Octavio Paz nörgelt ganz schön
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Octavio Paz

Photo by W. Stock

Von Octavio Paz gibt es das Gedichtbändchen Suche nach einer Mitte, und dies mag vielleicht als Leitspruch seines Lebens gelten – weniger politisch, das auch, sondern eher philosophisch. Die Literatur ist, um einen etwas altmodischen Begriff zu verwenden, Zwiegespräch, meint er. Sie habe dem Dialog, dem Diskurs und dem Ausgleich zu dienen.

Ob man ihn als Mann der Mitte richtig beschreibe? Eigentlich schon, er suche die Balance der Extreme, den Kompromiss von Kapitalismus und Kommunismus, den Ausgleich von Vernunft und Gefühl, von Wirklichkeit und Idee. Denn die beiden vorgeblichen Paradiese, das kapitalistische wie das sozialistische, haben sich zu Höllenbildern gewandelt.

Paz sieht das Scheitern aller Revolutionen und, fügt er rasch hinzu, auch des Christentums. Wenn die Rede auf religiöse Themen kommt, greift Octavio Paz gerne zu mildem Spott. Was er denn von der Theologie der Befreiung halte? Na ja, eigentlich sei er eher für die Befreiung von der Theologie.

Im Ausland gilt Octavio Paz als eher Konservativer, doch in seiner mexikanischen Heimat gibt er die liberale und aufmüpfige Kulturzeitschrift Vuelta heraus. Eigentlich ist er ein Poet und Intellektueller mit Ecken und Kanten, jemand, der so recht in keine der üblichen Schablonen passen will, nicht links, nicht rechts. Aber die Mitte ist auch ein merkwürdiger Ort für solch einen Denker.

Jedenfalls sei er kritisch. Er stelle seine Person und sein ganzes Werk in den Dienst der Kritik. Ich bin gegen absolute Lösungen. Ich glaube an die Kritik, ich glaube nicht an absolute Wahrheiten. In der Tiefe seines aztekischen Herzens ist Octavio Paz, der in Mexico City am Paseo de la Reforma lebt, ein europäischer Rationalist mit liberalen Gedanken geblieben.

Die Verse von Paz besitzen eine fast spielerische Leichtigkeit und erstaunen durch ihre Kühnheit an ausgefallenen Metaphern, an gewagten Collagen und an betörenden Klangassoziationen. Oft allerdings will Don Octavio des guten zuviel, da wird Kritik schnell zur beliebigen Nörgelei. In Conjunciones y disyuncionesVerbindungen und Trennungen – schwadroniert er über die Gefahren des Atoms, charmiert über buddhistische Ich-Kritik, grübelt über den Geschlechtsakt in dunklen Straßenecken und beurteilt als Dreingabe noch die Filme Luis Buñuels.

In der Tat gerät man ins Staunen, mit welcher Burschikosität Octavio Paz Versatzstücke aus Philosophie, Literatur, Psychologie, Politologie und aus manch anderen Ologien durch den Fleischwolf zu drehen versteht. Thematische Bandbreite, meinen seine Anhänger. Oberflächlichkeit und Größenwahn, werfen Kritiker ein.

Nun ja, wenn man als größter Denker seiner Nation gesehen wird, mag man auch dies aushalten. Und es kommt noch ärger. 1990 erhält Octavio Paz den Literatur-Nobelpreis, als erster Mexikaner überhaupt. Nun ja, wir wollen nichts gesagt haben.