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The Voice & The Brain: Frankie and Quincy

The Voice & The Brain: Frankie and Quincy
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Neben seiner unvergleichlichen Stimmfarbe und seines traumwandlerischen Rhythmusgefühls gibt es ein weiteres Geheimnis um den Erfolg von Frank Sinatra. Der Crooner hat zeitlebens immer genug finanzielle Mittel, Spitzenleute um sich zu scharen.

Das gilt zunächst für Musiker, denn stets haben ihn erstklassige Solisten und Orchester begleitet. Da muss man nur den Namen Count Basie erwähnen. Gleiches jedoch trifft auch auf die Arrangeure zu. Sinatra hat sich stets mit den besten seines Faches umgeben und all die Spitzenarrangeure haben für ihn Spitzenarrangements geschrieben.

Gemeinhin wird die Bedeutung der Arrangeure unterschätzt. Mehr noch als der Komponist verantwortet der Arrangeur den musikalischen Erfolg. Oder anders, ein schlechtes Arrangement kann eine gute Komposition gnadenlos kaputt machen.

Das wusste Frankieboy. Und deshalb legt er auf gute Arrangeure ein besonderes Augenmerk. Nelson Riddle ist der wichtigste Arrangeur Frank Sinatras in den 50er Jahren. Bei Capitol Records beginnt 1953 ihre Zusammenarbeit. Riddle arbeitet über all die Jahre besonders die swingenden Elemente in Sinatras Musik heraus. Songs For Swinging Lovers (1956), A Swinging Affair (1956) und Sinatra Sings For Only The Lonely (1958) sind die herausragenden Platten dieser Partnerschaft.

Der Arrangeur Don Costa betont hingegen mehr die pop-geneigte Seite Sinatras. Seine Meisterstücke sind My Way (1969), Ol’Blue Eyes Is Back (1973) and Trilogy (1980). Es ist dieser Don Costa, der die Arrangements für Sinatras Welthits My Way und New York, New York schreiben sollte.

Aber auch die Arrangeure Billy May, Johnny Mandel, Axel Stordahl in den frühen Jahren, Neil Hefti und Gordon Jenkins bauen wichtige Meilensteine in der Karriere Sinatras. Alles schön, alles oberschön. Doch da gibt es noch einen anderen.

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Denn der beste aller besten an Sinatras Seite wirkt zunächst als musikalischer Leiter seiner Band, später dann auch als sein erster Arrangeur. Sein Name: Quincy Jones. It Might As Well Be Swing (1964), das wohl beste Studio-Album Sinatras, ist eine von Quincy Jones Arbeit. Sinatra At The Sands (1966), eine wahre Hammer-Platte, gilt als beste Live-Einspielung von Frank Sinatra. Auch dieses orchestrierte Meisterwerk, Chapeau, entstammt der Feder von Quincy Jones.

Und dann mag ich über alles How Do You Keep the Music Playing?, eine stilvolle Ballade, die der Franzose Michel Legrand komponiert hat. Quincy Jones hat sie Frank Sinatra dann, man muss das so sagen, passend auf den Leib geschrieben. Da passt alles, der Deckel kommt auf den Topf.

Aber nicht alles klappt. Das Lied L.A. Is My Lady hat Quincy Jones eigens für Sinatra komponiert und arrangiert. Es soll so eine Art Westküsten-Pendant zu New York, New York werden. Ganz netter Versuch, aber pppfff, die Luft weicht geschwind aus dem hübschen Ballon. Der Song wird zum Flop.

Tröstlich zu wissen, dass trotz einer Menge Geld und noch mehr Talent der Erfolg nicht planbar ist. Selbst für den besten Arrangeur nicht, noch für den besten Sänger.

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    Nicht zu vergessen. Quincy Jones war auch der Arrangeur von Michael Jackson.

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