschland schlechtere Autos bauen, damit diese weniger nachgefragt werden? Das ganze hört sich wie der Ratschlag an den FC Bayern München an, er möge doch bitte an und ab auch mal schlechten Fußball spielen und den SC Freiburg gewinnen lassen.

Umgekehrt: Sollen die Deutschen mehr ausländische Produkte kaufen? Kia statt Volkswagen? Sollen die Deutschen mehr konsumieren statt sparen? Soll Deutschland weniger im Ausland investieren? Egal, wie man solche Fragen beantwortet, man würde das freie Spiel der Kräfte beeinträchtigen.

Hinter der Frage nach den Leistungsbilanz-Salden steht im Grunde die Frage, wer die Anpassungslasten der Krise tragen soll. Der Norden (Deutschland) oder der Süden? Die Frage ist allerdings zu kurz gesprungen. Die Frage müsste lauten: Wie komme ich aus der Krise. Hier kann die Antwort nur lauten: Durch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Anders geht es nicht.

Eine positive Handelsbilanz ist ein Indikator dafür, dass etwas in Deutschland funktioniert, was in den Südstaaten bitter vermisst wird: Wettbewerbsfähigkeit. Seltsame Ratschläge aus EU und IWF, die allesamt einem freien Wettbewerb widersprechen und auf eines hinauslaufen. Deutschland möge seine Wettbewerbsstärke mindern. Man fasst sich an den Kopf.