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Teddy Stauffer: Der Swing-König im Paradies

Teddy Stauffer, im November 1982, in Acapulco, am mexikanischen Pazifik. Foto: W. Stock

Acapulco, im November 1982

Stauffer, Teddy 41161, steht im Telefonbuch von Acapulco, Av. Villa Vera S/N. Dieses S/N Sin Número – ohne Hausnummer – in der Avenida Villa Vera mag in Mexiko zweierlei bedeuten. Zum einen kann sich die Adresse in einer solch elenden Gegend befinden, dass die Stadtverwaltung bislang nicht von ihr Notiz nehmen mochte. Zum anderen freilich kann das Stadtviertel so fein und exklusiv sein, dass man den Prachtvillen eine profane Hausnummer nur ungern zumuten mag. „Kommen Sie morgen um zehn!“, lässt uns freundlich eine Männerstimme am Telefon in schweizerspanischem Tonfall wissen.

Wenn Teddy Stauffer Besuch empfängt, so lässt er eine schmale, zwei Meter lange Zugbrücke aus Holz herunter, die seinen Wohnturm von der Strasse trennt. Die Villa Vera ist oberhalb des Stadtzentrums in den Hang gebaut und gilt mit seinem luxuriösen Swimmingpool und dem Racquet Club als die mondäne Luxusherberge der Stadt. Von Teddys Hotelturm aus erhält man einen atemberaubenden Blick auf die Bucht von Iacacos und den kilometerlangen Strand, der wie eine Sichel den mexikanischen Badeort umläuft. In etwa so, denke ich bei mir, muss der liebe Gott sich das Paradies vorgestellt haben. 

Ins Paradies vertrieben, aus Nazi-Deutschland. In den späten 30ern ist der Schweizer Teddy Stauffer der Swing-König von Berlin, gefeiert und bejubelt. Die Stadt ist in jenen Jahren die europäische Metropole schlechthin, ein Schmelztiegel, in dem Künstler und Halbkünstler, Seidene und Halbseidene das turbulente Leben bei Tag und insbesondere bei Nacht bestimmten. Innerhalb von fünf Jahren können sich die Teddies in der Berliner Szene einen beachtlichen Ruf erwerben und man sieht sich in der Lage, die kleine Swing-Band nach und nach durch junge, talentierte Musiker zum Orchester zu erweitern. 

Nach braunen Schikanen und Kriegsausbruch, längst wieder in Bern, packt Teddy Stauffer im Jahr 1941 seinen Koffer, lässt die Heimat, auch Band und Musik hinter sich, und fährt mit dem Dampfer über den Atlantik nach New York. Dann nach Hollywood, er versucht sich als Filmkomponist, und nach abenteuerlichen Wirrungen und Fügungen wird der hochgewachsene Schweizer viele Monate später in Mexiko, in Acapulco, stranden.

Neben dem früheren Staatspräsidenten Miguel Alemán, dessen Einsatz Ende der 40er Jahre die touristische Erschließung Acapulcos voranbringt, hat Teddy Stauffer am meisten dafür getan, dass heute alle Welt diese Stadt am Pazifik kennt. Folgerichtig bezeichnen ihn die Amerikaner als Mister Acapulco, während er von den Einheimischen liebevoll Señor Teddy genannt wird.

Und Teddy Stauffer sorgt dafür, dass all die Leinwandgrößen, Troubadoure und dralle Divas hinab ins Acapulco Dorado – ins vergoldete Acapulco – pilgern und froh sind, ohne Schlips und Kragen ins richtige Leben springen zu dürfen. Nach und nach kommt die ganze Hautevolee ins sonnenverwöhnte Aca, wie man das unbekümmerte Seebad bald zu nennen pflegt.

Und der mexikanisierte Schweizer Teddy Stauffer spielt den Gastgeber all dieser Käsegesichter, die sich nun blicken lassen. John Wayne rückt an und kauft gleich ein Haus, die superblonde Kim Novak überstrahlt alles, Tarzan Johnny Weissmuller kommt und sollte bis an sein Lebensende bleiben, Liza Minnelli wird Dauergast und ohne den alten Kumpel Frank Sinatra läuft natürlich gar nichts.

Es wird eben dieser Francis Albert Sinatra aus Hoboken/New Jersey sein, dem im Jahr 1958 das Privileg zufallen wird, die swingende Hymne auf diese Stadt singen zu dürfen. Und dann singt der Crooner so ungestüm wie nie, zugegeben, unter kräftiger Mithilfe der Herren Sammy Cahn, Jimmy Van Heusen und Jack Daniels:

Weather wise it’s such a lovely day
You just say those words, and we’ll beat the birds
Down to Acapulco Bay
It’s perfect for a flying honeymoon – they do say
Come fly with me, we’ll fly, we’ll fly away…

In den letzten Jahren ist ihm, der noch das kleine Fischerdorf von 8.000 Bewohnern kannte, Acapulco ein wenig fremd geworden. Meine wunderschöne Bucht von Acapulco ist verschwunden, meint Teddy Stauffer ein wenig bitter. Statt dessen erblicke er aus seinem Turm am Berghang die wuchtigen Condominiums und Hotelbauten, die den Blick auf das azurblaue Wasser verstellen.

Bei aller Melancholie mag Teddy das süße Leben, die Frauen, die wilde Jazzmusik, er kennt alle Großen der Glitzerwelt, und alle kennen ihn. Der Mann ist ein Träumer, vielleicht ein Traumtänzer, bisweilen möglicherweise gar ein Hallodri. Ein Romantiker jedenfalls, jemand, der die Geige streicheln kann, das Saxophon spielt, jemand, der weiß, wer Jimmie Lunceford ist, und wie man eine Rita Hayworth rumkriegt. Als ob das nicht schon reichen würde.

Ob er denn nicht ab und an Heimweh nach der Schweiz, nach dem ruhigen Bern und dem beschaulichen Murtensee verspüre, frage ich ihn. „Ach, wissen Sie“, antwortet der 73-jährige Musiker, „seit vierzig Jahren laufe ich hier in Acapulco barfuss herum. Ich glaube, an richtige Straßenschuhe könnte ich mich gar nicht mehr gewöhnen.“ Also, wenn das kein überzeugendes Argument ist. Nicht zuletzt aus einem solchen Grund passt Teddy so gut zu Acapulco. Aber wohl auch Acapulco zu Teddy, möchte man rasch hinzufügen.

Im neuen A380

A380 Lufthansa Airport travelMünchen, im November 2007

Der Jungfernflug des nagelneuen Airbus 380 führt nun nach München. Die Maschine stellt sich am Airport vor, und die meisten Besucher kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Dieser A380 entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Am Wochenende erst hat die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai den Kauf von weiteren 11 Airbus-Flugzeugen A380 bekanntgegeben.

In der Tat läutet der A380, der größte Passagierjet der Welt, eine neue Dimension des Fliegens ein. Zum ersten Mal besitzt ein Flugzeug ein durchgehendes Ober- und Hauptdeck. Beim bisherigen Primus Boeing 747, dem Jumbo Jet, erstreckte sich das Oberdeck nur über den Buckel im vorderen Drittel.

Die Passagierzahl des A380 kann je nach Konfiguration von First, Business und Economy auf über 850 – plus 20 bis 30 Crewmitglieder – anwachsen. Man steigt nicht nur vorne und hinten ein, sondern getrennt auch an Ober- und Hauptdeck. Wenn man den A380 begeht, dann wandert man wie durch eine kleine Stadt.

Eine Bar in Oberdeck, Arbeitsnischen, Verweilinseln mit chaises longues, bequeme Schlafliegen in der Business Class. Unterhaltungsprogramme sind in die Kopfstützen der jeweiligen Vordersitze eingebaut. Die Farben werden in einem angenehmen, ruhigen Pastell gehalten.

Die eigentliche Herausforderung bei dem A380 bestand darin, das Mehr an Volumen durch Einsparung an Gewicht auszugleichen. Solch eine Länge von 72 Metern, eine Spannweite von knapp 80 Metern und eine Höhe von über 24 Meter konnten nur durch die Verarbeitung neuer Materialien erreicht werden.

Auch eine Reduktion der Betriebskosten ist den Airbus-Ingenieuren gelungen: Um 15 Prozent konnten die Kosten pro Passagier und Flugkilometer gesenkt werden. Manchen Grünen mag erstaunen, wie leise dieser Vierstrahler in der Luft liegt.

Hut ab vor dem vielgescholtenen franko-germanischen Staatsunternehmen Airbus, dem es gelungen ist, den Gesetzen der Schwerkraft eine neue Dimension abzutrotzen. Der A380 ist das Meisterstück menschlicher Ingenieurskunst.

Top of the Rock

Photo by C. Stock

Im BuchMarkt vom August eine ansprechende Werbung für die neuen In Guides aus dem Kunth Verlag. Als Eye Catcher dient ein Motiv aus New York.

Der Blick hoch droben vom Rockefeller Center mit Blick auf das nördliche Manhattan und das Empire State Building. Und ins Auge fällt der silberne Art Deco-Fernstecher, mit dem man – unter zur Hilfenahme von 50 Cent – sich aus 260 Metern Höhe den Central Park und die Upper West Side anschauen kann.

Wie der Zufall so will, ein paar Wochen zuvor war ich just an gleicher Stelle. Übrigens, der Höhenblick von Top of the Rock ist dem des Empire State Buildings vorzuziehen. Es ist auch weniger Rummel hier.

Und wenn man dann oben steht, im 70. Stockwerk über New York, dann mag man sich für einen kurzen Augenblick fühlen as rich as Rockefeller.

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