STOCKPRESS.de

Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Wirtschaft Seite 1 von 8

PLUREOS – der Quantensprung des Verlegens

BoD und Libri bauen das größte und modernste Print-on-Demand-Zentrum Europas. Das PLUREOS-Richtfest in Bad Hersfeld, am 6. Oktober 2020. Foto: BoD

Die Verlage befinden sich in Schockstarre. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Es gibt genug Giftschlangen, auf die das zarte Kaninchen namens Buchmarkt starrt. Handelssterben, amazon, Digitalisierung, Konzentration, Lockdowns, steigende Mieten – alles drückt auf die Erlöse. Es sieht nicht gut aus, für diese sympathische Branche Buchhandel. Neue Wege müssen ausprobiert werden und Innovationen werden herbeigesehnt, um dem Markt neue Lebensenergie zuzuführen.

Für Autoren und Verlage ist Print on Demand heute schon eine attraktive Alternative. Ich habe zwei Bücher in dieser Form verlegt und kann nur Gutes berichten. Bei BoD veröffentlichen seit 1997 zahlreiche Autoren verlagsunabhängig, das Unternehmen aus Norderstedt ist mit 50.000 betreuten Autoren und mit über 3.000 Verlage in acht Ländern führender Spezialist im weltweiten Vertrieb von Büchern ab einem Exemplar.

Mittlerweile verlegt BoD in guten Monaten locker über 1.000 Novitäten, so manch etablierter Verlag lässt bei Books on Demand seine Backlist verwalten, kleine Verlage gar das gesamte Programm. In der Tat ist das Geschäftsmodell Print on Demand betriebswirtschaftlich für alle Beteiligten vernünftig: Es wird nur jenes gedruckt, was zuvor bestellt wurde.

Bis dato gibt es jedoch einen Schwachpunkt: In der Logistikkette hemmt die Verzögerung im Druck den Vertrieb, der Digitaldruck mit Losgröße 1 braucht halt ein wenig Zeit. Doch nun kündigt sich eine Innovation an, die die Zeitlücke zu den traditionellen Verlagen mit Bevorratung schließt.

Unter dem

Weiterlesen

Skizze eines anderen Europa

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist BöttcherCover-664x1024.jpg

Winfried Böttcher: Europa 2020 – Von der Krise zur Utopie. Tectum Verlag, 240 Seiten, 24 €, ISBN 978-3-8288-4462-9

Die alte Welt ist in den letzten Jahren von Krisen und Rückschlägen durchschüttelt.  Die Flüchtlingskrise, der Ukraine-Konflikt, Brexit, ein aufkommender Nationalismus, Umwelt- und Klimakrise, jetzt auch Corona. Europa und Brüssel als Lösungsmotor fallen in erschreckender Weise aus, es sind nach wie vor die Nationalstaaten, die sich um Schadensbegrenzung bemühen oder die Scherben aufsammeln. Der Aachener Politologe Winfried Böttcher sieht solche Krisen jedoch auch als Chance. Krisen seien mehrdimensionale historische Erschütterungen, die mit ihrem Veränderungsdruck für den gesellschaftlichen Wandels durchaus notwendig sind.

Der Krisendruck wird in den nächsten Jahren hoch bleiben oder noch steigen. Die Europäische Union bietet allerdings in ihrer derzeitigen Verfassung und Aufstellung keine echte Zukunftsperspektive. Ein Neustart sei das Gebot der Stunde. Der Gegner für eine solche Neuordnung bleibt der Nationalstaat, er ist die eigentliche Ursache für die Systemkrise, in der sich die EU befindet.

Den Herausforderungen der Digital-Epoche sind die Nationalstaaten nicht gewachsen. Die Märkte agieren global, sind schnell und wendig, optimieren ohne Rücksicht über alle Grenzen ihre Absatzchancen. Die Staaten hingegen sind nach wie vor schwerfällig und gelähmt, erweisen sich im Hase und Igel-Duell zu oft als Verlierer. In diesem ungleichen Wettbewerb steht Europa hilflos da, ohne Orientierung, ohne Perspektive und ohne Zuversicht.

Die Europäische Union mit ihren immer noch mächtigen Nationalstaaten befindet sich in einer systemischen Existenzkrise, sie droht institutionell, ökonomisch, sozial und wertorientiert zu scheitern. Die Defizite wurden, so lässt Winfried Böttcher anklingen, bereits bei der Gründung des europäischen Projekts gelegt. Vor allem bei der Fehlkonstruktion unzureichender Gewaltenteilung und der damit einhergehenden Dis-Balance und der ungenügenden Kontrolle.

Weiterlesen

Warum ist die europäische Banane krumm?

Winfried Böttcher (Herausgeber)
Europas vergessene Visionäre
Rückbesinnung in Zeiten akuter Krisen
2019, 521 S., Gebunden; 58,- €

Ob mit Europas vergessenen Visionären nicht gleich auch deren Visionen perdu gegangen sind? Die Sorge scheint berechtigt im Jahr 2019. Hat Europa in der heutigen Verfassung überhaupt eine Zukunft? Der europäische Zusammenhalt ist brüchig wie nie: Absetzbewegungen wie der Brexit sind zu beklagen, durch Banken- und Etat-Krisen ist massiv Vertrauen verspielt worden, nationalistische Rollbacks sind allerorten zu beobachten. Ein Europa in Zeiten akuter Krisen braucht jedenfalls neue Schwungkraft, mindestens. 

In seinem aktuellen Werk Europas vergessene Visionäre erinnern Winfried Böttcher und seine Mitautoren aus welchen historischen und politischen Erwägungen einst die Vision Europa entstand. Wichtige, aber zu Unrecht in Vergessenheit geratene europäische Denker wie Ludwig Börne, Jean Jaurès oder Salvador de Madariaga zeigen, dass vor allem das Denken in fatalen Kategorien wie Freund/Feind überwunden werden sollte. Man liest in die zahlreichen Biografien dieses fein recherchierten Sammelbandes hinein, mit Neugier auf den Menschen, aber auch mit dem Blick auf jenes, was von der visionären Kraft als Vermächtnis im 21. Jahrhundert noch übrig geblieben ist.

Viel ist es nicht. Der Europa-Politik der letzten Jahre sind in meinen Augen vor allem zwei kapitale Fehler unterlaufen. Der erste: Statt die hehre Europa-Idee zum Leuchten zu bringen, hat man zu oft den EU-Amtsschimmel wiehern zu lassen. Für den schwerwiegenderen zweiten Fehler wird gerade von Italien über Ungarn bis Frankreich die Quittung erstellt: Politik und Medien haben die identitätsstiftende Kraft des Nationalstaates unterschätzt. Baustellen gibt es also zuhauf in Europa.

Fraglos vermag die Wissenschaft Lösungsoptionen bereithalten, wenn Politik und Öffentlichkeit bloß die Ohren spitzen würden. Mit seinen Veröffentlichungen und seiner über 50-jährigen Tätigkeit in Lehre und Forschung gehört Winfried Böttcher selbst zu den unermüdlichen Visionären Europas. Von den Anfängen an der London School of Economics bis hin zur RWTH Aachen, wo er den Lehrstuhl von Klaus Mehnert übernahm, hat Winfried Böttcher unentwegt als Impulsgeber für Europa gerackert. 

Es lohnt, sich mit Winfried Böttchers Ideen eines modernen Europas auseinander zu setzten. Böttcher sieht die Funktion des Nationalstaates als erfüllt an, er hat sich historisch überlebt. Der neue Organismus jedoch braucht ein neues Funktionsprinzip, Professor Böttcher bietet das ordnungspolitische Konzept der Subsidiarität an. Die Hoheit für staatliche Aufgaben und Verantwortlichkeit ist der jeweils untersten dafür geeigneten Ebene zu übertragen. Die übergeordnete Einheit kommt erst dann zum Zuge, wenn die untergeordnete ergebnismäßig überfordert ist.

In diesem Sinne plädiert Winfried Böttcher für ein vereintes Europa, das subsidiär aufgebaut ist, als eine politische Ordnung von unten mit einer weitgehenden Autonomie der Regionen. Diese Europa-Vision ist nicht nur erkenntnistheoretisch schlüssig, sondern zudem politisch und wirtschaftlich klug. Denn die Idee Europa kann funktionieren, wenn Subsidiarität als ein fester Rahmen dennoch die Entfaltung der individuellen Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ermöglicht.

Den Krümmungswinkel einer Banane sollten deshalb nicht

Weiterlesen

Die neuen Zeitungen: Blogs

Aus den deutschen Medienhäusern kommen nur noch schlimme Nachrichten: Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften rauschen weiterhin rasant in den Keller. Die BILD, mit über 5 Millionen Auflage einst Westeuropas größte Tageszeitung, geht stramm auf die letzte Million Verkaufte pro Tag zu. DER SPIEGEL und stern, früher meinungsbildend und Millionen-Seller, liegen schon lange unter der siebenstelligen Marke.

In der Medienlandschaft müssen wir uns von einem Attribut definitiv verabschieden: groß. Groß gibt es nicht mehr, groß war gestern. Nur noch eine Handvoll Magazine verkauft mehr als eine Million Exemplare, es sind meist TV-Zeitschriften. Mit dem Verschwinden von groß, verschwindet allerdings auch die Wichtigkeit und Stellenwert. Und weil der traditionelle Journalismus so unter Druck steht, ist ihm auch alle Leichtigkeit abhanden gekommen. Den Artikeln in den Zeitungen und Magazine merkt man oft eine Bitternis und Biestigkeit an, die wohl Ausdruck einer tieferliegenden Hilflosigkeit sind.

Was ist passiert? Das Internat, natürlich. Die Online-Möglichkeiten – schnell, kostengünstig und ohne Gatekeeper – haben Print kräftig durchgerüttelt. Fussballergebnisse kriege ich in Echtzeit, inklusive Live-Tabelle und Analyse, da brauche ich nicht bis zum nächsten Morgen zu warten. Wenn ich wissen will, was in Köln oder Bremen passiert, dann lese ich ein Online-Medium von dort. Online ist ein dem Print weit überlegenes Modell, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Wohin wird das alles führen? Wenn Online auch das traditionelle Verlegen ins Straucheln gebracht hat, so haben sich gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet. Das neue Groß heißt Klein. In einer Mischung aus Disruption und Segmentierung sind neue Publikationsformen entstanden, die spannend sind. Die unbeweglichen Verlage haben durch Klein neue Konkurrenz bekommen, die Leichtigkeit des Journalismus ist nun woanders zu finden. Bei den Blogs beispielsweise.

Geben Sie mal bei Google München und Blog ein. Und Sie erhalten die bunte Lebendigkeit einer Metropole vor Augen geführt. Dutzende von lokalen Blogs buhlen um die Aufmerksamkeit des Lesers. Der Isarblog beispielsweise schreibt über Gastronomie, Kunst und die Stadtviertel, mit einer Nähe zum Sujet, das den Zeitungen aufgrund von Stellenabbau und Etatkürzungen verloren gegangen ist. Auch Living4Taste schreibt über Genuss und Lifestyle in München, dahinter steht allerdings kein großer Verlag, sondern die Leidenschaft einer Person.

Wer einen guten Blog mit einem scharfen Fokus betreibt, der ist neuer Verleger. Blogs besitzen zwar häufig eine kleine Zielgruppe, die – wenn die Blogs mit Tatkraft und Herzblut gemacht sind – allerdings gedeihlich ausgeschöpft werden kann. Und weil die Leidenschaft der Blogs den traditionellen Verlagen durch Hybris und Krisen meist abhanden gekommen ist, sind gute Blogger unsere neuen Verleger.

ETFs plus Strategie = Risikominimierung

Das neue Buch von Gottfried Heller habe ich regelrecht verschlungen. Denn es ist nicht nur eingängig und verständlich geschrieben, sondern öffnet dem Anleger bei einigen Dingen merklich die Augen. Im ersten Drittel erklärt Heller, warum sich die Deutschen mit Aktien so schwertun, warum es ihnen nicht gelungen ist, Vermögen aufzubauen und welche Tiefschläge (z.B. Euro, Merkel, Trump) uns noch erwarten könnten.

In diesem Zusammenhang gibt es in dem Buch ein sensationelles Kapitel – “Das Märchen von den reichen Deutschen”. Darin beschreibt Heller, dass die Deutschen gar nicht so wohlhabend sind, wie die Politik glauben machen möchte – und welche Gründe diesem unterdurchschnittlichen Reichtum zugrunde liegen. Diese Seiten sollten Pflichtlektüre im Wirtschaftsunterricht sein, man möchte kaum glauben, was da zu lesen ist, doch es stimmt.

Im Herzstück seines Werkes stellt der Münchner Vermögensberater die „Revolution der Geldanlage“ vor. Gemeint sind Indexfonds, englisch als ETFs abgekürzt, die es Anlegern erlauben, auf ganze Aktienklassen, auf Märkte, auf Branchen oder auf Indizes zu setzen. Und dies so unkompliziert und kostengünstig wie bei kaum einer anderen Anlage.

Das letzte Drittel wird dem Anleger wohl am meisten

Weiterlesen

Hero Kind – ein Vorbild

Dr. Hero Kind (1944-2018)
gezeichnet von Peter Lauster

Als Verlagsgründer Erwin Barth von Wehrenalp seinen ECON-Verlag verkaufen musste, landete dieser dann über einen Umweg schließlich bei Dietrich Oppenberg, dem Verleger der NRZ, der Neuen Ruhr und Rhein Zeitung aus Essen. Der Zeitungsmann Oppenberg übertrug die operative Führung des Düsseldorfer Verlages seinem jungen Assistenten Hero Kind. Der promovierte Jurist hat den Verlag von 1982 bis 1994 geleitet, und er schaffte es, ECON zu einem modernen und erfolgreichen Sachbuchverlag zu verändern.

Hero Kind, Jahrgang 1944, sah gute Bücher nicht als austauschbare Massenware, sondern als Markenartikel. Deshalb hat er dem ECON Verlag und seinen Büchern ein frisches, eigenständiges Profil verpasst. Hero Kind trimmte ECON auf Wiedererkennung. Bücher als Markenprodukte, das begann die Branche erst langsam zu erkennen, ihm war das sehr früh klar.

Hero Kind und sein ECON Verlag residierten

Weiterlesen

Computer frisst Marketing

Amazon - die Verkaufsmaschine Photo by W. Stock

Amazon – die Verkaufsmaschine
Photo by W. Stock

Drei große Trends bestimmen unsere moderne Welt: Globalisierung, Digitalisierung und Segmentierung. Gerade die Digitalisierung unserer Tage zeigt Auswirkungen auf alle Bereiche des Wirtschaftens. Nichts und keiner bleibt verschont. Und manche Bereiche wissen noch gar nicht, wie sehr sich ihr Geschäftsmodell ändern wird, man ahnt es vielleicht.

Nehmen wir das Marketing. Da bleibt kein Stein auf dem anderen. Ins klassische Marketing – in traditionelle Media-Kampagnen – wird fast nichts mehr investiert. Statt dessen pumpen die Unternehmen mehr und mehr ins Performance Marketing hinein. Statt Formatanzeigen in Zeitungen und Zeitschriften geht man mit seinen immer noch fetten Etats mehr und mehr zu Google Adwords. Statt TV-Spots zum Markenaufbau investiert man lieber in Abverkauf, in Affiliate, in Verkaufsmaschinen wie Amazon und Spezial-Shops.

Der Media-Mix ist von vorgestern. Was heute zählt sind 

Weiterlesen

Michael Staehler – ein Netzwerker für die Buchbranche

Michael Staehler (li.)

Michael Staehler (links) und Hero Kind (rechts) auf der Frankfurter Buchmesse 1991

Es ist immer schlimm, wenn ein Mensch stirbt. Am schlimmsten ist es, wenn ein Vorbild stirbt. Ein solches Vorbild war für viele Michael Staehler. Der Betriebswirt vom Jahrgang 1948 hat Jahrzehnte erfolgreich in zahlreichen Verlagshäusern gearbeitet. Bei DuMont Schauberg in Köln, bei Bertelsmann in Gütersloh, dann beim Ärzteverlag wiederum in Köln.

Unsere Wege haben sich Ende der 1980er Jahre gekreuzt. Als Peter Schaper zu Droemer nach München ging, wurde Michael Staehler bei der ECON Verlagsgruppe in Düsseldorf dessen Nachfolger. Als Marketing-Geschäftsführer sorgte er dafür, dass die Bücher von ECON, Claassen oder Marion von Schröder als Event zelebriert wurden. Der damalige Erfolg des ECON-Programms war, ohne die Meriten von Verleger Hero Kind zu schmälern, ganz besonders auch Michael Staehler zu verdanken. Lee Iacocca, Lois Fisher-Ruge, Peter Lauster, Gabriele Krone-Schmalz oder Peter Ustinov – allesamt großartige Autoren mit prächtigen Büchern, viele übersprangen die magische 100.000 Verkaufsmarke locker.

Michael Staehler war ein

Weiterlesen

John Naisbitt: Hoffentlich nicht Donald Trump!

John und Doris Naisbitt in Velden am Wörthersee, September 2016

John und Doris Naisbitt in Velden am Wörthersee, September 2016; Photo by W. Stock

Als bekanntester Trendforscher weltweit, John Naisbitts Bücher sind in 57 Sprachen übersetzt, hat sich der Amerikaner einen frischen Blick auf die Welt bewahrt. In den späten 1980er Jahren bekam ich bei ECON die Ehre, Johns Bücher Megatrends 2000, Megatrends for Women und Global Paradox zu verlegen. Es war eine wunderbare Zeit und seitdem sind wir gut befreundet.

Ich besuche John und seine Ehefrau Doris in ihrer Sommerresidenz am Wörthersee. John is in good shape, wie die Amerikaner sagen, neugierig auf Neues und klar in der Analyse, das kann nicht jeder 87-Jährige von sich behaupten. Die Langzeit-Betrachtung der beiden Autoren fällt für hiesige Breiten eher düster aus: Mit Europa und den USA gehe es langsam aber stetig bergab. Der Westen besitze seit Jahren keine Kraft für wirkliche Reformen und einfach keine Strategie, seine neue Rolle in der Welt zu finden.

Wenn beispielsweise die europäische Entwicklungspolitik nach Afrika komme, dann meist mit erhobenem Zeigefinger. Man solle nur ja auf diese demokratische Gepflogenheit achten und gefälligst den westlichen Wertekanon übernehmen. Die Eliten nicken und stecken das Geld ein. China hingegen, das sich in Afrika und Südamerika sehr rührig zeigt, mache es schlauer. Das Land gehe zur dortigen Regierung und schlage konkrete Projekte vor: Wir bauen euch eine Eisenbahnlinie von der Hauptstadt zur Küste. Und so packen es die pragmatischen Chinesen dann auch an. Arbeitsplätze werden geschaffen, die Infrastruktur des Landes verbessert, das Geld versickert nicht in dunkle Kanäle. Alle sind zufrieden.

Der Westen besitze heute einen

Weiterlesen

Klartext zu Europa

SOS Europa - Wege aus der Krise; Finanzbuchverlag, Juli 2016

SOS Europa – Wege aus der Krise; Finanzbuchverlag, Juli 2016

Es tut weh, dieses Buch „SOS Europa“ zu lesen. Nicht weil es schlecht geschrieben wäre, ganz im Gegenteil. Es ist das Thema, das so schmerzt: Die Vision eines friedfertigen und wohlstandsstarken Europa geht perdu. Denn die Umsetzung dieser Vision liegt in Trümmern. Gottfried Heller, Ulrich Horstmann und Stephan Werhahn legen in ihrem Sammelband alle Baustellen der EU offen und die bekannten Autoren benennen die Baustellen Europas in solch klarem Hochdeutsch, dass einem um die Zukunft des alten Kontinents angst und bange wird.

In der Agenda von Lissabon hat die EU sich im Jahr 2000 in die Hand versprochen, zur „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Region“ der Welt aufzusteigen. Was muss man 15 Jahre später feststellen? Das genaue Gegenteil ist passiert, Europa wurde wirtschaftlich abgehängt. Während die Wirtschaftskraft Chinas von 2000 bis 2010 um 171 Prozent wuchs, die Weltwirtschaft um 47 Prozent, so vermochte die EU in dieser Dekade lediglich um 17 Prozent und die Eurozone gar nur um mickrige 12 Prozent zu wachsen. Europa ist kraftlos, uneins und ohne Reformeifer.

Das macht besonders deutlich der Aufsatz von Gottfried Heller, das Highlight dieses Buches. Die fehlende Wirtschaftsdynamik ist nicht die einzige Sackgasse, in die sich Europa verfahren hat. Die zentralistische

Weiterlesen

Seite 1 von 8

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén