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Notizen und Anmerkungen von unterwegs

Kategorie: Ernest Hemingway Seite 2 von 5

Hemingways kürzeste Kurzgeschichte

Photo by W. Stock

Ein nettes Spiel unter Literaten:

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Freunde sitzen beim Whiskey zusammen und frönen der Aufschneiderei unter angehenden Autoren.

Sie wollen wetten, eine literarische Wette, der Einsatz beträgt 10 Dollar.

Der junge Journalist und  Schriftsteller Ernest Hemingway aus Chicago wettet mit den Freunden, dass er eine Kurzgeschichte aus nur sechs Wörtern schreiben könne. Sechs Wörter. Erstaunen.

Die Freunde glauben es nicht. Aber natürlich gewinnt Ernest Hemingway die Wette. Sein Text lautet:

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Ernest Hemingway und Baron Franchetti speisen in der Trattoria De Mauri

Photo by W. Stock

Caorle/Italien, im September 2009

Wir suchen in der farbenprächtigen Altstadt nach einem schönen Restaurant für das Abendessen. In der Trattoria De Mauri deute ich auf das runde, bunte Holzschild, das vom Kaminsims baumelt.

Hemingway? Fragend hebe ich meine Stimme. Ja, Hemingway, meint die wohl 60-jährige blondierte Inhaberin, er habe hier oft gegessen, mit seinem Freund, dem Baron Raimondo Franchetti, und mit dem Besitzer des Restaurants, Alessandro de Mauri.

Trattoria De Mauri – Dove Hemingway, Franchetti, de Mauri soggiornarono steht auf dem Schild. Wo Hemingway, Franchetti und de Mauri sich einfanden. Hier werde der Fisch noch zubereitet wie zu Hemingways Zeiten.

Wenn der amerikanische Schriftsteller und der italienische Baron von der Entenjagd in der Lagune nordöstlich von Caorle zurück gekehrt seien, dann hätten sie oft den Tag in de Mauris Fischrestaurant ausklingen lassen. Ernest Hemingway bei De Mauri.

De Mauri heißt das schmale Restaurant, ein unscheinbarer weißer Bau auf der pittoresken Piazza San Pio X in Caorles Altstadt. Was ist aus dem Baron geworden, frage ich

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Ernest Hemingway und das Moleskine

Photo by W. Stock

Dieses Notizbuch ist Kult. Das Büchlein der Intellektuellen und Künstler. Paris in der Westentasche.

In das kleine schwarze Lederbüchlein haben Bruce Chatwin, Pablo Picasso und auch Ernest Hemingway geschrieben. Das ist die Erhebung in den Adelsstand für ein stinknormales Notizbüchlein.

Was steckt hinter dem Erfolg des Moleskine? Die Ausstattung zeigt sich trotz kleinem Preis liebevoll: liniertes Papier, Lesebändchen, kräftiger Kartonumschlag, eine Falttasche am Ende, Fadenheftung und ein Gummiband zum Schließen.

Der Moleskine ist eine Erfolgsgeschichte. In seinem Buch Traumpfade beschreibt Bruce Chatwin 1986, er würde in kleinen

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Das Land, das mit Hemingway zahlt

Der alte Mann und das Meer. EL VIEJO Y EL MAR – PREMIO NOBEL 1952 – 1982 steht auf dieser Silbermünze, die Bezug nimmt auf das Erscheinungsjahr des Romans 1952. Den Literatur-Nobelpreises verlieh man ihm dafür zwei Jahre später. Ernest Hemingway liest man am Fuß der Münze, man hätte genau so gut auch El Nuestro Querido Ernesto schreiben können.

Ernest Hemingway wird auf Kuba so verehrt, dass die kommunistische Regierung diesem Gringo 1982 gar eine Serie von drei Münzen gewidmet hat. Neben einem Portrait des amerikanischen Autors und einer Münze, auf der sein Motorboot Pilar zu sehen ist, zeigt die schönste 5-Peso-Münze ein Motiv aus dem Roman Der alte Mann und das Meer.

Don Ernesto hatte Der alte Mann und das Meer 1951 in seiner Finca Vigía nahe Havanna geschrieben und da der Roman von

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Ernest Hemingway küsst die kubanische Fahne

Kuba, im April 1983; Photo by W. Stock

Anfang November 1959, Fidel Castro, Che Guevara und die anderen Bärtigen sind ein knappes Jahr an der Macht, da kommt Ernest Hemingway aus Europa zurück in seine Wahlheimat Kuba. Bei seiner Ankunft auf Havannas Rancho-Boyeros-Flughafen am 3. November spricht ihn der argentinische Journalist Rodolfo Walsh auf die Horrorgeschichten aus den US-Zeitungen über die Revolution an.

Ärgerlich macht sich der vollbärtige Autor Luft: Schon meine Frau hat gesagt, sie glaubt nicht, was die amerikanischen Zeitungen da schreiben. Ich bin sehr glücklich, wieder hier zu sein, weil ich als Kubaner fühle. Ich will nicht, dass ihr in mir einen Yankee seht. Sprach’s, schreitet zu einer kubanischen Flagge und küsst sie.

Daraufhin schlagzeilt am 5. November Havannas Tageszeitung El Mundo stolz: Von seiner Europareise zurück – Hemingway unterstützt die Revolution. Ein

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Nach 63 Jahren kommt Ernest Hemingway zurück zum Rialto Fischmarkt

Venedig, im September 2011; Photo by W. Stock

Venedig, Anfang September 2011

Ein Spaziergang durch Venedig. Kurz vor dem Canal Grande kommen wir zum Mercato di Rialto mit der Pescheria, dem riesigen Fischmarkt.

Der Fischmarkt an der Rialto-Brücke ist der größte in Venedig, manch einer sagt, ein wenig sei er auch das Herz, oder sollte man besser sagen, der Bauch dieser Stadt. Seit dem 9. Jahrhundert wird hier am Rialto, dem rivo alto, am hohen Fluss gehandelt, und von hier aus begann sich die Stadt in der Lagune zu besiedeln.

Am südlichen Eingang der antiken Markthalle komme ich an einem mannshohes Plakat vorbei. Il Veneto di Ernest Hemingway. In 90 Fotografie. Das Venetien von Ernest Hemingway. Eine Ausstellung in 90 Fotographien.

Die Ausstellung im Palazzo Loredan im Campo Santo Stefano legt Zeugnis davon ab, wie sehr Ernest Hemingway dieses Veneto liebte, und wie sehr das Veneto diesen Ernest Hemingway verehrt. Auch heute noch.

Das Foto des Ausstellungsposters zeigt

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Ernest Hemingway besucht San Gaetano und ist glücklich

San Gaetano, im August 2011; Photo by W. Stock

San Gaetano, Ende August 2011

Nach drei Jahrzehnten kommt Ernest Hemingway zurück, zurück in sein geliebtes Italien. Im September 1948 landen Ernest und seine Frau Mary von Kuba kommend in Genua und fahren im Buick nach Cortina. Von dort geht es in Richtung Süden, zuerst nach Fossalta, wo der junge Ernest 30 Jahre zuvor schwer verwundet worden war, er zeigt die Stelle seiner Übersetzerin Fernanda Pivano.

Weiter nach Venedig. Von Torcello, wo sie wohnen, fahren die Hemingways ins Valle San Gaetano, wo der Baron Nanuk Franchetti zur Entenjagd einlädt. Federico Kechler, ein Landbesitzer in Cortina, hat den Kontakt geknüpft zu den Franchettis, einem alten venezianischen Adel.

Der kleine venetianische Weiler San Gaetano, zwei Kilometer östlich von Ottava Presa, mit seinem halben Dutzend Häusern wird von

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Ernest Hemingway schreibt Caorle unsterblich

gefunden in Caorle, im August 2011. Photo by W. Stock

Caorle, Ende August 2011

Irgendwie scheint der Mann noch da zu sein. An der Piazza, im Restaurant, in dem er  gesessen hat, weist ein reifengroßes Schild daraufhin und im Hafen liegt ein Motorboot, das seinen Spuren folgt. Im Fremdenverkehrsbüro hängt ein riesiges Pappposter, das ihn und seinen Freund Nanuk Franchetti bei einem Jagdausflug in der Lagune von Caorle zeigt.

Caorle, 60 Kilometer östlich von Venedig, ein pittoreskes Fleckchen Erde mit vielen bunten Häusern, hält die Erinnerung an diesen Ernest Hemingway lebendig. Ein billiger Werbetrick mit einer Person, die sich nicht mehr wehren kann, weil sie schon seit über 50 Jahren tot ist?

Nein, nein, die Sache liegt hier anders. Hemingway kannte Caorle, und er mag den Ort. Der Amerikaner gerät ins Schwärmen über diese Landschaft am Meer, er ist betört von ihrer Vegetation, von ihrem Duft. Diese Gegend hier bedeutete ihm sehr viel, mehr als er je irgendwem sagen würde und konnte.

Hemingway mag

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Ernest Hemingway und die einfachen Leute

Ein Abendbummel durch das kleine venetianische Fischerdorf Caorle. Hier an der adriatischen Küste, eine gute Stunde östlich von Venedig, wartet in der pittoresken Altstadt eine seltsame Überraschung auf mich.

In die Ecke der Fensterscheibe eines dieser typischen farbenfrohen Häuser hat jemand liebevoll und ohne triftigen Anlass das schwarz-weiße Portrait eines älteren, bärtigen Mannes geklebt. Nein, nein, kein Christusbild, und auch nicht den Baghwan, alles ganz falsch, es ist ein anderer. Das Foto zeigt  den Schriftsteller Ernest Hemingway.

Es bleibt ein bemerkenswerter Umstand, dass dieser Nobelpreisträger seine Spuren hinterlassen hat und gerade auch von einfachen Menschen mit großer Passion gelesen wird. Selbst Leute, die sonst selten ein Buch in die Hand nehmen, erliegen der Faszination seiner Stories und Romane.

Hemingway beherrscht wie kein anderer die Kunst des

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Der große Ernest Hemingway hat sich leer geschrieben

Photo by W. Stock

Im Morgengrauen des 2. Juli 1961, es ist ein Sonntag, beginnt der Tag in Ketchum still und hell. Leise schleicht sich Ernest Hemingway aus seinem Schlafzimmer, Mary schläft noch fest.

Hemingway geht hinunter in den Keller und holt aus dem Waffenschrank sein Lieblingsgewehr, geht wieder hoch in die Diele, nimmt die doppelläufige, in Silber eingelegte Jagdwaffe, lädt sie, setzt beide wuchtige Läufe der Schrotflinte an seine Stirn und drückt ab.

Es ist halb acht. Der Schuss zerreißt die Stille des Morgens im ganzen Tal.

Genau genommen war Ernest Hemingway schon vor dem 2. Juli ein toter Mann. Denn Hemingway besaß nicht mehr die Kraft, gegen sein Erlöschen anzukämpfen. Er konnte nicht mehr, er war am Ende angelangt. Als Kerl, als Ehemann und vor allem als Autor.

Er hatte alles geschrieben, was zu schreiben war: über den

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