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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Chet Baker bläst den verlorenen Ton

Chet. Der Jazz-Trompeter. Der Sänger. Der Mensch. Das Wrack. Wie kein anderer weißer Musiker steht er für den Cool Jazz. Er lebt ihn.

Er liebte die Frauen und er liebte das Heroin. Und vor allem liebte er die Musik. Der amerikanische Trompeter Chet Baker war so etwa wie der James Dean des Jazz. Gut aussehend, rebellisch, aber auch einsam, suchend, verzweifelt, ein Steppenwolf.

Sein Spiel zeichnet sich durch eine sanfte und weiche Fragilität aus. Jeder Ton, den er spielt, klingt als sei es sein letzter. Und jeder Ton hätte ja auch leicht sein letzter sein können. Nun ist Chet eine Legende, wobei der Begriff Legende nicht einfach nur meint, dass er viel zu früh gestorben ist.

Am 23. Dezember 1929 wurde Chesney Henry Baker jr. in Yale in Oklahoma geboren. Und in Amsterdam hat er sich am 13. Mai 1988 aus einem Hotelfenster geworfen. Aus Verzweiflung, im Drogenwahn, am Ende – wer weiß das schon.

Ich habe Chet Baker zwei, drei Mal im Konzert erlebt. Mal in kleinen Clubs wie dem Malteserkeller in Aachen vor einem Dutzend Zuhörer, mal auf großen Jazzfestivals. Das war in den späten 70er Jahren, da deutete sich schon das Ende seines Weges an. Die Zähne kaputt, das Gesicht verschrumpelt, der Geist verwirrt.

Chet spielte mit Charlie Parker, mit Gerry Mulligan, Stan Getz, Bud Shank, Ron Carter und mit Art Pepper. Dieser merkwürdige Bursche blies My funny Valentine wie kein zweiter auf diesem Globus.

Er war der Trompeter der Existentialisten. Ein kühler, unnahbarer und vielleicht auch verlorener Ton entströmt seiner Trompete. Er war der Bläser einer zerbrechlichen und waidwunden Melodik. Er blieb das Reh, das von eigenen Hyänen gejagt wurde. Er ist in Kalifornien begraben.

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  1. apple

    Typo: Chet

  2. apple

    Ja, Chet und am anderen Ende des Spektrums Miles. Chet kann die Trompete hauchen, Miles spielt sie (zumeist) knallhart. Zwischendrin Till Brönner, der deutsche Trompeter aus Bad Godesberg, lebt inzwischen in Berlin, der seinen eigenen Stil noch nicht recht gefunden hat: Mal eher wie Chet, mal eher wie Miles und manchmal auch mit Gesang (so wie Chet auch). Wirklich empfehlenswert: Chets „My Favourite Songs“, seine letzte Aufnahme mit dem Orchester des NDR und auch „Chat Baker in Tokio“ oder „Grey December“.

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